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Trotz Früh­jahrs­flau­te bleibt Ar­beits­markt ro­bust

Schwä­cheln­de Kon­junk­tur, Auf­trags­flau­ten in der In­dus­trie, ver­un­si­cher­te Un­ter­neh­men - bis­lang steckt der Ar­beits­markt sol­che ne­ga­ti­ven Vor­zei­chen noch gut weg: Die Bun­des­agen­tur für Ar­beit bleibt auch für die kom­men­den Mo­na­te zu­ver­sicht­lich
Logo der Bundesagentur für Arbeit, weißes Dreieck auf rotem Hintergrund Die Käl­te ver­zö­gert den Früh­jahrs­auf­schwung des deut­schen Ar­beits­markts

30.03.2013 (dpa) - Trotz Kon­junk­tur­flau­te er­weist sich der deut­sche Ar­beits­markt wei­ter­hin als ro­bust - auch für die kom­men­den Mo­na­te rech­net die Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) mit "ei­ner so­li­den Ent­wick­lung".

Im März hat dem Ar­beits­markt al­ler­dings der lang an­hal­ten­de Win­ter zu­ge­setzt.

Die Käl­te ver­zö­ger­te den Früh­jahrs­auf­schwung und ließ die Zahl der Er­werbs­lo­sen deut­lich schwä­cher sin­ken als in den Vor­jah­ren, wie die BA am Don­ners­tag in Nürn­berg be­rich­te­te.

Dem­nach ver­rin­ger­te sich die Zahl der Job­su­cher zum Früh­lings­be­ginn le­dig­lich um 58 000 auf 3 098 000. Im Ver­gleich zum Vor­jahr stieg die Zahl der ar­beits­lo­sen Män­ner und Frau­en so­gar um 70 000 an, wie BA-Vor­stands­chef Frank-Jür­gen Wei­se er­läu­ter­te.

Die Ar­beits­lo­sen­quo­te ging zum Vor­mo­nat um 0,1 Punk­te auf 7,3 Pro­zent zu­rück. Vor ei­nem Jahr hat­te sie 7,2 Pro­zent be­tra­gen.

Auf vie­len Bau­stel­len ha­be die Ar­beit - an­ders als in den Vor­jah­ren - bis En­de März ge­ruht, er­läu­ter­te Wei­se. Auch in Gärt­ne­rei­en, dem Land­schafts­bau und der Land­wirt­schaft hat sich nach Ex­per­ten­ein­schät­zung der Sai­son­start ver­scho­ben. Ent­spre­chend hät­ten Bau­un­ter­neh­men und Gar­ten­bau­be­trie­be mit der Ein­stel­lung von Sai­son­kräf­ten ge­zö­gert.

Ver­gleichs­wei­se ge­las­sen in Be­zug auf den deut­schen Ar­beits­markt sieht BA-Chef Wei­se die Zy­pern-Fi­nanz­kri­se. Zwar sei die La­ge we­gen Zy­pern et­was un­si­che­rer ge­wor­den. Trotz­dem ge­he er nicht da­von aus, dass die da­durch in vie­len Chef-Eta­gen aus­ge­lös­te Ver­un­si­che­rung auf den deut­schen Ar­beits­markt durch­schla­ge.

Un­ge­ach­tet der wie­der ins öf­fent­li­che Be­wusst­sein ge­rück­ten Eu­ro-Schul­den­kri­se hält die Bun­des­agen­tur wei­ter an der Pro­gno­se von 2,86 Mil­lio­nen Ar­beits­lo­sen im Jah­res­schnitt 2013 fest; dies wä­ren rund 40 000 Er­werbs­lo­se we­ni­ger als 2012.

Zu­ver­sicht macht sich auch bei den 156 deut­schen Ar­beits­agen­tu­ren breit. Von ih­nen rech­ne­ten nach BA-An­ga­ben im März nur noch 26 Pro­zent mit ei­ner stei­gen­den sai­son­be­rei­nig­ten Ar­beits­lo­sig­keit in den kom­men­den Mo­na­ten; im Fe­bru­ar wa­ren es noch 46,8 Pro­zent ge­we­sen.

Von ei­ner gleich­blei­ben­den Er­werbs­lo­sig­keit ge­hen der­zeit 66 Pro­zent statt wie im Vor­mo­nat knapp 50 Pro­zent aus. Auch die Kurz­ar­beit dürf­te nach Ein­schät­zung vie­ler Ver­mitt­ler an Be­deu­tung ver­lie­ren.

Zwar stieg nach An­ga­ben von Bun­des­agen­tur-Chef Wei­se die Zahl der Kurz­ar­bei­ter zum Jah­res­wech­sel noch ein­mal deut­lich von 74 000 auf 88 800. Al­ler­dings gin­gen die An­mel­dun­gen der Fir­men zu­rück: Hat­ten die Be­trie­be im Fe­bru­ar noch vor­sorg­lich für 43 000 Män­ner und Frau­en Kurz­ar­bei­ter­geld bei den Ar­beits­agen­tu­ren be­an­tragt, so wa­ren es nach jüngs­ten BA-Hoch­rech­nun­gen nur noch 30 000.

Wie weit der Ar­beits­markt der­zeit noch von ei­ner Kri­se ent­fernt ist, zeigt nach BA-Ein­schät­zung auch die wei­ter stei­gen­de Zahl der Er­werbs­tä­ti­gen: Sie klet­ter­te nach den jüngs­ten Da­ten vom Fe­bru­ar im Ver­gleich zum Vor­jahr um 282 000 auf 41,4 Mil­lio­nen. Bei den Ar­beits­plät­zen mit So­zi­al­ver­si­che­rungs­pflicht ver­zeich­ne­ten die Sta­tis­ti­ker bin­nen Jah­res­frist so­gar ein Plus von 395 000 auf 28,97 Mil­lio­nen. Al­ler­dings ent­ste­hen die neu­en Jobs nicht in al­len Bran­chen glei­cher­ma­ßen; kaum noch Be­we­gung gibt es et­wa in der In­dus­trie.

Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) schätzt die wei­te­re Ent­wick­lung am Ar­beits­markt den­noch zu­ver­sicht­lich ein. Die Früh­jahrs­be­le­bung sei zwar wit­te­rungs­be­dingt et­was schwä­cher als sonst aus­ge­fal­len. Die Kon­junk­tur­si­gna­le sei­en aber po­si­tiv. "Wir ha­ben gu­ten Grund zur Zu­ver­sicht", hieß es in ei­ner Stel­lung­nah­me. Der deut­sche Ar­beits­markt zei­ge sich ro­bust und grunds­ta­bil.

Un­gleich kri­ti­scher be­ur­teilt der­weil die Bun­des­tag-Op­po­si­ti­on die Ar­beits­markt­la­ge. Die SPD-Frak­ti­on be­män­gelt vor al­lem die vor ge­nau ei­nem Jahr in Kraft ge­tre­te­ne In­stru­men­ten­re­form; die­se ha­be die Spal­tun­gen am Ar­beits­markt ver­tieft und die Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit ver­fes­tigt. Die Idee, die ar­beits­markt­po­li­ti­schen In­stru­men­te zu ver­rin­gern und ein­fa­cher zu struk­tu­rie­ren, sei zwar gut ge­we­sen. Doch die Um­set­zung sei Schwarz-Gelb deut­lich miss­lun­gen.

Die Links­par­tei macht für die schwä­che­re Früh­jahrs­be­le­bung nicht nur den lan­gen Win­ter, son­dern auch die wach­sen­den Kon­junk­tur­pro­ble­me ver­ant­wort­lich. Der Ar­beits­markt sei in den Sog der Kri­sen­län­der ge­ra­ten, de­ren Pro­ble­me der Kurs der deut­schen Bun­des­re­gie­rung ver­schär­fe, be­ton­te die Par­tei in ei­ner Stel­lung­nah­me.

Zwei­fel an der an­geb­li­chen Ro­bust­heit des deut­schen Ar­beits­mark­tes mel­de­ten auch die Grü­nen im Bun­des­tag an: Je­der Drit­te sei lang­zeit­ar­beits­los, die Ar­beits­kräf­te­nach­fra­ge sei wei­ter rück­läu­fig und Mil­lio­nen Be­schäf­tig­te ar­bei­te­ten un­ter pre­kä­ren Be­din­gun­gen.

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Letzte Überarbeitung: 2. Januar 2014

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