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Früh­ren­te mit 49 - Im­mer mehr psy­chisch Kran­ke schei­den aus dem Job aus

De­pres­sio­nen und an­de­re psy­chi­sche Lei­den be­deu­ten je­des Jahr für Zehn­tau­sen­de das be­ruf­li­che Aus - Ten­denz stei­gend: Deutsch­lands Psy­cho­the­ra­peu­ten schla­gen Alarm: Vie­le Kran­ke wür­den ab­ge­scho­ben
Fünf Arbeitnehmer Was kann man ge­gen psy­chi­sche Krank­hei­ten un­ter­neh­men?

28.01.2014. (dpa) - Ar­beit­neh­mer in Deutsch­land kom­men im­mer häu­fi­ger we­gen psy­chi­scher Er­kran­kun­gen in Früh­ren­te.

Die Zahl der Be­trof­fe­nen stieg in­ner­halb von zehn Jah­ren um rund 25 000 auf 75 000 im Jahr 2012, wie die Psy­cho­the­ra­peu­ten­kam­mer am Diens­tag in Ber­lin un­ter Be­ru­fung auf die Ren­ten­ver­si­che­rung mit­teil­te.

Im Durch­schnitt sind die Men­schen dann erst 49 Jah­re alt.

"Psy­chisch kran­ke Früh­rent­ner wer­den prak­tisch ab­ge­schrie­ben", kri­ti­sier­te Kam­mer­prä­si­dent Rai­ner Rich­ter. Da­bei könn­te vie­len Kran­ken laut Rich­ter ge­hol­fen wer­den - mit bes­se­rer Be­hand­lung oder mehr Re­ha­bi­li­ta­ti­on in­klu­si­ve The­ra­pi­en und Trai­nings. Ar­beit sei nicht nur be­las­tend, son­dern kön­ne die Be­trof­fe­nen auch sta­bi­li­sie­ren, wenn ih­re Lei­den an­ge­mes­sen be­han­delt wer­den. Ins­ge­samt aber be­kom­me nur je­der drit­te psy­chisch Kran­ke in Deutsch­land über­haupt ei­ne The­ra­pie.

Fast je­de zwei­te neue Früh­ren­te sei psy­chisch ver­ur­sacht. Als Grund zu­ge­nom­men hät­ten seit 2001 vor al­lem De­pres­sio­nen (plus 96 Pro­zent), Per­sön­lich­keits- und Ver­hal­tens­stö­run­gen (plus 74 Pro­zent) so­wie Such­ter­kran­kun­gen (plus 49 Pro­zent).

Oft geht der Früh­ver­ren­tung ei­ne län­ge­re Lei­dens­ge­schich­te vor­aus. So stel­len auch die Kran­ken­kas­sen im­mer wie­der dar, dass die Fehl­ta­ge we­gen De­pres­sio­nen und an­de­rer see­li­scher Lei­den stark zu­näh­men. Laut Psy­cho­the­ra­peu­ten­kam­mer hat sich die Zahl der ent­spre­chen­den Fehl­ta­ge seit der Jahr­tau­send­wen­de fast ver­dop­pelt. Nicht sel­ten wer­de aus ei­ner vor­über­ge­hen­den Ar­beits- ei­ne dau­er­haf­te Er­werbs­un­fä­hig­keit.

Rich­ter kri­ti­sier­te, die Kran­ken wür­den häu­fig un­zu­mut­bar zwi­schen Kran­ken- und Ren­ten­ver­si­che­rung hin- und her­ge­scho­ben. Die Kas­se kön­ne den Ver­si­cher­ten näm­lich auf­for­dern, ei­nen Re­ha-An­trag zu stel­len. "Auf die­se Wei­se kann sie Aus­ga­ben für Kran­ken­be­hand­lung und Kran­ken­geld spa­ren." Die Re­ha­bi­li­ta­ti­on geht zu Las­ten der Ren­ten­kas­se. Wenn ein Gut­ach­ter die Re­ha nicht als er­folgs­ver­spre­chend be­wer­tet, wer­de aus dem Re­ha-An­trag au­to­ma­tisch ein Ren­ten­an­trag. Häu­fig lan­de­ten die Pa­ti­en­ten aber auch wie­der bei der Kran­ken­kas­se, weil sie an­de­re Kran­ken­be­hand­lun­gen bräuch­ten.

Mit der Früh­ren­te steigt nach Dar­stel­lung der Kam­mer das Ar­muts­ri­si­ko der psy­chisch Kran­ken. Denn die Er­werbs­min­de­rungs­ren­ten sei­en seit 2000 stark ge­fal­len - auf zu­letzt durch­schnitt­lich rund 600 Eu­ro pro Mo­nat. Mehr als ein Vier­tel der er­werbs­un­fä­hi­gen Rent­ner le­be in Ein­kom­mens­ar­mut.

Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) rief die Bun­des­re­gie­rung zu kla­ren Re­geln ge­gen zu­neh­men­den Stress am Ar­beits­platz auf. "Wir brau­chen ei­ne An­ti-Stress-Po­li­tik, da­mit Ar­beit nicht län­ger krank macht", sag­te DGB-Vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach der Deut­schen Pres­se-Agen­tur.

Grü­nen-Ge­sund­heits­ex­per­tin Ma­ria Klein-Schme­ink for­der­te die Bun­des­re­gie­rung auf, sich der Miss­stän­de an­zu­neh­men. "Wir brau­chen drin­gend ei­nen um­fas­sen­den Ak­ti­ons­plan See­li­sche Ge­sund­heit." Kam­mer­prä­si­dent Rich­ter mahn­te, die mo­na­te­lan­gen War­te­zei­ten auf ei­nen The­ra­pie­platz müss­ten ge­senkt wer­den. "Wir brau­chen da ge­setz­li­che Vor­ga­ben."

Ham­burgs Ge­sund­heits­se­na­to­rin Cor­ne­lia Prü­fer-Storcks (SPD) er­in­ner­te an ei­nen Ent­wurf für ei­ne sol­che Re­ge­lung, den Ham­burg im ver­gan­ge­nen Jahr mit Bran­den­burg, Bre­men und Nord­rhein-West­fa­len in den Bun­des­rat ein­ge­bracht hat­te. Die da­ma­li­ge schwarz-gel­be Ko­ali­ti­on ha­be die Initia­ti­ve aber nicht auf­ge­grif­fen, kri­ti­sier­te die Se­na­to­rin. "Mit un­se­rem Ent­wurf für ei­ne bun­des­wei­te Ver­ord­nung liegt be­reits ein fer­ti­ger Vor­schlag vor, den die Bun­des­re­gie­rung schnell auf­neh­men soll­te."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 20. Oktober 2016

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