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Funk­stil­le nach Fei­er­abend

In Wirt­schaft und Ver­wal­tung zei­gen im­mer mehr Chefs Ver­ständ­nis für die nö­ti­gen Ru­he­pha­sen ih­rer Mit­ar­bei­ter: E-Mails oder An­ru­fe nach Dienst­schluss soll es nur noch in Son­der­fäl­len ge­ben. Nun setzt auch das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um die Funk­stil­le nach Fei­er­abend durch
Terminkalender mit Stift und Mobiltelefon Muss man im­mer er­reich­bar sein?

31.08.2013. (dpa) - Stö­ren­de E-Mails und ner­vi­ge An­ru­fe in der Frei­zeit sind für vie­le Ar­beit­neh­mer ei­ne Last - doch im­mer mehr Kon­zer­ne und auch Be­hör­den wol­len der stän­di­gen Er­reich­bar­keit ei­nen Rie­gel vor­schie­ben.

Nach­dem zu­letzt et­li­che Un­ter­neh­men Richt­li­ni­en für ei­ne Funk­stil­le nach Fei­er­abend und im Ur­laub ver­schärft hat­ten, zog jetzt das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um nach: In ei­nem neu­en Ko­dex ver­pflich­tet sich das Res­sort von Ur­su­la von der Ley­en (CDU), Mit­ar­bei­ter nur noch in Aus­nah­me­fäl­len au­ßer­halb der Dienst­zeit zu kon­tak­tie­ren.

Ei­ne "Selbst­aus­beu­tung der Be­schäf­tig­ten" soll so ver­mie­den wer­den.

Da­mit sich die Kol­le­gen auch mit Han­dys, Smart­pho­nes und Lap­tops nicht stän­dig un­ter Strom füh­len müs­sen, ei­nig­ten sich Per­so­nal­rat und Lei­tung des Ar­beits­mi­nis­te­ri­ums auf die Re­ge­lung. Ei­ne Ver­ein­ba­rung zur Stress­ver­mei­dung gel­te be­reits seit Mai, hieß es am Frei­tag in Ber­lin. Es han­de­le sich aber nicht um die pau­scha­les Ab­schalt­ge­bot, son­dern um ein dif­fe­ren­zier­tes Mo­dell, das auf die un­ter­schied­li­chen Funk­tio­nen der Mit­ar­bei­ter im zu­ge­schnit­ten ist. Nach An­ga­ben der "Süd­deut­schen Zei­tung" soll in je­dem Fall kein Mit­ar­bei­ter be­nach­tei­ligt wer­den, der au­ßer­halb sei­ner Ar­beits­zeit sein Han­dy "ab­schal­tet oder Nach­rich­ten nicht ab­ruft".

Da­bei ist der Be­schluss kla­rer Re­geln im Haus von der Ley­ens bis­her of­fen­sicht­lich ei­ne Aus­nah­me - nicht in al­len Res­sorts der Bun­des­re­gie­rung sind solch spe­zi­el­le Re­ge­lun­gen üb­lich. Im Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um et­wa gibt es nach Dar­stel­lung ei­ner Spre­che­rin kei­ne so de­tail­lier­ten Be­stim­mun­gen. In der Pra­xis be­deu­te die be­ste­hen­de Ver­ein­ba­rung aber, dass Mit­ar­bei­ter nur in be­grün­de­ten Aus­nah­men ge­stört wer­den dürf­ten: "Aber dann dür­fen sie es auch."

Im In­nen­mi­nis­te­ri­um exis­tiert nach An­ga­ben ei­nes Spre­chers ei­ne der­ar­ti­ge Re­ge­lung nicht. Mit­ar­bei­ter hät­ten aber ge­nü­gend Zeit zur Er­ho­lung. Im Aus­wär­ti­gen Amt ist das Kri­sen­zen­trum rund um die Uhr er­reich­bar. Im Kanz­ler­amt be­steht kei­ne all­ge­mei­ne Ver­pflich­tung, stän­dig er­reich­bar zu sein - mit Aus­nah­me bei Ruf­be­reit­schaft.

In der Wirt­schaft wächst das Ver­ständ­nis für ein Ge­gen­steu­ern be­reits seit län­ge­rem. Ins­ge­samt müs­se aber je­de Fir­ma selbst wis­sen, wie sie Bur­nout-Ge­fah­ren be­geg­net. "Die deut­schen Ar­beit­ge­ber ge­hen ver­ant­wor­tungs­voll mit Ar­beits­zeit und Frei­zeit ih­rer Mit­ar­bei­ter um", heißt es aus dem Ver­band BDA. Zu­gleich dür­fe man frei­wil­li­gen Ein­satz nicht dämp­fen: "En­ga­ge­ment und Leis­tungs­be­reit­schaft soll­ten nicht zwangs­wei­se ein­ge­schränkt wer­den."

Auch Kon­zer­ne wie Daim­ler neh­men das The­ma ernst. Der Stutt­gar­ter Au­to­bau­er Daim­ler wer­tet der­zeit ei­nen Mo­dell­ver­such aus, bei dem Mit­ar­bei­ter in ih­rer Frei­zeit und im Ur­laub nicht mit E-Mails ge­stört wer­den. Nach der Be­wer­tung der Er­geb­nis­se soll es dann für al­le Mit­ar­bei­ter mit PC-Ar­beits­platz auf frei­wil­li­ger Ba­sis mög­lich sein, dass sie in ih­rer Frei­zeit kei­ne elek­tro­ni­schen Nach­rich­ten be­kom­men.

Ähn­li­che Re­ge­lun­gen gel­ten beim Au­to­bau­er Volks­wa­gen. Dort wer­den nach Dienst­schluss kei­ne Mails wei­ter­ge­lei­tet. Die Te­le­kom for­dert dem Blatt zu­fol­ge ih­re Mit­ar­bei­ter auf, in der Frei­zeit be­ruf­li­che Te­le­fo­na­te und Mails zu un­ter­las­sen. Beim En­er­gie­rie­sen Eon oder dem Sport­ar­ti­kel­her­stel­ler Pu­ma gibt es dem­nach eben­falls Be­schrän­kun­gen.

Der Au­to­bau­er BMW setzt der­weil auf Selbst­kon­trol­le. Au­ßer bei ex­pli­zit ver­ein­bar­ten Be­reit­schafts­diens­ten sei nie­mand ver­pflich­tet, au­ßer­halb der Ar­beits­zeit er­reich­bar zu sein. Da­ge­gen hat et­wa Sie­mens kei­ne spe­zi­el­le Re­ge­lung für den Um­gang mit spä­ten E-Mails. "Je­der Mit­ar­bei­ter ist mün­dig. Er soll­te selbst ent­schei­den kön­nen, wann er die Me­di­en nutzt und wann er sie ab­schal­tet", sag­te ein Spre­cher des Münch­ner Kon­zerns. Das Phar­ma­un­ter­neh­men Bo­eh­rin­ger In­gel­heim ver­weist auf ein ein­ge­spiel­tes Ver­ständ­nis zwi­schen Ma­nage­ment und Be­leg­schaft: Es sei "seit vie­len Jah­ren ge­leb­te Pra­xis, Fei­er­abend und Ur­laub der Mit­ar­bei­ter zu re­spek­tie­ren".

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 13. August 2014

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