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ARBEITSRECHT AKTUELL // 13/354

Ver­ord­ne­te Funk­stil­le: Fir­men ge­hen ge­gen Mails nach Fei­er­abend vor

E-Mail-Flut nach Dienst­schluss: Bei vie­len Ar­beit­neh­mern fül­len be­ruf­li­che Mails auch in ih­rer Frei­zeit die Post­fä­cher. Ei­ni­ge Un­ter­neh­men ha­ben das Pro­blem er­kannt - und kap­pen die Ser­ver ab
Bildschirmarbeit Wo­hin führt die stän­di­ge Er­reich­bar­keit?

30.11.2013. (dpa) - Bei im­mer mehr Mit­ar­bei­tern im Volks­wa­gen-Kon­zern gibt das Smart­pho­ne nach Fei­er­abend weit­ge­hend Ru­he.

Der Mail-Ser­ver für die mo­bi­len Ge­rä­te lei­tet au­ßer­halb der Ker­nar­beits­zei­ten kei­ne Nach­rich­ten mehr wei­ter.

In Rand­zei­ten, am Wo­chen­en­de und an Fei­er­ta­gen wer­den da­durch mitt­ler­wei­le 3500 Be­schäf­tig­te, zum Bei­spiel In­ge­nieu­re und Ent­wick­ler, von dienst­li­chen E-Mails ver­schont.

Kein nör­geln­der Chef, kei­ne quen­geln­den Kun­den - zu­min­dest in der Frei­zeit. Ein Schritt, der dem neu­en IG-Me­tall-Chef Det­lef Wet­zel ge­fal­len dürf­te.

Er setz­te das The­ma jetzt wie­der auf die Ta­ges­ord­nung.

Wet­zel sieht auch die Po­li­tik in der Pflicht, der stän­di­gen Er­reich­bar­keit nach Fei­er­abend ein En­de zu set­zen.

Der Ar­beits­psy­cho­lo­ge Tim Ha­ge­mann von der Fach­hoch­schu­le der Dia­ko­nie in Bie­le­feld hält sol­che E-Mail-Sper­ren für sinn­voll. Wenn ein Ar­beit­neh­mer stän­dig er­reich­bar sei, kön­ne das ernst­haf­te ge­sund­heit­li­che Fol­gen ha­ben. "Wenn man im Be­ruf Pro­ble­me lö­sen muss, schal­tet das Ge­hirn au­to­ma­tisch auf Hoch­leis­tungs­mo­dus", er­klärt der Ex­per­te.

An­de­re Res­sour­cen wür­den da­für al­ler­dings zu­rück­ge­fah­ren, zum Bei­spiel die Ma­gen-Darm-Funk­ti­on und das Im­mun­sys­tem. Wer per­ma­nent für den Chef im Stand­by-Mo­dus sei, der sei des­halb be­son­ders an­fäl­lig für Stres­ser­kran­kun­gen. Ma­gen­ge­schwü­re, Blut­hoch­druck, aber auch ei­ne hart­nä­cki­ge Er­käl­tung könn­ten stress­be­dingt sein.

Vie­le Un­ter­neh­men ha­ben das Pro­blem in­zwi­schen er­kannt und ver­su­chen, die Frei­zeit ih­rer Mit­ar­bei­ter bes­ser zu schüt­zen. Bei der Te­le­kom ha­ben sich al­le lei­ten­den An­ge­stell­ten ver­pflich­tet, ih­ren Mit­ar­bei­tern nach Dienst­schluss, am Wo­chen­en­de und im Ur­laub kei­ne Mails hin­ter­her zu schi­cken.

"Wir wis­sen, was so ei­ne Nach­richt nach Fei­er­abend für Mail-Kas­ka­den aus­lö­sen kann. Vie­le Din­ge kön­nen ge­nau­so gut am nächs­ten Tag ge­klärt wer­den", sagt ein Te­le­kom-Spre­cher. Wenn sich be­reits wäh­rend der Ar­beits­zeit an­deu­te, dass es noch Ab­sprache­be­darf nach Fei­er­abend ge­ben könn­te, müs­se die Er­reich­bar­keit vor­her ver­ein­bart wer­den.

Auch der Au­to­her­stel­ler Daim­ler will die E-Mail-Flut ein­däm­men. In ei­nem Pi­lot-Pro­jekt konn­ten ei­ni­ge Mit­ar­bei­ter be­reits an Os­tern und in den Som­mer­fe­ri­en ihr Post­fach so ein­stel­len, dass E-Mails, die sie im Ur­laub er­rei­chen, au­to­ma­tisch ge­löscht wer­den. Der Ab­sen­der er­hielt ei­nen Hin­weis und ei­ne Ab­we­sen­heits­no­tiz, in dem ein Ver­tre­ter ge­nannt wur­de. "Der­zeit wer­den die Vor­aus­set­zun­gen da­für auch in an­de­ren Be­rei­chen ge­schaf­fen", sagt ein Daim­ler-Spre­cher. Wann al­ler­dings al­le Mit­ar­bei­ter in den Ge­nuss der E-Mail-frei­en Frei­zeit kom­men, ist noch un­klar. Das Vor­ha­ben hat­te Daim­ler En­de ver­gan­ge­nen Jah­res an­ge­kün­digt.

Ar­beits­psy­cho­lo­ge Ha­ge­mann warnt al­ler­dings vor star­ren Ver­bo­ten. Für vie­le Ar­beit­neh­mer er­leich­te­re es das Fa­mi­li­en­le­ben, wenn sie auch nach Fei­er­abend noch an ih­re Mails kom­men. "Dann wer­den erst die Kin­der ins Bett ge­bracht und dann kön­nen sich die El­tern noch ein­mal in Ru­he ei­nem wich­ti­gen Pro­jekt wid­men. Vie­le kön­nen vor­her gar nicht rich­tig ab­schal­ten", meint Ha­ge­mann.

Für glo­bal ar­bei­ten­de Un­ter­neh­men sei es au­ßer­dem oft schwie­rig, über­haupt Ter­mi­ne für Te­le­fon­kon­fe­ren­zen zu fin­den, die nicht au­ßer­halb der re­gu­lä­ren Ar­beits­zeit lie­gen, sagt der Ex­per­te. Der In­dus­trie­kon­zern Sie­mens ver­zich­tet des­halb ganz auf be­son­de­re Re­geln zu Mails nach Fei­er­abend. "Im Rah­men des be­trieb­lich Mög­li­chen und der ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen soll­ten Mit­ar­bei­ter selbst ent­schei­den kön­nen, wann sie mo­der­ne Ar­beits­me­di­en nut­zen und wann sie die­se ab­schal­ten", heißt es aus dem Un­ter­neh­men.

Wis­sen­schaft­ler Ha­ge­mann sieht die stän­di­ge Er­reich­bar­keit oh­ne­hin als Pro­blem, das vor al­lem Füh­rungs­kräf­te be­trifft. Je hö­her man in der Hier­ar­chie auf­stei­ge, des­to eher müs­se man sich an Mail-Ver­kehr nach Fei­er­abend ge­wöh­nen. Auch die stren­ge Re­ge­lung bei VW gilt nur für Ta­rif­be­schäf­tig­te - nicht für Füh­rungs­per­so­nal.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 19. November 2015

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