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Ge­plan­te Su­per­markt­fu­si­on wird zur Ner­ven­pro­be - kein En­de in Sicht

Nach dem grü­nen Licht des Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ters ist der ge­plan­te Zu­sam­men­schluss der Su­per­markt­ket­ten Ede­ka und Kai­ser`s Ten­gel­mann noch längst nicht per­fekt: Im­mer noch steht die Ei­ni­gung mit Ver­di über ei­nen Ta­rif­ver­trag für die rund 16.000 Be­schäf­tig­ten aus
War­um kommt kei­ne Ei­ni­gung zu­stan­de?

07.07.2016. (dpa) - Fast vier Mo­na­te nach der Mi­nis­ter­er­laub­nis für die Han­dels­e­he der Su­per­markt­ket­ten Ede­ka und Kai­ser's Ten­gel­mann ist die hef­tig um­strit­te­ne Fu­si­on zur Hän­ge­par­tie ge­wor­den.

Längst sind die zu­nächst mit gro­ßem Elan in vier Be­zir­ken an­ge­gan­ge­nen Ge­sprä­che zwi­schen der Ge­werk­schaft Ver­di und Ede­ka über ei­nen Ta­rif­ver­trag ins Sto­cken ge­ra­ten.

Vor al­lem in Nord­rhein-West­fa­len schei­nen die Po­si­tio­nen bei­der Sei­ten noch weit aus­ein­an­der. Kommt kei­ne Ei­ni­gung zu­stan­de, könn­te die Mi­nis­ter­er­laub­nis schließ­lich doch nicht ge­nutzt wer­den - mit un­ab­seh­ba­ren Fol­gen für die rund 16.000 Be­schäf­tig­ten der Su­per­markt­ket­te Kai­ser`s Ten­gel­mann. Da­bei hat­te Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­bri­el (SPD) ge­ra­de den Schutz der Ar­beits­plät­ze zur zen­tra­len Auf­ga­be in dem Ta­rif­po­ker ge­macht.

Ei­ne schnel­le Ei­ni­gung ist da­bei of­fen­bar nicht in Sicht. Der nächs­te Ver­hand­lungs­ter­min im Pro­blem­be­zirk NRW steht nach An­ga­ben der Ge­werk­schaft Ver­di erst in den kom­men­den Wo­chen auf dem Pro­gramm. Wäh­rend Ede­ka in der Ver­gan­gen­heit kon­se­quent je­den Kom­men­tar zum Stand der Ver­hand­lun­gen ab­ge­lehnt hat­te, hat­te die Ge­werk­schaft in den ver­gan­ge­nen Wo­chen wie­der­holt über in ih­ren Au­gen un­zu­mut­ba­re For­de­run­gen ge­klagt. Zu den Knack­punk­ten der Ver­hand­lun­gen soll da­bei et­wa das Schick­sal der rund 400 Be­schäf­tig­ten in der Mül­hei­mer Un­ter­neh­mens­zen­tra­le ge­hö­ren.

Noch bis vor ei­ni­gen Wo­chen hat­te sich Ede­ka-Chef Mar­kus Mo­sa op­ti­mis­tisch ge­zeigt, dass die hef­tig um­strit­te­ne Fu­si­on zü­gig um­ge­setzt wer­den kön­ne. Nach ei­nem Ver­bot durch das Kar­tell­amt hat­te schließ­lich erst die Mi­nis­ter­er­laub­nis von Sig­mar Ga­bri­el (SPD) den Weg un­ter der Auf­la­ge frei ge­macht, dass Ede­ka mit den Ge­werk­schaf­ten rechts­si­che­re Ver­trä­ge für die Be­schäf­tig­ten aus­han­delt.

Da­bei wird der Fall mitt­ler­wei­le nicht nur für die Be­schäf­tig­ten zur Ner­ven­pro­be. Ede­ka-Chef Mo­sa hat­te zu­letzt bei der Bi­lanz­vor­la­ge En­de April ein­dring­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die ge­plan­te Über­nah­me für den mit ei­nem Markt­an­teil von mehr als 27 Pro­zent füh­ren­den deut­schen Le­bens­mit­tel-Ein­zel­händ­ler "ex­trem wich­tig" sei. "Sie bringt uns in der Ex­pan­si­on um vie­le Jah­re nach vorn", so Mo­sa da­mals.

Un­ter Druck steht auch Ten­gel­mann-Chef Karl-Eri­van Haub, der am Don­ners­tag die Bi­lanz für das Mül­hei­mer Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men vor­le­gen will. Noch vor ei­nem Jahr hat­te Haub ein­dring­lich vor dem Ver­lust von meh­re­ren tau­send Jobs und ei­ner "mas­si­ven Be­las­tung" für das Un­ter­neh­men bei ei­nem Schei­tern der Fu­si­on ge­warnt.

Mit ei­nem auf­ge­lau­fe­nen Ver­lus­ten in drei­stel­li­ger Mil­lio­nen­hö­he ge­hö­re die Su­per­markt­ket­te Kai­ser's Ten­gel­mann schon lan­ge zu den Sor­gen­kin­dern des Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mens, hat­te Haub da­mals vor­ge­rech­net. Al­lein für 2014 hat­te er das Mi­nus der Ket­te auf gut 40 Mil­lio­nen Eu­ro be­zif­fert und für 2015 ro­te Zah­len in noch deut­lich hö­he­rer Grö­ßen­ord­nung an­ge­kün­digt. "Wir kön­nen die Ver­lus­te von Kai­ser`s Ten­gel­mann nicht wei­ter tra­gen", so Haub.

Wäh­rend die Fu­si­on wei­ter in der Schwe­be ist, reißt un­ter­des­sen die Kri­tik an dem ge­plan­ten Zu­sam­men­schluss nicht ab. Nach­dem Mo­no­pol­kom­mis­si­ons-Chef Da­ni­el Zim­mer aus Pro­test ge­gen die Ent­schei­dung von Ga­bri­el zu­rück­ge­tre­ten war, er­neu­er­te auch sein Nach­fol­ger Achim Wam­bach die Kri­tik. Die Geg­ner der Fu­si­on be­fürch­ten, dass der Wett­be­werb im Le­bens­mit­tel­han­del durch den Zu­sam­men­schluss bei­der Ket­ten wei­ter ein­ge­schränkt wer­den könn­te. Ga­bri­el hat­te da­ge­gen be­tont, dass aus sei­ner Sicht der Schutz von Ar­beits­plät­zen wich­ti­ger sei als die Be­den­ken des Kar­tell­amts.

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Letzte Überarbeitung: 9. Dezember 2016

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