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Ge­samt­me­tall will Ab­kehr vom Acht­stun­den­tag

Die Me­tall-Ar­beit­ge­ber wol­len ei­ne Ex­pe­ri­men­tier­pha­se nut­zen, die Ar­beits­mi­nis­te­rin Nah­les vor­schlägt: Der Acht­stun­den­tag müs­se ver­län­gert wer­den kön­nen, die Wo­chen­ar­beits­zeit vor­über­ge­hend auch
Stress am Arbeitsplatz, Burnout, Hamsterrad

23.12.2016. (dpa) - Der Ar­beit­ge­ber­ver­band Ge­samt­me­tall spricht sich für ei­ne Ab­kehr vom Acht­stun­den­tag aus.

"Wir müs­sen das fle­xi­bi­li­sie­ren. Der Acht­stun­den­tag kann nicht mehr so starr sein wie bis­her", sag­te Ver­bands­prä­si­dent Rai­ner Dul­ger der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Ber­lin.

"Es muss ein­fach mög­lich sein, dass ein Mit­ar­bei­ter nach­mit­tags um vier heim­geht, das Kind aus der Ki­ta ab­holt, abends um 21 Uhr ins Bett bringt und sich dann noch mal zwei St­un­den an die Ar­beit setzt."

Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) hat­te En­de No­vem­ber ih­re Plä­ne zur ei­ner Lo­cke­rung bei den Ar­beits­zeit-Vor­schrif­ten vor­ge­legt (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 16/364 Fle­xi­ble­res Ar­bei­ten: Nah­les stößt auf Lob und Kri­tik). In ei­ner zwei­jäh­ri­gen Pro­be­pha­se will sie Ar­beit­ge­bern und Ge­werk­schaf­ten mehr Fle­xi­bi­li­tät ge­stat­ten, als es das Ar­beits­zeit­ge­setz vor­sieht. Über die Ar­beits­zeit sol­le in Be­trie­ben ver­han­delt wer­den.

Dul­ger sag­te zu der Ex­pe­ri­men­tier­pha­se: "Ich hal­te es für ei­nen mu­ti­gen Schritt von Frau Nah­les zu sa­gen, lasst das doch mal die Ta­rif­part­ner ma­chen." Nach sei­nen Vor­stel­lun­gen könn­te ein Ge­setz "so aus­se­hen, dass man ei­ne ta­rif­li­che Öff­nungs­klau­sel vor­sieht und sagt: Statt des Acht­stun­den­ta­ges gilt ei­ne Wo­chen­ar­beits­zeit von x St­un­den".

Nah­les hat­te ein Ge­setz für ei­nen neu­en Ar­beits­zeit­rah­men vor­ge­schla­gen. Bei kla­ren Gren­zen für die ma­xi­ma­le Län­ge der Ar­beits­zeit und Ru­he­zei­ten müs­se es blei­ben.

Dul­ger stell­te klar: "An der 35-St­un­den-Wo­che rüt­te­le ich nicht." Bis­her müs­sen Ar­bei­ter in der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie pro Wo­che 35 St­un­den ar­bei­ten, in den neu­en Bun­des­län­dern sind es nach An­ga­ben ei­nes Spre­chers von Ge­samt­me­tall 38 St­un­den. Es ge­he ihm um Fle­xi­bi­li­sie­rung, "es geht dar­um, dass sie in be­stimm­ten Le­bens­pha­sen ein paar Jah­re 40 oder 42 St­un­den ar­bei­ten kön­nen", sag­te Dul­ger.

Der Ver­bands­chef äu­ßer­te sich auch zu dem Wahl­mo­dell, dass für die Be­schäf­tig­ten der Deut­schen Bahn in ei­nem Ta­rif­ver­trag ver­ein­bart wur­de. Die­se kön­nen ab An­fang 2018 statt ei­ner Lohn­er­hö­hung von 2,6 Pro­zent sechs Ta­ge zu­sätz­li­chen Ur­laub neh­men oder ei­ne St­un­de pro Wo­che we­ni­ger ar­bei­ten. Der Ge­samt­me­tall-Prä­si­dent ist skep­tisch, ob dies auf die Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie über­trag­bar wä­re:

"Das funk­tio­niert viel­leicht bei ein­zel­nen Groß­kon­zer­nen, in de­nen dann auch ge­nü­gend Fle­xi­bi­li­sie­rungs­mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung ste­hen, dass jetzt mal ein Kol­le­ge mit glei­cher Qua­li­fi­ka­ti­on an dem Tag die Ar­beit ma­chen kann. Im Mit­tel­stand funk­tio­niert das mit Si­cher­heit nicht. Wir brau­chen im Mit­tel­stand Ker­nar­beits­zei­ten, zu de­nen al­le da sind, da­mit die Kom­mu­ni­ka­ti­on im Un­ter­neh­men ver­nünf­tig läuft."

Die Bran­che ha­be "mit ei­ner 35-St­un­den-Wo­che und 30 Ta­gen Ur­laub schon heu­te ei­ne ex­trem kur­ze Ar­beits­zeit. Ich könn­te und wür­de ei­nen sol­chen Ta­rif­ab­schluss für Me­tall und Elek­tro nicht ver­ein­ba­ren", sag­te er zu dem Ver­trag, den die Ge­werk­schaft EVG und die Deut­sche Bahn am 12. De­zem­ber ver­ein­bart hat­ten.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 23. Oktober 2018

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