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Mit Ge­sund­heits­för­de­rung "al­te Ei­sen" und Job-Nach­wuchs si­chern

Die emo­ti­ons­ge­la­de­ne De­bat­te um die Ren­te mit 63 hat ein wei­te­res The­ma hoch­ge­spült: Wie kön­nen Men­schen über Jahr­zehn­te fit für den Job blei­ben? In vie­len Be­trie­ben sind Ge­sund­heits­pro­gram­me an­ge­lau­fen. Ein Pau­schal­re­zept gibt es da­für aber nicht
Fünf Arbeitnehmer War­um wird be­trieb­li­ches Ge­sund­heits­ma­nage­ment im­mer ge­frag­ter?

28.04.2014. (dpa) - Fach­kräf­te­man­gel, de­mo­gra­fi­scher Wan­del, Ren­ten­de­bat­te: Es ver­geht kaum ein Tag, an dem in Deutsch­land nicht über die Ent­wick­lung des Ar­beits­mark­tes und die künf­ti­ge Wett­be­werbs­fä­hig­keit de­bat­tiert wird.

"Wir müs­sen den de­mo­gra­fi­schen Wan­del ak­tiv ge­stal­ten!", for­dert das Ham­bur­gi­sche Welt­wirt­schafts­in­sti­tut (HW­WI).

"In­no­va­ti­ve und leis­tungs­fä­hi­ge Mit­ar­bei­ter sind in Zei­ten des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels ein zen­tra­ler Wett­be­werbs­fak­tor und tra­gen we­sent­lich zum Er­folg des Un­ter­neh­mens bei", legt die Han­dels­kam­mer nach und er­mit­telt zu­gleich, wie es um das be­trieb­li­che Ge­sund­heits­ma­nage­ment im Ham­bur­ger Mit­tel­stand be­stellt ist.

In vie­len Bran­chen ist der be­fürch­te­te Fach­kräf­te­man­gel The­ma. Es geht dar­um, im "War of Ta­lents" - im Kampf um die bes­ten Be­wer­ber - at­trak­ti­ve Ar­beits­plät­ze an­zu­bie­ten. "Die Ge­sund­heit und Ar­beits­fä­hig­keit der Mit­ar­bei­ter zu för­dern, ist da­her kein Lu­xus, son­dern ei­ne In­ves­ti­ti­on in die Zu­kunft des ei­ge­nen Un­ter­neh­mens", mahnt die Kam­mer. Sie hat her­aus­ge­fun­den, dass ein Drit­tel der Ham­bur­ger Fir­men ein Ge­sund­heits­ma­nage­ment ein­ge­führt hat, vor al­lem Dienst­leis­ter und Lo­gis­ti­ker sei­en da­bei vorn. Zu den Grün­den, war­um Fir­men sich um das Wohl ih­rer An­ge­stell­ten küm­mern, zählt dem­nach auch: Per­so­nal­bin­dung und Ver­bes­se­rung des Ar­beit­ge­ber-Images.

Bun­des­weit ist die be­trieb­li­che Ge­sund­heits­för­de­rung am Ar­beits­platz nach An­sicht der Per­so­nal-Ex­per­tin Ne­le Graf aber noch ein Fli­cken­tep­pich. "Es wird häu­fig über An­ge­bo­te dis­ku­tiert - von Sport­kur­sen bis zu ge­sun­dem Kan­ti­nen­es­sen -, aber was fehlt, ist ei­ne stra­te­gi­sche Pla­nung", sagt die Pro­fes­so­rin für Per­so­nal und Or­ga­ni­sa­ti­on. Je­des Un­ter­neh­men müs­se da­bei sein ei­ge­nes Kon­zept fin­den: "Es bringt nichts, von an­de­ren Un­ter­neh­men zu ko­pie­ren - da­für sind die Un­ter­schie­de in Be­leg­schaft, Be­triebs­kli­ma und Füh­rung ein­fach zu groß."

In Groß­kon­zer­nen wie bei­spiels­wei­se Bri­tish Ame­ri­can To­bac­co (BAT) oder bei der Ot­to Group ge­hört das be­trieb­li­che Ge­sund­heits­ma­nage­ment zum All­tag. Ne­ben Fit­ness-An­ge­bo­ten für BAT-Bü­ro­an­ge­stell­te wur­de auch für die 200 Au­ßen­dienst­mit­ar­bei­ter - zu­meist ki­lo­me­ter­fres­sen­de Au­to­fah­rer - ein Pro­gramm auf­ge­legt. Et­wa je­der Vier­te macht mit, ein Trai­ner coacht län­ger­fris­tig und so­gar über Bild­te­le­fon (Sky­pe).

"Wir muss­ten et­was tun, um wett­be­werbs­fä­hig zu blei­ben", sagt Per­so­nal­chef Leif Lüm­ke­mann. Of­fen­sicht­lich zah­len sich sol­che In­ves­ti­tio­nen - ins BAT-Ge­sund­heits­ma­nage­ment fließt ei­ne Sum­me "im Be­reich der obe­ren hun­dert­tau­send Eu­ro" - aus. Der Kran­ken­stand im Au­ßen­dienst sei 2013 ver­gli­chen mit dem Vor­jahr um ein Fünf­tel zu­rück­ge­gan­gen. "Wir wol­len den de­mo­gra­fi­schen Wan­del vor­be­rei­ten, mit le­bens­pha­sen­ori­en­tier­ter Per­so­nal­ar­beit", be­tont Lüm­ke­mann. Er lässt sich selbst zwei­mal wö­chent­lich vom Fit­ness­trai­ner "quä­len", wie er iro­nisch hin­zu­fügt.

"Nur Spaß oder Schmerz brin­gen ei­nen Men­schen da­zu, et­was für sei­ne Ge­sund­heit zu tun", ist Kars­ten von Ra­benau über­zeugt. Er lei­tet beim Han­dels­kon­zern Ot­to das Ge­sund­heits­ma­nage­ment. Me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung, so­zia­le und psy­cho­lo­gi­sche Be­ra­tung so­wie ein Fit­ness­stu­dio mit Übungs­raum für Kur­se wie Pi­la­tes, Rü­cken­gym­nas­tik und Kick­bo­xen ge­hö­ren bei Ot­to da­zu.

Wie der Spre­cher des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des Che­mie Nord, Alex­an­der War­s­tat, hat auch Ra­benau die Er­fah­rung ge­macht, dass der Ge­sund­heits­as­pekt bei Job­ein­stei­gern an Be­deu­tung ge­winnt. "Jün­ge­re fra­gen in Be­wer­bungs­ge­sprä­chen ver­mehrt da­nach, was ein Be­trieb zum Wohl der Ge­sund­heit bie­tet oder wie sich der Be­ruf mit Fa­mi­lie und Frei­zeit in Ein­klang brin­gen lässt", sagt War­s­tat. "Die jün­ge­re Ge­ne­ra­ti­on wird viel mehr auf Work-Life-Ba­lan­ce ach­ten", meint Ra­benau. Schließ­lich soll sie an­ge­sichts schrump­fen­der Be­völ­ke­rung - er­go we­ni­ger Er­werbs­tä­ti­gen - und spä­te­rem Ren­ten­be­zug mög­lichst lan­ge für die Ar­beits­welt fit blei­ben.

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Letzte Überarbeitung: 15. Mai 2018

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