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Ge­werk­schaft: Min­dest­lohn oh­ne Aus­nah­me - Kra­wal­le in Istan­bul

Hun­dert­tau­sen­de un­ter­stüt­zen bei den Mai-Kund­ge­bun­gen die Ge­werk­schafts­for­de­run­gen nach so­zia­len Kor­rek­tu­ren: icht über­all bleibt es fried­lich - we­der im Aus­land noch in Deutsch­land
Arbeitnehmer Krawatte Mitte Was for­dern die Ge­werk­schaf­ten?

02.05.2014. (dpa) - Für ei­nen Min­dest­lohn oh­ne Aus­nah­men, für die Ren­te mit 63 so­wie ein so­zia­le­res Steu­er­sys­tem sind in Deutsch­land 400 000 Ge­werk­schaf­ter am "Tag der Ar­beit" auf die Stra­ße ge­gan­gen.

Tau­sen­de Men­schen pro­tes­tier­ten am Don­ners­tag auch ge­gen Ver­an­stal­tun­gen von Rechts­ex­tre­mis­ten.

In den Pro­test­hoch­bur­gen Ber­lin und Ham­burg kam es am Abend zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen ra­di­ka­ler Lin­ker mit der Po­li­zei.

Die hielt für die Nacht ein Groß­auf­ge­bot von Be­am­ten be­reit.

Weit­aus hef­ti­ger wa­ren die Zu­sam­men­stö­ße zwi­schen Mai-De­mons­tran­ten und der Po­li­zei in der tür­ki­schen Me­tro­po­le Istan­bul, rund um den Tak­sim-Platz. Mi­nis­ter­prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan hat­te zu­vor mehr­fach be­tont, De­mons­tra­tio­nen auf dem Tak­sim-Platz nicht zu dul­den. Nach An­ga­ben der re­gie­rungs­kri­ti­schen An­walts­ver­ei­ni­gung CHD wur­den 50 De­mons­tran­ten ver­letzt. Im Fern­se­hen wa­ren auch ver­letz­te Po­li­zis­ten zu se­hen. CHD zu­fol­ge wur­den in Istan­bul und An­ka­ra ins­ge­samt rund 350 De­mons­tran­ten fest­ge­nom­men.

DGB-Chef Mi­cha­el Som­mer warn­te bei der zen­tra­len Mai-Kund­ge­bung der Ge­werk­schaf­ten in Bre­men, es dür­fe bei dem von Schwarz-Rot ge­plan­ten flä­chen­de­cken­den ge­setz­li­chen Min­dest­lohn "kei­ne Aus­nah­men we­gen des Al­ters oder Ge­schlechts, der Her­kunft oder der so­zia­len La­ge ge­ben". Der schei­den­de DGB-Chef be­ton­te: "Kei­ne St­un­de Ar­beit darf bil­li­ger sein als 8,50 Eu­ro." Som­mers de­si­gnier­ter Nach­fol­ger Rei­ner Hoff­mann sag­te in Duis­burg, der Min­dest­lohn sei nur ein ers­ter Schritt von not­wen­di­gen so­zi­al­po­li­ti­schen Kor­rek­tu­ren für ei­ne neue Ord­nung der Ar­beit.

Ver­di-Chef Frank Bsirs­ke be­kräf­tig­te in Frank­furt/Main die For­de­rung nach ei­ner bal­di­gen An­he­bung des Min­dest­lohns von 8,50 Eu­ro auf zehn Eu­ro pro St­un­de. In Mün­chen ver­lang­te der Vor­sit­zen­de der Che­mie­ge­werk­schaft IG BCE, Mi­cha­el Vas­si­lia­dis, so­zia­le Kor­rek­tu­ren im Steu­er­sys­tem. Ent­gelt­stei­ge­run­gen wür­den zu­neh­mend von heim­li­chen Steu­er­er­hö­hun­gen auf­ge­fres­sen, sag­te er mit Blick auf die so­ge­nann­te kal­te Pro­gres­si­on. DGB-Vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach nann­te in Kas­sel die Kri­tik an der Ren­te mit 63 nach 45 Bei­trags­jah­ren maß­los über­zo­gen und schein­hei­lig.

Laut Ge­werk­schafts­an­ga­ben be­tei­lig­ten sich bun­des­weit rund 403 000 Men­schen an über 493 Mai­kund­ge­bun­gen - Ten­denz fal­lend. 2010, we­ni­ge Mo­na­te nach der Wahl von Schwarz-Gelb wa­ren es noch 464 000 und 2011 dann im­mer noch 423 000 Men­schen.

Bei so­ge­nann­ten "Re­vo­lu­tio­nä­ren 1.-Mai-De­mons­tra­tio­nen" wur­den in Ber­lin und Ham­burg Po­li­zis­ten mit Fla­schen, St­ei­nen und Böl­lern be­wor­fen. In Ham­burg setz­te die Po­li­zei Was­ser­wer­fer ein, lei­te­te den Pro­test­zug zu­rück zum Aus­gangs­punkt und lös­te ihn dort auf. In Ber­lin mar­schier­ten nach Po­li­zei­an­ga­ben rund 14 000 Men­schen mit, in Ham­burg 2200.

De­mons­tra­tio­nen in der vor­aus­ge­gan­ge­nen Wal­pur­gis­nacht wa­ren da­ge­gen in bei­den Pro­test­hoch­bur­gen ver­hält­nis­mä­ßig fried­lich ver­lau­fen. In Ber­lin wur­den 15 Men­schen fest­ge­nom­men, zwei er­lit­ten leich­te Ver­let­zun­gen, wie die Po­li­zei mit­teil­te.

Auch bei Pro­tes­ten ge­gen Auf­mär­sche von Rechts­ex­tre­mis­ten kam es zu Aus­schrei­tun­gen, vor al­lem in Dort­mund, Duis­burg und im säch­si­schen Plau­en. Da­bei wur­den teil­wei­se Müll­ton­nen an­ge­steckt, Fla­schen und St­ei­ne ge­wor­fen. Min­des­tens drei Men­schen wur­den ver­letzt, min­des­tens vier fest­ge­nom­men. Pro­tes­te gab es auch in Ros­tock und in Städ­ten Bran­den­burgs.

In Mos­kau mar­schier­ten erst­mals seit dem Zu­sam­men­bruch der So­wjet­uni­on mehr als 100 000 Men­schen bei der tra­di­tio­nel­len Pa­ra­de der Ge­werk­schaf­ten über den Ro­ten Platz. Kreml­chef Wla­di­mir Pu­tin zeich­ne­te bei ei­ner Ze­re­mo­nie im Kreml fünf Bür­ger als "Hel­den der Ar­beit" aus. Auch auf der von der Ukrai­ne ab­trün­ni­gen Halb­in­sel Krim be­tei­lig­ten sich tau­sen­de Men­schen an De­mons­tra­ti­ons­zü­gen.

In Frank­reich rich­te­ten sich die Mai-De­mons­tra­tio­nen ge­gen die Spar­po­li­tik von Prä­si­dent François Hol­lan­de. Nach An­ga­ben der Ge­werk­schaft CGT be­tei­lig­ten sich al­lein in Pa­ris 65 000 Men­schen.

In Grie­chen­land de­mons­trier­ten meh­re­re tau­send Men­schen fried­lich für ein En­de der Spar­pro­gram­me und neue Ar­beits­plät­ze. In Athen wur­den die Bus­se für sechs St­un­den be­streikt. Be­trof­fen wa­ren auch der Fähr- und Bahn­ver­kehr. Aus Pi­rä­us lief am Mor­gen kein Pas­sa­gier­schiff aus.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 20. August 2014

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