HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 13/057

Ge­werk­schaft kri­ti­siert zu­neh­men­den Miss­brauch von Werk­ver­trä­gen

Seit Jahr­zehn­ten glie­dern Un­ter­neh­men Auf­ga­ben über Werk­ver­trä­ge aus: Seit für Leih­ar­beit Min­dest­löh­ne gel­ten, se­hen Ge­werk­schaf­ter mehr Werk­ver­trä­ge. Die Ar­beit­ge­ber wei­sen den Vor­wurf des Miss­brauchs zu­rück
Dokument mit Unterschriftenzeile und Füller Sind Werk­ver­trä­ge auf dem Vor­marsch?

08.03.2013. (dpa) - Un­ter­neh­men in der Er­näh­rungs­in­dus­trie nut­zen nach Ge­werk­schafts­an­ga­ben zu­neh­mend Werk­ver­trä­ge, um dau­er­haft Be­schäf­tig­te zu Nied­rig­löh­nen ein­zu­set­zen.

"Das Sys­tem der Aus­beu­tung ist fest in­stal­liert", sag­te Claus-Ha­rald Güs­ter, der Vi­ze-Chef der Ge­werk­schaft Nah­rung-Ge­nuss-Gast­stät­ten (NGG), am Don­ners­tag in Ber­lin.

Nach ei­ner Um­fra­ge un­ter Be­triebs­rä­ten ge­be es in der Bran­che in­zwi­schen mit acht Pro­zent der Be­schäf­tig­ten mehr Werk­ver­trags­ar­beit­neh­mer als Leih­ar­bei­ter (fünf Pro­zent).

Die Ar­beit­ge­ber­sei­te wies die Vor­wür­fe zu­rück. "Es ist falsch, wenn ver­ein­zelt be­haup­tet wird, es ge­be ver­mehrt Werk­ver­trä­ge zur Um­ge­hung von Ta­rif­ver­trä­gen", teil­te die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de mit.

Es ge­be mehr Werk­ver­trä­ge, weil Ar­beits­tei­lung und Spe­zia­li­sie­rung zu­näh­men, et­wa durch Aus­la­ge­rung von Tech­nik-Auf­ga­ben. Es ge­be kei­nen Grund, das seit Jahr­zehn­ten üb­li­che In­stru­ment Werk­ver­trag zu dis­kre­di­tie­ren.

Die NGG wirft den Be­trie­ben vor, mit Werk­ver­trä­gen den Min­dest­löh­nen für Leih­ar­bei­ter aus­wei­chen zu wol­len. Die Be­trof­fe­nen ver­dien­ten pro St­un­de durch­schnitt­lich knapp sechs Eu­ro we­ni­ger als die Stamm­be­leg­schaft, bei Leih­ar­bei­tern sei­en es fünf Eu­ro we­ni­ger.

Vor­wür­fe we­gen Werk­ver­trä­gen hat­te es auch schon für an­de­re Bran­chen ge­ge­ben. Kon­kre­te Zah­len ha­ben bis­her aber we­der Ge­werk­schaf­ten noch Ar­beit­ge­ber vor­ge­legt.

Die Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gung Nah­rung und Ge­nuss hob her­vor, die Zahl der Werk­ver­trä­ge sei in der Bran­che nicht ge­stie­gen. In Schlacht- und Zer­le­ge­be­trie­ben sei der An­teil schon im­mer hoch ge­we­sen. "Bei der Ta­rif­bin­dung ha­ben wir in die­sem Be­reich noch zu tun", sag­te Haupt­ge­schäfts­füh­re­rin Va­le­rie Hols­bo­er.

Die Ge­werk­schaft hob her­vor, nicht ge­gen den Werk­ver­trag an sich zu sein, wohl aber ge­gen Miss­brauch. "Da­ge­gen ha­ben wir in der Fleisch­in­dus­trie schon seit vie­len Jah­ren zu kämp­fen." Man­che Be­trie­be lie­ßen 90 Pro­zent der Ar­beit über Werk­ver­trä­ge er­le­di­gen. Auch Groß­bä­cke­rei­en, Ge­trän­ke­her­stel­ler und Mol­ke­rei­en miss­brauch­ten das In­stru­ment. Güs­ter for­der­te ei­nen ge­setz­li­chen Min­dest­lohn, ei­ne stär­ke­re Kon­trol­le und ei­ne Mel­de­pflicht für Werk­ver­trä­ge.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 13. Oktober 2014

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de