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Ge­werk­schaf­ten for­dern sechs Pro­zent mehr für öf­fent­li­chen Dienst

Er­zie­her, Pfle­ger, Bun­des­po­li­zis­ten - sie al­le sol­len deut­lich mehr Geld be­kom­men, wenn es nach den Ge­werk­schaf­ten geht: Die Ar­beit­ge­ber zei­gen sich em­pört
Feuerwehrmann Polizist Arzt Wie viel Kos­ten kom­men auf die Ar­beit­ge­ber zu?

19.02.2016. (dpa) - Mit der For­de­rung nach sechs Pro­zent mehr Lohn ge­hen die Ge­werk­schaf­ten in die Ta­rif­ver­hand­lun­gen für die knapp 2,3 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten bei Bund und Kom­mu­nen.

Die Ge­werk­schaft Ver­di und der Be­am­ten­bund dbb be­ton­ten am Don­ners­tag in Ber­lin, der öf­fent­li­che Dienst müs­se at­trak­tiv blei­ben.

Dar­auf kom­me es an­ge­sichts wach­sen­der An­for­de­run­gen auch we­gen des Flücht­lings­zu­stroms an.

Die gu­te Kon­junk­tur schaf­fe Spiel­räu­me.

Die Ar­beit­ge­ber wie­sen die For­de­run­gen strikt zu­rück, Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) nann­te sie "un­er­war­tet hoch".

Für Aus­zu­bil­den­de und Prak­ti­kan­ten for­dern die Ge­werk­schaf­ten 100 Eu­ro pro Mo­nat mehr, für die Azu­bis zu­dem die un­be­fris­te­te Über­nah­me nach der Aus­bil­dung. Sach­grund­lo­se Be­fris­tun­gen von Ar­beits­ver­hält­nis­sen müss­ten aus­ge­schlos­sen wer­den. Von den Ar­beit­ge­bern an­ge­streb­te Ein­schnit­te bei der Al­ters­ver­sor­gung dür­fe es nicht ge­ben, for­der­te Ver­di-Chef Frank Bsirs­ke. Das Ta­rif­er­geb­nis müs­se auf die rund 360 000 Be­am­te und Pen­sio­nä­re des Bun­des über­tra­gen wer­den.

Bsirs­ke be­zif­fer­te die Kos­ten für die Ar­beit­ge­ber auf ins­ge­samt 6,3 Mil­li­ar­den Eu­ro, oh­ne Be­am­te auf 5,25 Mil­li­ar­den. Der kom­mu­na­le Ar­beit­ge­ber­ver­band VKA nann­te 5,6 Mil­li­ar­den Eu­ro Mehr­kos­ten. "Das ist für uns nicht dar­stell­bar", sag­te VKA-Prä­si­dent Tho­mas Böh­le. Er poch­te zu­dem auf Ein­schnit­te bei der Al­ters­vor­sor­ge. Der Deut­sche Städ­te­tag warn­te vor ei­ner Über­for­de­rung der Kom­mu­nen, von de­nen vie­le mit ho­hen Schul­den zu kämp­fen hät­ten.

De Mai­ziè­re sag­te, das An­lie­gen ei­ner an­ge­mes­se­nen Lohn­er­hö­hung sei be­rech­tigt. Doch blie­ben Ta­rif­ab­schlüs­se mit Au­gen­maß das Ge­bot der St­un­de. "Der viel zu ho­he Ein­stieg in die Ta­rif­ver­hand­lun­gen macht ein Er­geb­nis nicht bes­ser, son­dern ver­län­gert nur die Ver­hand­lun­gen."

Bsirs­ke be­ton­te, ei­nen Wi­der­spruch zwi­schen dem per­so­nel­len Mehr­be­darf auch we­gen des Flücht­lings­zu­stroms und ei­nem deut­li­chen Lohn­plus ge­be es nicht. "Ich bin über­zeugt, dass das zu schaf­fen ist." Die Lohn­in­ter­es­sen der Be­schäf­tig­ten dürf­ten nicht ge­gen die Be­dürf­nis­se der Flücht­lin­ge aus­ge­spielt wer­den.

Die Ta­rif­ver­hand­lun­gen be­gin­nen Mit­te März in Pots­dam und sol­len bis En­de April dau­ern. Es geht um den Lohn der 2,14 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten in den Kom­mu­nen und kom­mu­na­len Un­ter­neh­men und der 147.000 Ar­beit­neh­mer des Bun­des. Be­trof­fen sind un­ter an­de­rem Er­zie­her und So­zi­al­ar­bei­ter, Mit­ar­bei­ter von Müll­ab­fuhr, Stra­ßen­rei­ni­gung, Kran­ken­häu­sern so­wie Bun­des­po­li­zis­ten und Mit­ar­bei­ter beim Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge.

dbb-Vi­ze Wil­li Russ sag­te: "Wir ge­win­nen zu we­nig Men­schen, weil der öf­fent­li­che Dienst in sei­ner Be­zah­lungs­struk­tur nicht mehr at­trak­tiv ge­nug ist." Mehr als 20 Pro­zent der Be­schäf­tig­ten schei­den laut Ge­werk­schaf­ten in den kom­men­den Jah­ren aus. "Wir brau­chen jun­ge Leu­te im öf­fent­li­chen Dienst", sag­te Russ. Kers­tin Phil­ipp, Vi­ze­che­fin der Ge­werk­schaft der Po­li­zei, sag­te, an­ge­sichts der Ge­fah­ren für die In­ne­re Si­cher­heit, der Ter­ror­ge­fahr so­wie der Her­aus­for­de­run­gen durch die Flücht­lin­ge stün­den vie­le Po­li­zis­ten an ih­ren Gren­zen.

"Die For­de­rung re­sul­tiert in ho­hem Ma­ße dar­aus, dass der öf­fent­li­che Dienst ge­gen­über dem Durch­schnitt der Ta­ri­fent­wick­lung der Ge­samt­wirt­schaft seit 2000 im­mer noch um 3,8 Pro­zent zu­rück­liegt", sag­te Bsirs­ke zu­dem. Böh­le be­stritt, dass der öf­fent­li­che Dienst im Ver­gleich zur Wirt­schaft Nach­hol­be­darf ha­be.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 1. September 2016

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