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ARBEITSRECHT AKTUELL // 13/102

Ge­werk­schaf­ten for­dern fle­xi­ble­re Über­gän­ge in die Ren­te

Lärm, Staub und Hit­ze, Nacht­schich­ten und Ak­kord - bei vie­len Be­schäf­tig­ten lässt die Ge­sund­heit das nicht bis zur Ren­te mit 67 zu: Ge­werk­schaf­ten su­chen We­ge, wie man trotz­dem durch­hält
Sparschwein mit Aufschrift Altersvorsorge Wie bleibt man fit bis zur Ren­te?

18.04.2013. (dpa) - Wirt­schaft und Po­li­tik müs­sen aus Sicht der Ge­werk­schaf­ten mehr tun, da­mit äl­te­re Be­schäf­tig­te bis zur Ren­te fit blei­ben.

Kür­ze­re Ar­beits­zei­ten, we­ni­ger Schicht­diens­te und al­ters­ge­rech­te Ar­beits­plät­ze sind nur ei­ni­ge der For­de­run­gen, mit de­nen die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter im Bun­des­tags­wahl­kampf für fle­xi­ble­re Über­gän­ge in die Ren­te kämp­fen wol­len.

Von Ar­beit­ge­ber­sei­te kam Kri­tik.

Die In­dus­trie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Um­welt (IG BAU) leg­te am Mitt­woch ein Kon­zept vor, das Bau-Be­schäf­tig­te vor dem Ab­rut­schen in Hartz IV be­wah­ren, wenn sie aus Ge­sund­heits­grün­den nicht mehr voll ar­beits­fä­hig sind.

Das so­ge­nann­te Al­ters­fle­xi-Geld ori­en­tiert sich am Sai­son-Kurz­ar­bei­ter­geld und soll Ver­dienst­aus­fäl­le auf­fan­gen, wenn der Ar­beit­neh­mer im Al­ter von 58 bis 63 Jah­ren kür­zer­tritt. Von die­sen ma­xi­mal fünf Jah­ren soll die Leis­tung ein Jahr lang über ei­ne ta­rif­li­che Bran­chen­um­la­ge fi­nan­ziert wer­den, der Rest aus Steu­er­mit­teln und Bei­trä­gen der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA).

Der IG-BAU-Vor­sit­zen­de Klaus Wie­se­hü­gel ver­wies auf ei­ne Stu­die des In­sti­tuts Ar­beit und Qua­li­fi­ka­ti­on, der­zu­fol­ge die Be­schäf­tig­ten am Bau von al­len Bran­chen am häu­figs­ten vor der Ren­te lang­zeit­ar­beits­los sind: Man­che von ih­nen schei­den schon zwi­schen 45 und 50 Jah­ren aus der Er­werbs­ar­beit aus.

Aus Sicht der Ge­werk­schaft sind sie "zu jung für die Al­ters­ren­te, zu ge­sund für die Er­werbs­min­de­rungs­ren­te - aber zu krank für ih­ren bis­he­ri­gen Job".

Auch in der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie sin­ke die Quo­te de­rer, die noch ar­bei­ten, je nä­her das Ren­ten­al­ter rü­cke, sag­te IG-Me­tall-Vor­stands­mit­glied Hans-Jür­gen Ur­ban. "Die schö­ne neue Ar­beits­welt für die Al­ten ist und bleibt ein My­thos." Die Ge­werk­schaft for­der­te ei­ne neue öf­fent­lich ge­för­der­te Al­ters­zeit und we­ni­ger Ein­bu­ßen beim vor­zei­ti­gen Ru­he­stand.

Der Ar­beit­ge­ber­ver­band Ge­samt­me­tall kri­ti­sier­te die Ge­werk­schafts­for­de­run­gen. Die Zahl der Ar­beit­neh­mer über 60 Jah­ren ha­be sich seit 2000 mehr als ver­dop­pelt. Dass der Grad der Be­schäf­ti­gun­gen Äl­te­rer ins­ge­samt noch nied­rig sei, lie­ge nicht an den Ar­beits­be­din­gun­gen, son­dern sei das Er­geb­nis frü­he­rer Vor­ru­he­stands­pro­gram­me.

"Die IG Me­tall muss sich ent­schei­den, ob sie wirk­lich mehr Äl­te­re in Be­schäf­ti­gung ha­ben möch­te oder den flä­chen­de­cken­den Vor­ru­he­stand for­dert", sag­te Ge­samt­me­tall-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Oli­ver Zan­der.

Die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de for­der­te die Ge­werk­schaf­ten auf, statt über neue teu­re Früh­ver­ren­tungs­mo­del­le nach­zu­den­ken, sich bes­ser da­für ein­zu­set­zen, "dass künf­tig noch mehr Be­schäf­tig­te bis zum vol­len Ren­ten­al­ter ar­bei­ten".

Der ren­ten­po­li­ti­sche Spre­cher der Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on, Wolf­gang Streng­mann-Kuhn, lob­te den Vor­schlag der IG BAU, weil es sich da­bei "um ei­ne bran­chen­spe­zi­fi­sche Lö­sung han­delt, bei der auch die Ta­rif­part­ner da­bei sind". Hartz IV dür­fe kei­ne Brü­cke in die Ren­te sein.

Die Al­ters­ver­sor­gung ist für 79 Pro­zent der Deut­schen bei der Wahl­ent­schei­dung wich­tig oder sehr wich­tig, wie ei­ne re­prä­sen­ta­ti­ve Um­fra­ge im Auf­trag der IG Me­tall er­gab. Nur 17 Pro­zent glau­ben, dass ih­re Ren­te si­cher ist und dass die Bun­des­re­gie­rung den rich­ti­gen Kurs fährt. TNS In­fra­test hat­te An­fang April 1031 zu­fäl­lig aus­ge­wähl­te er­wach­se­ne Bun­des­bür­ger te­le­fo­nisch be­fragt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 1. März 2016

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