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Ge­werk­schaf­ter sen­ken Dau­men für Sch­lich­tung - Neue Ki­ta-Streiks?

Der Ki­ta-Ta­rif­streit war nur schein­bar zu En­de: Nun ist das Er­geb­nis der Sch­lich­tung an der Ge­werk­schafts­ba­sis klar durch­ge­fal­len, und Ver­di-Chef Bsirs­ke muss für ein bes­se­res An­ge­bot kämp­fen. Am Don­ners­tag kommt es zum "Show­down" mit den Ar­beit­ge­bern. Und dann?
Wer­den die Ar­beit­ge­ber nach­le­gen?

10.08.2015. (dpa) - We­ni­ge Wo­chen nach den mas­si­ven Ki­ta-Streiks in Deutsch­land wer­den El­tern von Klein­kin­dern mög­li­cher­wei­se bald wie­der vor ver­schlos­se­nen Kin­der­gar­ten­tü­ren ste­hen.

Am Sams­tag er­klär­te der Vor­sit­zen­de der Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft Ver­di, Frank Bsirs­ke, die Sch­lich­tung für ins­ge­samt rund 240 000 Er­zie­her und So­zi­al­ar­bei­ter für ge­schei­tert.

Er füg­te hin­zu: "Der Streik wird fort­ge­setzt" - falls die Ar­beit­ge­ber nicht kräf­tig nach­le­gen.

Die Ver­ei­ni­gung der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de (VKA) wies die For­de­rung nach Zu­ge­ständ­nis­sen je­doch um­ge­hend zu­rück.

Die nächs­ten Ver­hand­lun­gen sind an die­sem Don­ners­tag (13. Au­gust) im hes­si­schen Of­fen­bach.

Knapp 70 Pro­zent der be­trof­fe­nen Ver­di-Mit­glie­der lehn­ten in ei­ner Be­fra­gung den Sch­lich­ter­spruch von En­de Ju­ni ab, der zwi­schen 2 und 4,5 Pro­zent mehr Geld vor­sah. "Das ist ein ab­so­lut kla­res Si­gnal an die ei­ge­ne Ge­werk­schaft und auch an die Ar­beit­ge­ber", sag­te Bsirs­ke in Ful­da. Er will nun der Bun­des­ta­rif­kom­mis­si­on, die am Diens­tag in Frank­furt/Main das wei­te­re Vor­ge­hen be­rät, ei­ne ent­spre­chen­de Streik-Emp­feh­lung ge­ben. "Ei­ne Be­frie­dung auf die­ser Grund­la­ge ist nicht mög­lich."

Die Ar­beit­ge­ber­sei­te sei "gut be­ra­ten, das Si­gnal ernst zu neh­men", sag­te Bsirs­ke. Nur wenn sie zu "sub­stan­zi­el­len Zu­ge­ständ­nis­sen" be­reit sei, kön­ne ein Streik noch ver­mie­den wer­den. Im Früh­som­mer wa­ren wo­chen­lang in vie­len Bun­des­län­dern Kin­der­ta­ges­stät­ten und Hor­te be­streikt wor­den.

"Schon die­ser Sch­lich­ter­spruch geht bei vie­len Städ­ten und Ge­mein­den an die Schmerz­gren­ze und sieht deut­li­che Ver­bes­se­run­gen für die Be­trof­fe­nen vor", er­klär­te der VKA am Sams­tag. Ei­ne Über­for­de­rung der Kom­mu­nen müs­se ver­mie­den wer­den. Der Städ­te- und Ge­mein­de­bund warn­te, neue flä­chen­de­cken­de Streiks gin­gen zu­las­ten der El­tern und Kin­der. Vor dem Hin­ter­grund der stän­dig stei­gen­den Flücht­lings­zah­len be­ste­he kaum Ver­wal­tungs­ka­pa­zi­tät, der­ar­ti­ge Streik­fol­gen noch auf­zu­fan­gen und Al­ter­na­ti­ven zu ent­wi­ckeln.

Auch bei den an­de­ren Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern, der Bil­dungs­ge­werk­schaft GEW und dem Be­am­ten­bund dbb, fiel der Sch­lich­ter­spruch durch. Bei der GEW stimm­ten eben­falls fast 70 Pro­zent der Mit­glie­der ge­gen ei­ne An­nah­me der Sch­lich­tung, al­ler­dings wur­de die nö­ti­ge Mehr­heit für ei­ne Fort­set­zung des un­be­fris­te­ten Streiks ver­fehlt. Beim Be­am­ten­bund lehn­ten über 60 Pro­zent den Sch­lich­ter­spruch ab.

Der En­de Ju­ni vom säch­si­schen Ex-Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Ge­org Milb­radt (CDU) und dem eins­ti­gen Han­no­ve­ra­ner Ober­bür­ger­meis­ter Her­bert Schmal­stieg (SPD) vor­ge­schla­ge­ne Sch­lich­ter­spruch liegt re­la­tiv weit von den Vor­stel­lun­gen der Ge­werk­schaf­ten ent­fernt. Die­se hat­ten ei­ne Auf­wer­tung der Be­schäf­tig­ten im So­zi­al- und Er­zie­hungs­dienst durch bes­se­re Ein­grup­pie­run­gen ge­for­dert - im Schnitt et­wa 10 Pro­zent Plus. Die Ge­werk­schafts­funk­tio­nä­re stimm­ten dem Sch­lich­ter­spruch sei­ner­zeit zu, wur­den nun aber von der Ba­sis ge­wis­ser­ma­ßen über­stimmt.

Schmal­stieg rief bei­de Sei­ten in der "Han­no­ver­schen All­ge­mei­nen Zei­tung" im Sin­ne von Kin­dern, El­tern, Er­zie­hern und Kom­mu­nen zu ei­ner ra­schen Ei­ni­gung auf. Das Er­geb­nis der Sch­lich­tung sei kein Spruch ge­gen die Ar­beit­neh­mer ge­we­sen, sag­te er.

Lin­ke-Chef Bernd Ri­ex­in­ger be­grüß­te am Sonn­tag, "dass Ver­di die wich­ti­ge Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zung um die längst über­fäl­li­ge Auf­wer­tung so­zia­ler Ar­beit fort­setzt. Jetzt sind die kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber ge­for­dert, ein An­ge­bot vor­zu­le­gen, das die­sen Na­men ver­dient."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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