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Grö­he: Pfle­ge­re­form stellt kei­nen Pa­ti­en­ten schlech­ter

An ei­ner Pfle­ge­re­form sind schon ei­ni­ge Mi­nis­ter ge­schei­tert: Her­mann Grö­he ging sie in zwei Schrit­ten an. Die zwei­te Stu­fe wur­de nun auf den par­la­men­ta­ri­schen Weg ge­bracht - nicht oh­ne Kri­tik aus den So­zi­al­ver­bän­den
Was soll sich än­dern?

13.08.2015. (dpa) - 20 Jah­re nach Ein­füh­rung der so­zia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung will die Bun­des­re­gie­rung das Sys­tem um­fas­send mo­der­ni­sie­ren.

Das Leis­tungs­an­ge­bot für Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und Pfle­gen­de soll ver­bes­sert, die Zahl der Pfle­ge­kräf­te auf­ge­stockt wer­den.

Kein Pfle­ge­be­dürf­ti­ger wer­de durch die Um­stel­lung auf das neue Sys­tem schlech­ter ge­stellt, ver­si­cher­te Ge­sund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he (CDU) am Mitt­woch in Ber­lin.

Das Ka­bi­nett hat­te zu­vor die zwei­te Stu­fe sei­ner Pfle­ge­re­form ver­ab­schie­det.

Das ers­te so­ge­nann­te Pfle­ge­stär­kungs­ge­setz war An­fang des Jah­res in Kraft ge­tre­ten.

Kern­punkt der zwei­ten Re­form­stu­fe ist ein neu­er Pfle­ge­be­dürf­tig­keits­be­griff, der de­men­ten Pa­ti­en­ten den glei­chen Zu­gang zu Pfle­ge­leis­tun­gen er­mög­licht wie kör­per­lich Be­hin­der­ten. Die bis­he­ri­gen drei Pfle­ge­stu­fen sol­len auf fünf Pfle­ge­gra­de er­wei­tert wer­den. Bei­de Stu­fen zu­sam­men er­hö­hen die Bei­trä­ge zur Pfle­ge­ver­si­che­rung von 2,05 Pro­zent auf 2,55 Pro­zent im Jahr 2017. Das soll rund fünf Mil­li­ar­den Eu­ro brin­gen. Grö­he geht da­von aus, dass da­mit bis 2022 die Re­for­men fi­nan­ziert wer­den kön­nen.

Der Ge­sund­heits­mi­nis­ter er­klär­te: "Die­se Re­form nutzt al­len - den Pfle­ge­be­dürf­ti­gen, ih­ren An­ge­hö­ri­gen und un­se­ren Pfle­ge­kräf­ten. Denn der tat­säch­li­che Un­ter­stüt­zungs­be­darf wird bes­ser er­fasst. Über die Leis­tungs­hö­he ent­schei­det künf­tig, was je­mand noch selbst kann und wo sie oder er Un­ter­stüt­zung braucht - un­ab­hän­gig ob durch De­menz oder kör­per­li­che Ein­schrän­kung."

Mit dem Pfle­ge­grad 1 be­gin­ne die Un­ter­stüt­zung deut­lich frü­her. Mit­tel­fris­tig könn­ten bis zu 500 000 Men­schen zu­sätz­lich in den Ge­nuss von Pfle­ge­leis­tun­gen kom­men. "Au­ßer­dem ent­las­ten wir pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge und sor­gen da­für, dass sie in der Ren­ten- und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung bes­ser ab­ge­si­chert sind" er­klär­te Grö­he.

Für die Deut­sche Stif­tung Pa­ti­en­ten­schutz grei­fen die Re­for­men von Grö­he zu kurz. "Es fehlt ein Kon­zept, das die Pfle­ge zu­kunfts­si­cher und ge­ne­ra­tio­nen­ge­recht macht", sag­te Stif­tungs­vor­stand Eu­gen Brysch der dpa. "Schon in sie­ben Jah­ren geht das Geld aus. Dann dro­hen den Bei­trags­zah­lern von heu­te Leis­tungs­kür­zun­gen im Al­ter."

Brysch be­män­gel­te auch, dass Heim­be­woh­ner me­di­zi­ni­sche Be­hand­lungs­pfle­ge wie Me­di­ka­men­ten­ga­be oder Ver­bands­wech­sel durch ex­ami­nier­te Pfle­ge­kräf­te wei­ter selbst zah­len müss­ten. Bei Pfle­ge­be­dürf­ti­gen da­heim kom­me die ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung da­für auf. "Die­se Un­gleich­be­hand­lung ist ver­fas­sungs­recht­lich be­denk­lich", sag­te er. Die Stif­tung prü­fe ei­ne Ver­fas­sungs­kla­ge.

Die Prä­si­den­tin des So­zi­al­ver­bands VdK, Ul­ri­ke Ma­scher, kri­ti­sier­te ähn­lich wie zu­vor schon der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB): "Im Ge­setz fehlt ei­ne au­to­ma­ti­sche An­pas­sung an das Preis- und Ein­kom­mens­ni­veau."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. Mai 2016

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