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19/107a Gro­ße re­gio­na­le Un­ter­schie­de im Arzt­netz

Neue Zah­len zei­gen, dass die me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung wei­ter­hin von gro­ßen re­gio­na­len Un­ter­schie­den be­stimmt ist
Krankenschwester untersucht Kind, Kinderarzt, Krankenpflege, Pflegeberuf

03.05.2019. (dpa/fle) - Wie weit ha­ben Sie es bis zum Arzt? Und dau­ert es oft mal län­ger mit dem nächs­ten Ter­min? Das kann quer durch Deutsch­land auch da­mit zu tun ha­ben, wo je­mand wohnt.

Denn wie eng­ma­schig das Netz der Pra­xis­ärz­te ist, un­ter­schei­det sich je nach Re­gi­on im­mer noch ziem­lich.

In der Stu­den­ten­stadt Frei­burg im Breis­gau im Schwarz­wald küm­mern sich - rein rech­ne­risch - knapp 400 nie­der­ge­las­se­ne Me­di­zi­ner um 100.000 Ein­woh­ner. Gut 300 Ki­lo­me­ter Luft­li­nie wei­ter nörd­lich, im baye­ri­schen Land­kreis Co­burg, sind es da­ge­gen nur 84,3. Da­bei gibt es ge­ra­de in dünn be­sie­del­ten Ge­gen­den aku­te Sor­gen, ob Pra­xen vor Ort über­haupt er­hal­ten blei­ben. Denn vie­le Haus­ärz­te sind schon äl­ter.

Wie gut oder pro­ble­ma­tisch die Pa­ti­en­ten­ver­sor­gung in ei­ner Re­gi­on ins­ge­samt ist, lässt sich nicht so ein­fach sa­gen. Denn da­zu tra­gen die Pra­xen der Kas­sen­ärz­te na­tür­lich nicht al­lein bei, son­dern zum Bei­spiel auch Kli­ni­ken und an­de­re Ge­sund­heits­ein­rich­tun­gen. Au­ßer­dem ver­sor­gen grö­ße­re Städ­te zu­min­dest beim Fach­arzt­an­ge­bot oft ei­ne ge­wis­se Um­land­re­gi­on mit. So ran­giert der Land­kreis Lands­hut mit 87 Ärz­ten be­zo­gen auf 100.000 Ein­woh­ner bei der Arzt­dich­te bun­des­weit auf dem zweit­letz­ten Platz. Die Stadt Lands­hut liegt da­ge­gen mit ei­nem Wert von 319 Ärz­ten so­gar in der Spit­zen­grup­pe auf Platz acht, wie neue Zah­len des Bun­des­arzt­re­gis­ters mit Stand En­de 2018 zei­gen.

Ein schlich­ter Un­ter­schied nach Ost und West zeigt sich da­bei nicht. Zwar ist Bran­den­burg bei der Arzt­dich­te das Schuss­licht al­ler Län­der. Eben­falls we­ni­ger als 200 nie­der­ge­las­se­ne Me­di­zi­ner pro 100 .00 Ein­woh­ner ha­ben aber auch die Kas­sen­ärz­te-Re­gio­nen West­fa­len-Lip­pe, Sach­sen-An­halt, Rhein­land-Pfalz und Thü­rin­gen. Kon­kret kommt es für die Pa­ti­en­ten dar­auf an, wie groß die Flä­che ist, auf die sich ei­ne be­stimm­te Ärz­te­zahl ver­teilt. Und dann ist es ent­schei­dend, wie gut oder dünn die An­bin­dung auch mit öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln ist.

Um dro­hen­den Man­gel in be­stimm­ten Re­gio­nen zu ver­mei­den, muss aus Sicht der Ärz­te die Po­li­tik lie­fern. "Die ein­zig se­riö­se Ant­wort auf den Ärz­te­man­gel heißt: mehr Stu­di­en­plät­ze", sagt Ärz­te­prä­si­dent Frank Ul­rich Mont­go­me­ry. Aus Sicht der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­run­gen (GKV) gibt es ei­gent­lich ge­nug Ärz­te. Die sei­en aber ge­le­gent­lich falsch ver­teilt und hät­ten für Ver­si­cher­te zu­min­dest in man­chen Fäl­len zu sel­ten Sprech­stun­den. Die Kehr­sei­te feh­len­der Pra­xen auf dem Land sind über­lau­fe­ne Stadt-Pra­xen in be­stimm­ten Vier­teln. Teils wer­den El­tern ab­ge­wie­sen, die neu ei­nen fes­ten Kin­der­arzt su­chen.

Be­son­ders im Blick steht das Netz der Haus­ärz­te. Sie sind meist ers­te und häu­figs­te An­lauf­stel­len für Pa­ti­en­ten und soll­ten mög­lichst nicht so weit weg lie­gen. Auch hier geht die Ab­de­ckung aber re­gio­nal stark aus­ein­an­der. Bun­des­weit spit­ze ist Kauf­beu­ren in Bay­ern mit 95,9 Haus­ärz­ten pro 100.000 Ein­woh­ner. Über der 90-Ärz­te-Mar­ke lie­gen auch Würz­burg, Gar­misch-Par­ten­kir­chen, Frei­burg im Breis­gau und Wei­mar. Von den zehn Kom­mu­nen mit der nied­rigs­ten Haus­arzt­dich­te sind da­ge­gen al­lein sechs in Nord­rhein-West­fa­len - dar­un­ter die Groß­stadt Duis­burg (rund 500.000 Ein­woh­ner) mit 55 Haus­ärz­ten nach die­sem Ver­hält­nis.

Aus­ge­rech­net bei Haus­ärz­ten zeich­nen sich auch schon seit län­ge­rem Schwie­rig­kei­ten bei der Nach­fol­ge ab, wenn Pra­xis­in­ha­ber in den Ru­he­stand ge­hen. Und Haus­ärz­te sind im Schnitt äl­ter als Kol­le­gen an­de­rer Fach­rich­tun­gen. Das größ­te Pro­blem da­mit droht laut Sta­tis­tik in Rhein­land-Pfalz, das die bun­des­weit äl­tes­ten Haus­ärz­te (im Schnitt 56,4 Jah­re) hat - fast je­der fünf­te (18,9 Pro­zent) ist schon äl­ter als 65. In West­fa­len-Lip­pe sieht es nur we­nig bes­ser aus. Da­ge­gen hat Meck­len­burg-Vor­pom­mern die ver­gleichs­wei­se jüngs­ten Haus­ärz­te mit ei­nem Durch­schnitts­al­ter von 54 Jah­ren, nur 9,3 Pro­zent sind über 65.

Ge­ra­de Haus­ärz­te für das Land zu ge­win­nen, ist je­doch nicht leicht. Da­mit sich Pra­xen tra­gen, brau­chen sie ei­nen ge­wis­sen Pa­ti­en­ten­stamm. Und auch für Ärz­te hängt die Ent­schei­dung für ei­ne Nie­der­las­sung an ei­nem Ort an Kri­te­ri­en wie Frei­zeit­an­ge­bot, Jobs für Le­bens­part­ner und Kin­der­be­treu­ung, wie das Wis­sen­schaft­li­che In­sti­tut der Pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung in ei­ner Stu­die er­läu­ter­te. Ge­ne­rell gibt es ei­ne Steue­rung von Pra­xis­sit­zen über Be­darfs­plä­ne. Die Bun­des­re­gie­rung setzt künf­tig auch auf zu­sätz­li­che fi­nan­zi­el­le An­rei­ze für Land­ärz­te.

Der GKV-Spit­zen­ver­band mahnt "ei­ne ge­mein­sa­me An­stren­gung" an, um ei­ne Ver­sor­gung auf ho­hem Ni­veau zu si­chern - ge­ra­de auf dem Land, wenn Schu­len, Bahn­hö­fe und Le­bens­mit­tel­ge­schäf­te schon ge­schlos­sen sind. "Heu­te se­hen sich die Or­ga­ni­sa­tio­nen der nie­der­ge­las­se­nen Ärz­te und der Kli­ni­ken zu oft als Kon­kur­ren­ten um lu­kra­ti­ve Pa­ti­en­ten, statt Hand in Hand für de­ren gu­te Ver­sor­gung zu­sam­men zu ar­bei­ten", sagt Spre­cher Flo­ri­an Lanz.

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Letzte Überarbeitung: 18. Mai 2019

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