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Grun­dig, AEG, Quel­le: Was von den eins­ti­gen Gi­gan­ten üb­rig blieb

Quel­le & Co.: Trüm­mer zer­bro­che­ner Groß­kon­zer­ne
Im Groß­raum Nürn­berg-Fürth ver­lo­ren meh­re­re Tau­send ih­ren Ar­beits­platz
06.06.2012 (dpa/lby) - Grun­dig, AEG und Quel­le wa­ren Teil des deut­schen Wirt­schafts­wun­ders, sie lie­fer­ten Fern­se­her, Wasch­ma­schi­nen und Mo­de in na­he­zu je­den deut­schen Haus­halt. Doch die Schwer­ge­wich­te schaff­ten es nicht, ih­re Vor­rang­stel­lung zu hal­ten. Im glo­ba­li­sier­ten Wett­be­werb ver­lo­ren sie den An­schluss, wa­ren nicht mehr fle­xi­bel, ef­fi­zi­ent und in­no­va­tiv ge­nug. Hin­zu kam so man­cher Ma­nage­ment­feh­ler. Am En­de stand bei al­len drei Un­ter­neh­men das Aus. Im Groß­raum Nürn­berg-Fürth ver­lo­ren meh­re­re tau­send Men­schen ih­ren Ar­beits­platz - und die ge­sam­te Re­gi­on ei­nen Teil ih­rer Iden­ti­tät. Doch ei­ni­ge Trüm­mer der zer­bro­che­nen Groß­kon­zer­ne über­leb­ten und be­haup­ten sich heu­te er­folg­reich am Markt.

Grun­dig et­wa wur­de nach der In­sol­venz im Jahr 2003 zer­schla­gen. Heu­te tra­gen noch drei Un­ter­neh­men den eins­ti­gen Elek­tronik­rie­sen im Na­men, zwei da­von pro­du­zie­ren wei­ter­hin in Fran­ken. So stellt die Grun­dig Busi­ness Sys­tems GmbH in Bay­reuth Dik­tier­ge­rä­te her, Ver­trieb und Buch­hal­tung sit­zen in Nürn­berg. "Wir ge­hö­ren welt­weit zu den drei Gro­ßen der Bran­che, in Deutsch­land sind wir Markt­füh­rer", be­rich­tet Fir­men­spre­che­rin Na­di­ne Kie­witt. Grun­dig Busi­ness Sys­tems wur­de schon 2001 aus­ge­grün­det, der Mut­ter­kon­zern war da be­reits am Tau­meln.

Pro­fi­ta­bel ist auch Grun­dig Sat Sys­tems (GSS). Die Ex­per­ten für Sa­tel­li­ten­fern­se­hen ha­ben im ver­gan­ge­nen Jahr mit gut 25 Mil­lio­nen EUR den höchs­ten Um­satz seit der Fir­men­grün­dung im Jahr 2004 er­zielt. GSS ist das ein­zi­ge Grun­dig-Über­bleib­sel, das noch am eins­ti­gen Stamm­sitz des Kon­zerns in Nürn­berg-Lang­was­ser pro­du­ziert. Drei lang­jäh­ri­ge Ma­na­ger hat­ten die Spar­te nach der In­sol­venz in die Selbst­stän­dig­keit ge­führt, rund 90 Mit­ar­bei­ter ha­ben sie heu­te.

Von der einst gro­ßen Un­ter­hal­tungs­elek­tro­nik-Spar­te ist in der Re­gi­on hin­ge­gen kaum noch et­was üb­rig. Zwar wer­den un­ter dem Na­men Grun­dig noch im­mer Fern­se­her und Ra­di­os ver­kauft, doch hat in­zwi­schen die tür­ki­sche Koc-Grup­pe bei Grun­dig In­ter­me­dia das Sa­gen. Pro­du­ziert wird im Aus­land, in Nürn­berg sind nur 140 Mit­ar­bei­ter üb­rig­ge­blie­ben. Im­mer­hin wur­de der Er­trag der Fir­ma nach ei­ner län­ge­ren Pha­se im ro­ten Be­reich 2010 "hell­grau" und 2011 "deut­lich schwär­zer", wie Ge­schäfts­füh­rer Mu­rat Sa­hin schil­dert.

Mit Del­phi Grun­dig gab es vor­über­ge­hend noch ei­ne vier­te Fir­ma, die den Na­men fort­führ­te. Der Au­to­zu­lie­fe­rer Del­phi hat­te Grun­dig Car In­ter­me­dia Sys­tems mit sei­nen welt­weit 830 Au­to­ra­dio-Spe­zia­lis­ten - dar­un­ter gut 200 in Deutsch­land - im Jahr 2003 über­nom­men. In­zwi­schen je­doch ist die Spar­te voll­kom­men in Del­phi auf­ge­gan­gen, Grun­dig ver­schwand aus dem Fir­men­na­men.

Auch die AEG hat als ei­gen­stän­di­ger Un­ter­neh­mens­teil nicht über­lebt und ist heu­te ei­ne Mar­ke von Elec­tro­lux. Als die Schwe­den vor rund sechs Jah­ren nach har­tem Ar­beits­kampf das tra­di­ti­ons­rei­che Haus­ge­rä­te­werk schlie­ßen, ver­lie­ren 1.750 Men­schen ih­ren Ar­beits­platz - und Nürn­berg ei­ne sei­ner letz­ten gro­ßen In­dus­trie-Pro­duk­ti­ons­stät­ten. Die Deutsch­land­zen­tra­le von Elec­tro­lux bleibt je­doch in der Stadt, knapp 650 Mit­ar­bei­ter küm­mern sich dort heu­te um Ver­wal­tung, Ver­trieb und Kun­den­dienst.

Gut 70 Ki­lo­me­ter ent­fernt be­steht der letz­te Pro­duk­ti­ons­stand­ort von Elec­tro­lux in Deutsch­land fort: In Ro­then­burg ob der Tau­ber wer­den für 26 Mar­ken der Grup­pe Her­de und Koch­mul­den pro­du­ziert. Al­le zwölf Se­kun­den läuft ein Ofen vom Band, in der For­schungs­ab­tei­lung ba­cken die tüf­teln­den In­ge­nieu­re Muf­fins und Blech­ku­chen - an­hand der Bräu­nung über­prü­fen sie, ob sich die Wär­me gleich­mä­ßig ver­teilt. Um die Zu­kunft ist Werk­lei­ter Jo­hann Reindl nicht Ban­ge: "Wir ha­ben ei­ne Ef­fi­zi­enz­stei­ge­rung von jähr­lich sechs bis sie­ben Pro­zent." Da­durch kön­ne das stark au­to­ma­ti­sier­te Werk auch in der Kon­kur­renz mit Bil­lig­lohn­län­dern be­ste­hen.

Vom einst gro­ßen Ver­sand­händ­ler Quel­le, der von Klei­dung über Wohn­zim­mer­schrän­ke bis zu Rol­la­to­ren na­he­zu al­le Wün­sche der Kon­su­men­ten be­frie­dig­te, exis­tiert der Na­me eben­falls noch - al­ler­dings pro­fi­tiert jetzt Ex-Kon­kur­rent Ot­to von den Mar­ken­rech­ten. Die Wer­be­kraft der Fo­to­Quel­le wur­de vom In­sol­venz­ver­wal­ter auf die glei­che Wei­se ver­sil­bert. Wett­be­wer­ber grif­fen auch bei ope­ra­tiv er­folg­rei­chen Un­ter­neh­mens­be­stand­tei­len zu, et­wa beim tech­ni­schen Kun­den­dienst Pro­fec­tis, dem Shop­ping­s­en­der HSE 24 oder den Spe­zi­al­ver­sen­dern.

Als funk­tio­nie­ren­des Un­ter­neh­men mit Quel­le im Fir­men­na­men hat ein­zig die Kü­chen­Quel­le über­lebt. Sie war En­de 2009 von drei Un­ter­neh­mern aus dem Groß­raum Nürn­berg so­wie dem frü­her bei Quel­le zu­stän­di­gen Be­reichs­lei­ter über­nom­men wor­den. Die vier Män­ner ret­te­ten da­durch ne­ben den rund 150 Ar­beits­plät­zen auch 250 Jobs bei Zu­lie­fe­rern. Im ver­gan­ge­nen Jahr ge­lang ih­nen ein Um­satz­wachs­tum von 29 Pro­zent auf rund 43,6 Mil­lio­nen EUR.

Die Mit­ar­bei­ter der Kü­chen­Quel­le kön­nen be­ruf­lich auf die Zu­kunft ver­trau­en. Doch mehr als 10.000 ih­rer frü­he­ren Quel­le-Kol­le­gen muss­ten sich nach der In­sol­venz beim Ar­beits­amt mel­den. Ei­ni­ge von ih­nen ha­ben bis heu­te kei­nen neu­en Job ge­fun­den.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 18. Dezember 2013

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