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Gut die Hälf­te der Un­ter­neh­men lehnt hö­he­ren Min­dest­lohn ab

Die von der Wirt­schaft vor­her­ge­sag­ten Hor­ror­sze­na­ri­en nach Ein­füh­rung des Min­dest­loh­nes blie­ben aus: Den­noch war­nen In­dus­trie und Han­del vor ei­ner mög­li­chen An­he­bung - und lang­fris­ti­gen Aus­wir­kun­gen
Was weist die Stu­die aus?

10.05.2016. (dpa) - Ei­ne An­he­bung des ge­setz­li­chen Min­dest­loh­nes lehnt mehr als die Hälf­te der Un­ter­neh­men in Sach­sen (58 Pro­zent) als wirt­schaft­lich nicht trag­bar ab.

Das geht aus ei­ner am Mon­tag von den säch­si­schen In­dus­trie- und Han­dels­kam­mern so­wie dem Ifo-In­sti­tut Dres­den vor­ge­stell­ten Be­fra­gung von knapp 2700 Un­ter­neh­men her­vor.

"Für vie­le Be­trie­be ist schon jetzt ein Min­dest­lohn von 8,50 Eu­ro ein Be­schäf­ti­gungs- und In­ves­ti­ti­ons­hemm­nis", sag­te der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der IHK Chem­nitz, Hans-Joa­chim Wun­der­lich.

Er mahn­te des­halb ei­ne "An­pas­sung mit Au­gen­maß" an.

Hin­ter­grund ist ei­ne ge­plan­te An­he­bung zum 1. Ja­nu­ar 2017 - bis En­de Ju­ni will ei­ne staat­li­che Min­dest­lohn­kom­mis­si­on da­zu erst­mals Vor­schlä­ge er­ar­bei­ten. Die Er­geb­nis­se der säch­si­schen Be­fra­gung sol­len nun der Kom­mis­si­on über­mit­telt wer­den.

Laut Be­fra­gung ha­ben 54 Pro­zent der Un­ter­neh­men zu­min­dest für ei­nen Teil der Be­schäf­tig­ten Löh­ne und Ge­häl­ter an­ge­ho­ben. "Sach­sen ge­hört zu den Bun­des­län­dern, die am stärks­ten von der Ein­füh­rung des Min­dest­loh­nes be­trof­fen sind", er­klär­te Mi­cha­el We­ber vom Ifo-In­sti­tut Dres­den. Zu kämp­fen ha­ben dem­nach vor al­lem Be­trie­be an der Gren­ze - et­wa im Kreis Gör­litz so­wie im Erz­ge­birgs­kreis. Bei den Bran­chen zeigt sich ins­be­son­de­re das Gast­ge­wer­be be­trof­fen, ge­folgt von Ver­kehr und Gast­ge­wer­be.

Dass mehr als die Hälf­te der Un­ter­neh­men die Löh­ne an­pas­sen muss­te, zei­ge, wie schlecht der Zu­stand vor­her war, er­klär­te der ar­beits­markt­po­li­ti­sche Spre­cher der SPD-Frak­ti­on, Hen­ning Ho­mann. Er warn­te vor Pa­nik­ma­che im Zu­sam­men­hang mit der be­vor­ste­hen­den An­pas­sung. Die Fir­men hät­ten ge­zeigt, dass sie mit dem Min­dest­lohn um­ge­hen könn­ten. Ge­ra­de in Sach­sen sei­en auf­grund der nied­ri­gen Löh­ne vie­le Be­schäf­tig­te auf ei­ne Lohn­un­ter­gren­ze an­ge­wie­sen, so die Lin­ke. Das der­zei­ti­ge Ni­veau schüt­ze den­noch nicht vor Al­ters­ar­mut. Da­zu sei min­des­tens ein St­un­den­lohn von 11,50 Eu­ro not­wen­dig, hieß es.

Die Stu­die weist un­ter­schied­li­che Re­ak­tio­nen auf den Min­dest­lohn aus: 58 Pro­zent der Fir­men zo­gen dem­nach die Prei­se an, je­weils 39 Pro­zent zö­ger­ten bei In­ves­ti­tio­nen und Neu­ein­stel­lun­gen. Ein Drit­tel gab an, Ar­beits­zei­ten und Son­der­zah­lun­gen ge­kürzt zu ha­ben, bei 29 Pro­zent kam es zu Ent­las­sun­gen.

"Wir ge­hen da­von aus, dass oh­ne den Min­dest­lohn 10.000 Ar­beits­plät­ze zu­sätz­lich hät­ten ge­schaf­fen wer­den kön­nen", so Wun­der­lich. Zu­gleich räum­te er ein, dass we­gen der gu­ten kon­junk­tu­rel­len La­ge Un­ter­neh­men we­ni­ger Stel­len ab­ge­baut ha­ben als zu­nächst be­fürch­tet.

Die lang­fris­ti­gen Aus­wir­kun­gen sei­en aber noch nicht ab­zu­se­hen, er­klär­ten Ifo-In­sti­tut und Kam­mern. Zu­dem ge­be es bei der nächs­ten Er­hö­hung nicht mehr so vie­le Stell­schrau­ben wie In­ves­ti­tio­nen, Ar­beits­zeit und Son­der­zah­lun­gen, an de­nen die Fir­men dre­hen könn­ten.

Das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um pries den Min­dest­lohn zu­letzt als Er­folgs­ge­schich­te, wo­nach in Sach­sen rund 250.000 Frau­en und Män­ner pro­fi­tie­ren. Die ge­setz­li­che Re­ge­lung war am 1. Ja­nu­ar 2015 ein­ge­führt wor­den und sieht ei­nen Lohn von min­des­tens 8,50 Eu­ro pro St­un­de vor. Al­ler­dings gibt es zahl­rei­che Aus­nah­men.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 31. August 2016

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