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IG-Me­tall: Ver­hand­lun­gen um die Leih­ar­beit ste­hen noch am An­fang

Der Ab­schluss des Me­tall-Ta­rif­kon­flikts als Rah­men­be­din­gun­gen für die (Neu-)Ge­stal­tung der Leih­ar­beit?
Zwei Gruppen von je drei Arbeitnehmern mit Helm, Bekleidung der beiden Gruppen unterschiedlich An­pfiff zur nächs­ten Run­de: Ta­rif­ab­schluss für die Leih­ar­bei­ter in Sicht?

22.05.2012 (dpa) - Der Pi­lot­ta­rif­ab­schluss in der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie lässt die Bri­sanz des Streit­the­mas Leih­ar­beit nach Über­zeu­gung der IG Me­tall un­ver­än­dert.

Der Kampf um mehr Re­geln für das Aus­lei­hen be­fris­tet Be­schäf­tig­ter blei­be auch nach dem Kom­pro­miss der Ta­rif­ver­hand­lun­gen in Ba­den-Würt­tem­berg bun­des­weit ei­ne kla­re Haupt­auf­ga­be der Ge­werk­schaft, kün­dig­te IG-Me­tall-Be­zirks­lei­ter Jörg Hof­mann am Mon­tag in Sin­del­fin­gen an, wo die Süd­west-IG-Me­tall die am Sams­tag er­folg­te Ei­ni­gung erst­mals aus­gie­big be­wer­te­te. "Wir ha­ben mit dem Er­geb­nis kei­nen Frie­den mit der Leih­ar­beit ge­macht."

Der re­gio­na­le Ge­werk­schafts­boss räum­te ein, dass die Ar­beit­neh­mer für den Ver­hand­lungs­kom­pro­miss ein gro­ßes Stück weit von ih­ren Ur­sprungs­for­de­run­gen ab­rü­cken muss­ten. "Das gilt be­son­ders bei der Leih­ar­beit." Doch als Ge­samt­pa­ket sei der Ab­schluss ein Er­folg. Das zei­ge sich auch an der Zu­stim­mung des obers­ten Ge­werk­schafts­gre­mi­ums, der Gro­ßen Ta­rif­kom­mis­si­on, die "sel­ten so deut­lich" aus­ge­fal­len sei.

Hof­manns Be­wer­tung zur Leih­ar­beit steht da­mit im Wi­der­spruch zu den Ar­beit­ge­bern. So hat­te Ge­samt­me­tall-Prä­si­dent Mar­tin Kan­ne­gies­ser am Wo­chen­en­de er­klärt, dass der Ab­schluss zu­sam­men mit den par­al­lel lau­fen­den Ver­hand­lun­gen um ei­ne bes­se­re Be­zah­lung in der Leih­ar­beits­bran­che das Streit­the­ma end­lich be­frie­den müs­se. "Nicht nur zwi­schen den Ta­rif­par­tei­en, son­dern auch auf der po­li­ti­schen Ebe­ne", for­der­te Kan­ne­gies­ser in sei­ner Bi­lanz. Dem setz­te Hof­mann ent­ge­gen, dass die Ba­sis für mehr Re­geln nun erst ge­schaf­fen sei: "Wir ha­ben bei der Leih­ar­beit jetzt ei­nen brei­ten Fuß in der Tü­re." So stün­den nun erst­mals Rah­men­be­din­gun­gen für die Ge­stal­tung der Leih­ar­beit fest, mit de­nen Ar­beits­ge­rich­te ei­ne Hand­ha­be hät­ten.

Am Mon­tag­abend lie­fen die wäh­rend der nun be­en­de­ten Me­tall-Ta­rif­run­de aus­ge­setz­ten Ge­sprä­che mit den Zeit­ar­beits­fir­men wie­der an. Da­bei will die IG Me­tall pau­scha­le Zu­schlä­ge zu den dort gel­ten­den Ta­rif­kon­di­tio­nen durch­set­zen, falls die Leih­ar­bei­ter in der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie zum Ein­satz kom­men. So sol­len die teils gro­ßen Ein­kom­mens­un­ter­schie­de der Leih­ar­bei­ter in der Bran­che schmel­zen. Die Ge­werk­schaft ver­han­delt für das ge­sam­te Bun­des­ge­biet mit den Zeit­ar­beits­ver­bän­den BAP und IGZ. Um­strit­ten ist die Zahl der Be­güns­tig­ten: Wäh­rend die IG Me­tall von rund 300.000 Leih­ar­bei­tern in der In­dus­trie­spar­te aus­geht, nennt der Ar­beit­ge­ber­ver­band Ge­samt­me­tall rund 240.000.

Mit der Ei­ni­gung in Ba­den-Würt­tem­berg setz­te die IG Me­tall ne­ben mehr Mit­be­stim­mung der Be­triebs­rä­te bei der um­strit­te­nen Leih­ar­beit auch durch, dass für Aus­ge­bil­de­te die un­be­fris­te­te Über­nah­me zum Re­gel­fall wird. Bis­her war nur ei­ne Über­nah­me für ein Jahr si­cher. Hof­mann zu­fol­ge er­hält aber schon heu­te je­der zwei­te Aus­ge­bil­de­te so­fort ei­ne un­be­fris­te­te Über­nah­me, ein wei­te­res Vier­tel dann nach ei­nem Jahr. Nur rund je­der Vier­te Azu­bi wer­de nicht über­nom­men oder ent­schei­de sich nach der Leh­re für ei­ne Wei­ter­bil­dung.

Hof­mann ist über­zeugt, dass die Azu­bis von der neu­en Re­ge­lung pro­fi­tie­ren, auch wenn die Ar­beit­ge­ber wei­ter­hin al­lei­ne ent­schei­den, wie groß ihr Be­darf für un­be­fris­te­te Über­nah­men über­haupt ist. "Ich ge­he da­von aus, dass die Kur­ve nach oben ge­hen wird", sag­te er. Al­les an­de­re sei im Kon­text des Fach­kräf­te­man­gels der völ­lig fal­sche Weg.

Bei der Lohn­zahl box­te die Ge­werk­schaft mit 4,3 Pro­zent Plus das größ­te Ein­kom­mens­plus seit rund 20 Jah­ren durch. Der Ab­schluss vom Wo­chen­en­de soll al­ler Wahr­schein­lich­keit nach bun­des­weit über­nom­men wer­den. Bei­de Ta­rif­par­tei­en ha­ben das be­reits so emp­foh­len. End­gül­tig will die IG Me­tall im Süd­wes­ten am 6. Ju­ni for­mal über die An­nah­me des Kom­pro­mis­ses ab­stim­men. Zu­vor soll die Ba­sis in den Be­trie­ben das er­ziel­te Er­geb­nis be­wer­ten und der Ta­rif­kom­mis­si­on Rück­mel­dung ge­ben.

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Letzte Überarbeitung: 22. September 2016

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