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IG Me­tall setzt Groß­ko­ali­tio­nä­re un­ter Druck - Hu­ber blickt zu­rück

Von der gro­ßen Ko­ali­ti­on er­war­tet die IG Me­tall viel: Den Ab­schied von Bert­hold Hu­ber nutzt die Ge­werk­schaft als Ge­le­gen­heit, Kanz­le­rin Mer­kel und SPD-Chef Ga­bri­el an ih­re For­de­run­gen zu er­in­nern
Die letz­te Schrau­be ge­setzt: Bert­hold Hu­ber tritt ab

25.11.2013. (dpa) - Mit ein­dring­li­chen For­de­run­gen an die an­ge­streb­te gro­ße Ko­ali­ti­on hat die IG Me­tall ih­ren au­ßer­or­dent­li­chen Ge­werk­schafts­tag in Frank­furt be­gon­nen.

Ne­ben ei­ner Neu­ord­nung des Ar­beits­mark­tes un­ter an­de­rem mit ei­nem Min­dest­lohn von 8,50 Eu­ro müs­se es si­che­re Ren­ten mit fle­xi­blen Aus­stiegs­mög­lich­kei­ten ge­ben, ver­lang­te am Sonn­tag in Frank­furt der Zwei­te Vor­sit­zen­de Det­lef Wet­zel, der am Mon­tag zum Nach­fol­ger von Bert­hold Hu­ber ge­wählt wer­den soll.

Wet­zel ver­lang­te zu­dem er­wei­ter­te Mit­be­stim­mungs­mög­lich­kei­ten der Be­triebs­rä­te bei Werk­ver­trä­gen, die zu­dem bes­ser zur Leih­ar­beit ab­ge­grenzt wer­den müss­ten.

Der 63 Jah­re al­te Hu­ber zog ei­ne po­si­ti­ve Bi­lanz sei­ner sechs­jäh­ri­gen Amts­zeit, die un­ter an­de­rem von der Fi­nanz­kri­se mit ih­ren ver­hee­ren­den Aus­wir­kun­gen ge­prägt war. "Die IG Me­tall hat in ei­nem schwie­ri­gen Um­feld vie­les er­reicht und Gu­tes be­wirkt", sag­te er. Manch­mal sei es aber auch nur ge­lun­gen, ge­ra­de das Schlimms­te zu ver­hin­dern. Hu­ber dank­te sei­nen Weg­ge­fähr­ten und Mit­ar­bei­tern. Er mahn­te: "Ar­beit ist kei­ne Ram­schwa­re. Ar­beit hat ei­nen Wert und Ar­beit schafft Wer­te. Ich er­war­te, dass man Ar­beit den Re­spekt und die An­er­ken­nung ent­ge­gen bringt, die ihr ge­bührt."

In sei­nem Gruß­wort lob­te SPD-Chef Sig­mar Ga­bri­el den Ge­werk­schafts­chef Hu­ber für sei­ne Rol­le in der Wirt­schafts­kri­se 2008/2009. Oh­ne die IG Me­tall hät­te es da­mals kei­ne Ab­wrack­prä­mie und kein aus­ge­wei­te­tes Kurz­ar­bei­ter­geld ge­ge­ben, die bei der da­ma­li­gen gro­ßen Ko­ali­ti­on durch­ge­setzt wer­den muss­ten. Hu­ber ha­be Hun­dert­tau­sen­de Ar­beits­plät­ze ge­ret­tet.

Ein Min­dest­lohn von 8,50 Eu­ro al­lein wer­de für ei­nen Ko­ali­ti­ons­ver­trag mit der Uni­on nicht aus­rei­chen, sag­te Ga­bri­el. Die Leih­ar­beit müs­se auf ih­re ei­gent­li­che Funk­ti­on be­grenzt und das "Werks­ver­trags­un­we­sen" be­grenzt wer­den. "Ich wer­de nichts un­ter­schrei­ben, von dem die Ge­werk­schaf­ten sa­gen, das ist nicht ge­nug", er­klär­te Ga­bri­el vor den rund 1000 De­le­gier­ten und Gäs­ten, un­ter de­nen auch der EX-Ar­beit­ge­ber­chef Die­ter Hundt und Ge­samt­me­tall-Chef Rai­ner Dul­ger wa­ren. Gleich dar­auf wies Ga­bri­el aber auf die Not­wen­dig­keit von Kom­pro­mis­sen hin. Sie sei­en ver­nünf­ti­ger als gar nichts zu tun.

Der im kom­men­den Jahr eben­falls aus­schei­den­de DGB-Chef Mi­cha­el Som­mer mahn­te die Ko­ali­tio­nä­re, ne­ben dem Ar­beits­markt die so­zia­len Si­che­rungs­sys­te­me zu fes­ti­gen. Er ver­lang­te die Voll­ren­te nach 45 Ver­si­che­rungs­jah­ren ab dem 63. Le­bens­jahr, wir­kungs­vol­le So­zi­al­ren­ten und die Si­che­rung ei­nes ver­nünf­ti­gen Ren­ten­ni­veaus. Hu­ber nann­te er ei­nen "gro­ßen Ge­werk­schafts­füh­rer", des­sen Stim­me auch in­ter­na­tio­nal Ge­wicht ha­be.

Die IG Me­tall sei ein "star­kes Trieb­werk un­se­rer Be­we­gung", sag­te Som­mer. Mit ih­rer Kam­pa­gnen­fä­hig­keit und Ta­rif­macht ha­be sie die Ge­werk­schaf­ten ins­ge­samt ge­stärkt und wie­der dar­an er­in­nert, dass die Ver­hand­lungs­macht nur über mehr Mit­glie­der und ei­ne stär­ke­re Ver­an­ke­rung in den Be­trie­ben ge­si­chert wer­den kön­nen. "Das muss­ten wir erst wie­der ler­nen."

Hö­he­punk­te der zwei­tä­gi­gen Ver­an­stal­tung sind am Mon­tag die Neu­wahl der Ge­werk­schafts­spit­ze und die fol­gen­de Re­de von Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU). Zum Nach­fol­ger des zwei Jah­re vor der Zeit aus­schei­den­den Ers­ten Vor­sit­zen­den Bert­hold Hu­ber (63) soll sein bis­he­ri­ger Stell­ver­tre­ter Det­lef Wet­zel (60) ge­wählt wer­den. Kan­di­dat für den Pos­ten des Zwei­ten Vor­sit­zen­den ist der bis­he­ri­ge Stutt­gar­ter Be­zirks­lei­ter Jörg Hof­mann. Die Vor­stands­mit­glie­der wer­den nur für den Zeit­raum bis zum nächs­ten or­dent­li­chen Ge­werk­schafts­tag im Herbst 2015 ge­wählt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 18. November 2015

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