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In­dus­trie 4.0 im Ma­schi­nen­bau - Be­deu­tungs­ver­lust für den Meis­ter?

Wie sieht der Job der Zu­kunft in der In­dus­trie 4.0 aus? Was müs­sen Be­schäf­tig­te kön­nen? Die deut­schen Ma­schi­nen­bau­er woll­ten es ge­nau­er wis­sen und ga­ben ei­ne Stu­die in Auf­trag: Ins­be­son­de­re ein Er­geb­nis dürf­te über­ra­schen
Was er­gab die Stu­die?

19.05.2016. (dpa) - Ro­bo­ter, selbst­ler­nen­de Ma­schi­nen, kom­mu­ni­zie­ren­de Bau­tei­le: Wo bleibt der Mensch, wenn Ar­beits­be­rei­che au­to­ma­ti­siert wer­den und in­tel­li­gen­te Ma­schi­nen die Fer­ti­gung über­neh­men?

Nach ei­ner Stu­die des Welt­wirt­schafts­fo­rums in Da­vos könn­ten bis 2020 welt­weit mehr als fünf Mil­lio­nen Ar­beits­plät­ze durch In­dus­trie 4.0 ver­nich­tet wer­den.

An­de­re sa­gen gar ei­nen Ver­lust von 50 Pro­zent der Jobs vor­aus.

"Wir ha­ben in der Ver­gan­gen­heit kei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen Au­to­ma­ti­sie­rung und Job­ver­lust fest­ge­stellt", hält Hart­mut Rau­en, stell­ver­tre­ten­der Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Ma­schi­nen­bau­ver­ban­des VD­MA da­ge­gen.

Im Ge­gen­teil: "Durch die Au­to­ma­ti­sie­rung wer­den neue Be­rufs­bil­der ent­ste­hen", sagt Rau­en. Die Di­gi­ta­li­sie­rung hat in der mit­tel­stän­disch ge­präg­ten Schlüs­sel­in­dus­trie mit mehr als ei­ner Mil­li­on Be­schäf­tig­ten be­reits in vie­len Be­rei­chen Ein­zug ge­hal­ten.

So kön­nen Kun­den An­for­de­run­gen an Pro­duk­te im Netz fest­le­gen, die Da­ten flie­ßen in die Ge­stal­tung, Pla­nung und Pro­duk­ti­on beim Her­stel­ler ein. In man­chen Ma­schi­nen­bau-Un­ter­neh­men hel­fen Tech­no­lo­gi­en, die Be­schäf­tig­te am Kör­per tra­gen, so­ge­nann­te Weara­bles, bei der Mon­ta­ge. Ein smar­ter Hand­schuh mel­det bei­spiels­wei­se auf ei­nem Dis­play, wenn das fal­sche Teil mon­tiert wird. Den­noch ist die Zahl der Be­schäf­tig­ten beim größ­ten in­dus­tri­el­len Ar­beit­ge­ber Deutsch­lands in den letz­ten Jah­ren ge­stie­gen.

Auch bei deut­schen Mit­tel­ständ­lern wächst nach an­fäng­li­cher Skep­sis die Zu­ver­sicht. Nach ei­ner Be­fra­gung im Auf­trag der Com­merz­bank er­war­ten in­zwi­schen le­dig­lich 8 Pro­zent der Un­ter­neh­men ne­ga­ti­ve Ef­fek­te für die Be­schäf­ti­gung durch die Di­gi­ta­li­sie­rung. Im ver­gan­ge­nen Jahr wa­ren es noch 40 Pro­zent. 43 Pro­zent der Fir­men rech­nen mitt­ler­wei­le mit ei­nem stei­gen­den, 48 Pro­zent mit ei­nem gleich­blei­ben­den Per­so­nal­be­stand. Das Fa­zit: Der Be­darf an Fach­leu­ten dürf­te wei­ter stei­gen. Die eher ein­fa­che­ren, stan­dar­di­sier­ten Tä­tig­kei­ten könn­ten da­ge­gen zu­neh­mend von ver­netz­ten Ma­schi­nen er­bracht wer­den.

Doch wie qua­li­fi­ziert sind die Be­schäf­tig­ten tat­säch­lich für den ra­san­ten Wan­del? Die Ma­schi­nen- und An­la­gen­bau­er woll­ten es ge­nau­er wis­sen. Ei­ne Stu­die der Uni­ver­si­tät Ho­hen­heim im Auf­trag des VD­MA be­schei­nigt den Be­schäf­tig­ten der ex­port­ori­en­tier­ten Bran­che ei­ne ho­he for­ma­le Qua­li­fi­ka­ti­on. 96,3 Pro­zent der Mit­ar­bei­ter ha­ben min­des­tens ei­ne be­ruf­li­che Aus­bil­dung. Nur 3,7 Pro­zent ha­ben kei­nen Be­rufs­ab­schluss, bei al­len Be­schäf­tig­ten in Deutsch­land sind 6,9 Pro­zent. "Die sehr gu­te for­ma­le Qua­li­fi­ka­ti­on ist ein ex­tre­mer Vor­teil", sagt die Lei­te­rin der Stu­die, Sa­bi­ne Pfeif­fer.

"Die Be­leg­schaf­ten sind gut auf­ge­stellt und mit kom­ple­xen Pro­zes­sen und Ver­än­de­run­gen ver­traut", sagt auch Jörg Fried­rich Lei­ter der Ab­tei­lung Bil­dung beim VD­MA. "Die für Aus- und Wei­ter­bil­dung Zu­stän­di­gen in den Be­trie­ben soll­ten je­doch frü­her mit ein­be­zo­gen wer­den, wenn es um neue Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se und Stra­te­gi­en im Zu­ge von 4.0 geht".

Ver­lie­rer des Wan­dels könn­te aus Sicht der be­frag­ten Un­ter­neh­men der Meis­ter wer­den. Sie er­war­ten, dass sei­ne Be­deu­tung sin­ken wird. Ei­ne Ein­schät­zung, die Pfeif­fer so nicht teilt: "Der Meis­ter ist wich­tig als "Schar­nier" zwi­schen Fach­ar­bei­ter und In­ge­nieur. Die­se Funk­ti­on wird in Zei­ten von 4.0 noch an Be­deu­tung ge­win­nen".

Im Ma­schi­nen­bau do­mi­nie­ren der Stu­die zu­fol­ge die klas­si­schen Me­tall­be­ru­fe und der Me­cha­tro­ni­ker. Aus Sicht der Ex­per­ten ist vor al­lem der Job des Pro­duk­ti­ons­tech­no­lo­gen für die An­for­de­run­gen von 4.0 ge­eig­net. Sei­ne Auf­ga­be ist es, den ge­sam­ten Pro­zess von der Ent­wick­lung ei­nes Pro­duk­tes, über die Her­stel­lung bis zur Aus­lie­fe­rung im Au­ge zu be­hal­ten. Bis­her bil­den et­wa 10 Pro­zent der Un­ter­neh­men Pro­duk­ti­ons­tech­no­lo­gen aus, le­dig­lich die Be­rufs­schu­len in Ba­den-Würt­tem­berg und Thü­rin­gen bie­ten die Qua­li­fi­ka­ti­on an. Der VD­MA wirbt da­her da­für, dass auch die Be­rufs­schu­len an­de­rer Bun­des­län­der das The­ma auf­grei­fen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 14. November 2016

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