HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 15/281

Die In­te­gra­ti­on von Mi­gran­ten in den Ar­beits­markt wird noch wich­ti­ger

Die Bun­des­re­gie­rung wünscht sich noch mehr Fir­men, die jun­ge Mi­gran­ten aus­bil­den: Un­ter­neh­men und Ar­beits­agen­tu­ren grei­fen auf Pro­gram­me zu­rück und star­ten neue
Aus­bil­dungs­pro­gram­me für Flücht­lin­ge

08.10.2015. (dpa) - Ar­beit ist der bes­te Schlüs­sel zur In­te­gra­ti­on - die­ser An­sicht ist nicht nur der neue Chef des Bun­des­amts für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge, Frank-Jür­gen Wei­se. Er weiß, wo­von er re­det: Wei­se lei­tet die Bun­des­agen­tur für Ar­beit. Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les nennt die In­te­gra­ti­on von Zu­wan­de­rern ei­ne «gro­ße Auf­ga­be». «Als Ge­sell­schaft müs­sen wir uns noch mehr an­stren­gen, Mi­gran­ten gut in den Ar­beits­markt zu in­te­grie­ren», sagt die SPD-Po­li­ti­ke­rin. Die Po­li­tik un­ter­stüt­ze beim Deutsch­ler­nen, der An­er­ken­nung aus­län­di­scher Be­rufs­ab­schlüs­se und der Qua­li­fi­zie­rung. Vie­le Un­ter­neh­men leis­te­ten ei­nen vor­bild­li­chen Bei­trag - aber die Wirt­schaft kön­ne noch mehr auf jun­ge Mi­gran­ten set­zen, meint sie.

Fa­bia­na Reich­mann ist ein Bei­spiel für ge­lun­ge­ne In­te­gra­ti­on. Die ge­bür­ti­ge Bra­si­lia­ne­rin ar­bei­tet seit zwölf Jah­ren bei dem Ma­gnet­schmuck-Her­stel­ler En­er­ge­tix in Bin­gen. Die Di­plom-Über­set­ze­rin lei­tet die Kun­den­be­treu­ung. «Wir te­le­fo­nie­ren mit der gan­zen Welt, wir schrei­ben mit der gan­zen Welt», sagt sie. En­er­ge­tix-Chef Ro­land Förs­ter, der rund 1600 Pro­duk­te an­bie­tet und an Händ­ler - meist selbst Kun­den und meist weib­lich - ver­kauft, ist in­ter­na­tio­nal aus­ge­rich­tet. Er ver­kauft in Eu­ro­pa, der Tür­kei, der Mon­go­lei, den USA, Aus­tra­li­en und Mit­tel­ame­ri­ka. Von den 83 Mit­ar­bei­tern ha­ben zwölf aus­län­di­sche Wur­zeln. Nah­les be­sucht das Un­ter­neh­men, das auch ei­ne ho­he Frau­en­quo­te hat, an die­sem Frei­tag.

Neun von zehn Un­ter­neh­men in Deutsch­land ha­ben Er­fah­run­gen mit mit­tel oder hoch qua­li­fi­zier­ten aus­län­di­schen Be­schäf­tig­ten ge­macht. Das geht aus dem IHK-Un­ter­neh­mens­ba­ro­me­ter zur In­te­gra­ti­on vom Mai 2015 her­vor, für das 1866 Un­ter­neh­men al­ler Bran­chen be­fragt wur­den. Vor vier Jah­ren hat­ten erst rund drei Vier­tel sol­che Er­fah­run­gen ge­macht. Die In­te­gra­ti­on ge­lingt aus Sicht der Fir­men zu­neh­mend bes­ser, da­bei wird die Ent­wick­lung ge­rin­ger qua­li­fi­zier­ter Mit­ar­bei­ter kri­ti­scher ge­se­hen. Grö­ße­re Un­ter­neh­men en­ga­gie­ren sich stär­ker für die In­te­gra­ti­on aus­län­di­scher Ar­beits­kräf­te als klei­ne­re. Al­len ge­mein­sam ist, dass sie die deut­sche Spra­che als wich­tigs­tes In­stru­ment se­hen.

Der welt­größ­te Che­mie­kon­zern BASF nimmt auch Flücht­lin­ge in den Blick. Seit En­de 2014 un­ter­stützt die BASF in der Me­tro­pol­re­gi­on Rhein-Ne­ckar nach ei­ge­nen An­ga­ben mehr als 20 Pro­jek­te zur In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen - mit In­te­gra­ti­ons­pro­gram­men für Fa­mi­li­en, Sprach­kur­sen und Thea­ter- oder Hand­werks­pro­jek­ten. Für Ju­gend­li­che, die be­son­de­re Un­ter­stüt­zung brau­chen - auch sol­che mit aus­län­di­schen Wur­zeln -, bie­tet sie be­son­de­re Start­pro­gram­me an. «Dar­über hin­aus ist zur­zeit in Prü­fung, wie wir bei­spiels­wei­se un­se­re Start­pro­gram­me aus­ge­stal­ten kön­nen, um Flücht­lin­gen ei­ne kon­kre­te Per­spek­ti­ve bei der In­te­gra­ti­on in den Ar­beits­markt zu bie­ten», be­tont ei­ne BASF-Spre­che­rin in Lud­wigs­ha­fen.

«Der zu­neh­men­de Zu­zug von Asyl­be­wer­bern und Flücht­lin­gen stellt auch die Bun­des­agen­tur für Ar­beit vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen», sagt die Spre­che­rin der Re­gio­nal­di­rek­ti­on Rhein­land-Pfalz/Saar­land, Chris­ti­ne Lau­er, in Saar­brü­cken. Im ver­gan­ge­nen Jahr star­te­te zum Bei­spiel in den Agen­tu­ren Augs­burg, Bre­men-Bre­mer­ha­ven, Dres­den, Frei­burg, Ham­burg und Köln das Pro­gramm «Ear­ly In­ter­ven­ti­on» («frü­he Ver­mitt­lung»). 2015 ka­men Lud­wigs­ha­fen, Ber­lin-Süd und Han­no­ver da­zu. In dem ge­mein­sa­men Pro­jekt der Ar­beits­agen­tu­ren, dem Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und der EU soll früh er­kannt wer­den, ob Asyl­be­wer­ber pas­send für be­stimm­te Jobs sind. In ei­ni­gen Erst­auf­nah­me­stel­len wie et­wa in Le­bach im Saar­land oder in Trier in Rhein­land-Pfalz ist die Ar­beits­agen­tur vor Ort, um Asyl­be­wer­ber zu be­ra­ten.

Fa­bia­na Reich­mann ist schon lan­ge an­ge­kom­men in Deutsch­land und in dem Un­ter­neh­men, für das sie ar­bei­tet. Doch es ist auch für sie nach so vie­len Jah­ren nicht selbst­ver­ständ­lich, was sie macht: «Für mich ist das im­mer noch et­was Be­son­de­res», meint die ge­bür­ti­ge Bra­si­lia­ne­rin.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 8. Oktober 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de