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15/025a Der In­te­rim Ma­na­ger - Ge­ne­ra­list oder Stra­te­ge?

Wan­del und Um­bau wer­den in ei­ner glo­bal ver­netz­ten Welt zu ei­ner Dau­er­auf­ga­be des Ma­nage­ments: Doch in klei­nen Un­ter­neh­men fehlt oft das nö­ti­ge Wis­sen. Im­mer mehr Fir­men ho­len sich des­halb vor­über­ge­hend ex­ter­nes Wis­sen ins Haus - ei­nen so­ge­nann­ten In­te­rim Ma­na­ger
Hunderteuroscheine In­te­rim Ma­na­ger sind für vie­le un­ver­zicht­bar

23.01.2015. (dpa) - Sie sit­zen auf kei­nem Schleu­der­sitz - sind aber trotz­dem Ma­na­ger auf Zeit.

Zwei Mo­na­te, drei Mo­na­te oder viel­leicht auch ein Drei­vier­tel­jahr ar­bei­ten sie in den Füh­rungs­eta­gen zahl­rei­cher deut­scher Un­ter­neh­men - an­ge­heu­ert für ein be­stimm­tes Ziel, ein Pro­jekt, ei­nen Kurz­ein­satz.

Die hoch spe­zia­li­sier­ten Fach­kräf­te nen­nen sich In­te­rim Ma­na­ger.

Sie sind er­fah­re­ne Sa­nie­rungs­ex­per­ten, Chan­ge-, Per­so­nal- und Kri­sen­ma­na­ger, sie sol­len Kom­pe­tenz­lü­cken schlie­ßen oder Va­kan­zen über­brü­cken.

Für viel Geld wer­den ih­re Diens­te in An­spruch ge­nom­men, um Ver­än­de­run­gen im Un­ter­neh­men nicht nur an­zu­re­gen, son­dern sie auch um­zu­set­zen.

Nach ei­ner neu­en Schät­zung des Bran­chen­ver­ban­des Dach­ge­sell­schaft Deut­sches In­te­rim Ma­nage­ment (DDIM) in Köln wird die Zahl der Ma­na­ger auf Zeit, die auf der ers­ten oder zwei­ten Füh­rungs­ebe­ne ein­ge­setzt wer­den, in die­sem Jahr 7500 er­rei­chen. Das sind 500 mehr als ein Jahr zu­vor. Der Ar­beits­kreis In­te­rim Ma­nage­ment Pro­vi­der (AIMP) zählt so­gar über 14 000 In­te­rim Ma­na­ger. Die Dif­fe­renz er­klärt sich aus der De­fi­ni­ti­on von In­te­rim Ma­nage­ment. Wäh­rend der DDIM nur die bei­den obers­ten Ma­nage­ment­li­ni­en er­fasst, zählt der AIMP auch mitt­le­re Füh­rungs­ebe­nen und das Pro­jekt­ma­nage­ment da­zu.

Von wel­chem Blick­win­kel man auch schaut, die Bran­che boomt. Be­son­ders im Fo­kus ste­hen klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men. Sie brau­chen für ihr Wachs­tum fle­xi­ble Ex­per­ten von au­ßen und nut­zen zu­neh­mend In­te­rim Ma­na­ger, um auf Zeit be­nö­tig­te Fä­hig­kei­ten ab­zu­de­cken, um­schreibt Ma­xi­mi­li­an Graf Stol­berg von der Düs­sel­dor­fer Da­ta­L­ab.GmbH die La­ge.

"Es hat sich ein Wan­del in den Köp­fen breit­ge­macht." Graf Stol­berg ist Ge­schäfts­füh­rer des Loyal­ty-Un­ter­neh­mens, das auf Kun­den­bin­dung und –da­ten­ana­ly­se spe­zia­li­siert ist und ei­nen Schwer­punkt in der Han­dels­spar­te hat. Da­ta­L­ab half un­ter an­de­rem dem Le­bens­mit­tel­rie­sen Rewe, das Pay­back-Bo­nus­pro­gramm ein­zu­füh­ren.

Es ist aber auch das Tem­po und die Dy­na­mik der Märk­te, die Ma­na­ger auf Zeit in vie­len Un­ter­neh­men un­ver­zicht­bar ma­chen. Ge­fragt sind da­bei kei­ne Ge­ne­ra­lis­ten, son­dern Spe­zia­lis­ten. "Wenn Ge­schäfts­mo­del­le sich durch die zu­neh­men­de Di­gi­ta­li­sie­rung der Ge­sell­schaft in im­mer kür­ze­ren Ab­stän­den ver­än­dern müs­sen, so sind ne­ben mehr Fle­xi­bi­li­tät, zu­neh­mend auf Zeit be­schränk­te neue Kom­pe­ten­zen ge­fragt", sagt Graf Stol­berg. Dies kön­ne dann über In­te­rim Ma­na­ger bes­ser ge­steu­ert wer­den.

Die Wei­ßer + Grieß­ha­ber GmbH aus Mönchwei­ler im Schwarz­wald hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren bes­te Er­fah­run­gen ge­macht mit Ma­na­gern auf Zeit. Das sei zwar kein stra­te­gi­scher An­satz des Un­ter­neh­mens, aber spo­ra­disch wer­de so ent­schie­den, wenn sich Lü­cken auf­tun, er­klärt der Ge­schäfts­füh­rer des Kunst­stoff­un­ter­neh­mens, Rein­hard Fau­ser. So ha­be in der Qua­li­täts­si­che­rung auf Lei­tungs­ebe­ne ein Drei­vier­tel­jahr lang ein Ma­na­ger auf Zeit ge­ar­bei­tet, weil die Stel­le nicht be­setzt wer­den konn­te. Ein wei­te­rer Ma­na­ger ar­bei­te be­reits seit zwei Jah­ren im Pro­jekt­ma­nage­ment des Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mens, was zwar nicht die Re­gel sei, aber gut funk­tio­nie­re, er­läu­tert Fau­ser.

Tat­säch­lich hat sich das Bild des In­te­rim Ma­na­ger in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ge­wan­delt: So sind heu­te nicht mehr in ers­ter Li­nie Kri­sen­ma­na­ger und Sa­nie­rungs­spe­zia­lis­ten ge­fragt, son­dern Ex­per­ten für den Wan­del. Da­bei rü­cken um­set­zungs­ori­en­tier­te Stra­te­gen zu­neh­mend in den Vor­der­grund, heißt es in ei­ner Stu­die über das eu­ro­päi­sche In­te­rim Ma­nage­ment.

Was zählt und die­se Ma­na­ger-No­ma­den so be­gehrt macht, ist ih­re gro­ße Be­rufs­er­fah­rung und ih­re Fä­hig­keit, schnell ins kal­te Was­ser zu sprin­gen. Ei­ne Ein­ar­bei­tungs­zeit, die ih­ren fest an­ge­stell­ten Kol­le­gen mit den oft zi­tier­ten 100 Ta­gen ein­ge­räumt wird, ha­ben sie nicht. "In­te­rim Ma­na­ger müs­sen in ih­rem Man­dat sehr schnell re­agie­ren kön­nen", schreibt Co­ri­na Hoch vom Ma­nage­ment Dienst­leis­ter Lud­wig Heu­se in dem Fach­blatt Ar­beit und Ar­beits­recht. Da­für wer­den sie fürst­lich ent­lohnt.

In den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren ha­ben sich nach Zah­len des DDIM die Ho­no­ra­re für Dienst­leis­tun­gen im In­te­rim Ma­nage­ment auf 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro mehr als ver­dop­pelt. Die Un­ter­neh­men sind of­fen­bar be­reit, für die Ex­per­ti­se tief in die Ta­schen zu grei­fen. Im­mer­hin kann so ei­ne Fach­kraft je nach Ein­satz­ge­biet ei­nen Ta­gesatz von mehr als 1000 Eu­ro ver­schlin­gen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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