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Seit ei­nem Jahr Min­dest­lohn für Fri­seu­re - Prei­se stei­gen

Das Fri­seur­hand­werk gilt als klas­si­sche Nied­rig­lohn­bran­che: Doch seit ei­nem Jahr gilt ein Min­dest­lohn, der nun stu­fen­wei­se steigt und auch die Prei­se für den neu­en Haar­schnitt treibt. Sämt­li­che Pro­ble­me des Hand­werks kann der Min­dest­lohn trotz ers­ter Er­fol­ge aber nicht lö­sen
Was hat sich in der Fri­seur­bran­che ge­än­dert?

25.07.2014. (dpa) - 6,50 Eu­ro St­un­den­lohn sind nicht die Welt - und blie­ben den­noch bis zum ver­gan­ge­nen Jahr für vie­le Fri­seur­an­ge­stell­te un­er­reich­bar.

Zum 1. Au­gust 2013 hat­ten sich Hand­werk und die Ge­werk­schaft Ver­di auf ei­ne bun­des­wei­te Lohn­un­ter­gren­ze ge­ei­nigt, die ge­ra­de im weit­ge­hend ta­rif­frei­en Os­ten zum neu­en Min­dest­lohn wer­den soll.

Ein Jahr spä­ter spre­chen die Ta­rif­part­ner vor der nächs­ten Stu­fe von ei­nem Er­folg, auch weil die zu­sätz­li­chen Kos­ten über hö­he­re Prei­se an die Kun­den wei­ter­ge­ge­ben wer­den konn­ten.

Ob der Min­dest­lohn, der im Lau­fe des kom­men­den Jah­res bun­des­weit auf 8,50 Eu­ro steigt, in al­len Be­trie­ben tat­säch­lich ge­zahlt wird, ist nicht si­cher. Die Ge­werk­schaft Ver­di hat bis­lang nur we­ni­ge Kla­gen der Be­schäf­tig­ten ge­hört und geht wie die Ar­beit­ge­ber da­von aus, dass der Ta­rif­ver­trag im Gro­ßen und Gan­zen ein­ge­hal­ten wird. Ge­dreht wer­de eher an der Ar­beits­zeit, man­che Chefs ver­lang­ten un­be­zahl­te Über­stun­den, sagt Ver­di-Spre­cher Vol­ker Nüs­se. "Es wird nicht so ge­nau auf die Ar­beits­zeit ge­schaut."

Mit der ta­rif­li­chen Lö­sung ist die Bran­che der ge­setz­li­chen Re­ge­lung zu­vor­ge­kom­men, die aber mut­maß­lich zum not­wen­di­gen Ei­ni­gungs­druck bei­ge­tra­gen hat. "Wir woll­ten die drei­jäh­ri­ge Über­gangs­zeit und das un­ter­schied­li­che Tem­po in Ost und West", sagt der Ge­schäfts­füh­rer des Zen­tral­ver­bands des Fri­seur­hand­werks, Rai­ner Röhr. "Und wir wa­ren es leid, im­mer in die Bil­li­ge­cke ge­stellt zu wer­den."

Die Ta­rif­part­ner ha­ben die Lohn­un­ter­gren­ze mit ho­hen Er­war­tun­gen ver­se­hen. "Lohn­dum­ping hat im Fri­seur­hand­werk kei­nen Platz. Eben­so we­nig wie Preis­dum­ping. Denn Löh­ne und Prei­se sind im per­so­nal- und ar­beits­in­ten­si­ven Fri­seur­hand­werk zwei Sei­ten ei­ner Mün­ze", for­mu­lier­te der Zen­tral­ver­band nach der Ei­ni­gung. Zum kom­plet­ten Bild ge­hört auch, dass sich we­gen der ge­rin­gen Ver­dienst­mög­lich­kei­ten und des sin­ken­den Images im­mer we­ni­ger jun­ge Men­schen für ei­ne Fri­seur­leh­re be­geis­tern lie­ßen. Im ver­gan­ge­nen Jahr fin­gen nur noch 11 033 Lehr­lin­ge an, 7,5 Pro­zent we­ni­ger als ein Jahr zu­vor.

Die Prei­se für Haar­schnit­te und wei­te­re Dienst­leis­tun­gen sind in der Fol­ge des Min­dest­lohns be­reits deut­lich ge­stie­gen und wer­den wei­ter klet­tern. Ein Män­ner-Haar­schnitt für un­ter 20 Eu­ro sei künf­tig nicht mehr mach­bar, ließ sich Mi­cha­el Klier von der gleich­na­mi­gen Fri­seur-Ket­te aus Wolfs­burg in der Dis­kus­si­on ver­neh­men. Sei­ne Ket­te hat 2013 die Preis­er­hö­hun­gen of­fen­siv kom­mu­ni­ziert und da­für bei den Kun­den nicht nur Ver­ständ­nis ge­ern­tet. "Da ist auch man­cher vom Stuhl auf­ge­stan­den", be­rich­tet Un­ter­neh­mens­spre­cher Rü­di­ger Sch­mitt.

Ei­ner Bran­chen­ana­ly­se des Münch­ner Ifo-In­sti­tuts zu­fol­ge hat sich der Preis­an­stieg bei den Fri­seu­ren seit Mit­te 2013 kräf­tig ver­schärft und be­trug zu Jah­res­be­ginn be­reits 4,5 Pro­zent - deut­lich über der all­ge­mei­nen Preis­stei­ge­rungs­ra­te von der­zeit gut 1 Pro­zent.

Die hö­he­ren Prei­se schei­nen der­zeit gut durch­setz­bar: Die sta­bi­le Ge­samt­kon­junk­tur mit gu­ter Be­schäf­ti­gungs­la­ge und wach­sen­der Kauf­kraft lässt die Fri­seu­re auf wei­ter stei­gen­de Um­sät­ze in die­sem und im nächs­ten Jahr hof­fen. Zu­letzt war die Zahl der re­gel­mä­ßi­gen Sa­lon­be­su­cher wie­der auf knapp zwei Drit­tel ge­stie­gen.

Doch das muss nicht im­mer so wei­ter­ge­hen, denn das Hand­werk steht durch­aus in ei­nem har­ten Preis­wett­be­werb. Nicht nur in den Grenz­ge­bie­ten Po­lens und Tsche­chi­ens sind die Prei­se für ei­nen Män­ner­schnitt weit von den 20 Eu­ro Kliers ent­fernt. Kleinst­sa­lons in den Groß­städ­ten und auf dem Land er­le­di­gen ei­nen sim­plen Haar­schnitt auch weit un­ter die­ser Mar­ke.

Min­des­tens 20 000 Fri­seur­sa­lons bun­des­weit zah­len kei­ne Um­satz­steu­er, weil sie ge­gen­über dem Fi­nanz­amt ei­nen Jah­res­um­satz von we­ni­ger als 17 500 Eu­ro er­war­ten. Wie viel Geld sie hin­ter­her tat­säch­lich in der Kas­se ha­ben, kon­trol­lie­re nie­mand, be­klagt der Ver­band. Den Kos­ten­vor­teil von 19 Pro­zent könn­ten die klei­nen An­bie­ter na­he­zu voll­stän­dig an die Kun­den wei­ter­ge­ben. Ver­nach­läs­sig­te Al­ters­vor­sor­ge und Selbst­aus­beu­tung bräch­ten für den Mo­ment wei­ter Kos­ten­vor­tei­le.

Au­ßer­dem ge­hö­re im Fri­seur­hand­werk die Schwarz­ar­beit zum All­tag, be­klagt der Ver­band. Ein­fach als Nach­bar­schafts­hil­fe zu tar­nen, gilt das dis­kre­te Ge­schäft nach Fei­er­abend als un­kon­trol­lier­bar. Bis zu zwei Mil­li­ar­den Eu­ro Um­satz ge­he auf die­se Wei­se den re­gu­lä­ren Be­trie­ben ver­lo­ren.

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Letzte Überarbeitung: 1. Januar 2015

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