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Län­ger oder kür­zer im Job? - Ren­te jen­seits der 65 macht Pro­ble­me

Noch fit im Job - al­so spä­ter in Ren­te? Oder frü­her in Ren­te, wenn die Ar­beit zu be­las­tend wird? All das soll leich­ter wer­den: Doch die Ver­ant­wort­li­chen tun sich schwer mit den Re­form­schrit­ten
Rentnerpaar auf Parkbank Wel­che fle­xi­ble­ren Über­gän­ge in die Ren­te sind mög­lich?

21.01.2015. (dpa) - Spä­ter oder frü­her in Ren­te?

Po­li­tik und Ta­rif­part­ner wol­len jetzt die Wei­chen da­für stel­len, dass mehr Men­schen vom nor­ma­len Ren­ten­al­ter ab­wei­chen kön­nen, heu­te 65 Jah­re und 4 Mo­na­te.

Die Äl­te­ren sol­len stär­ker selbst ent­schei­den kön­nen, wie lan­ge sie im Job blei­ben.

Doch die Mei­nun­gen über län­ge­res oder kür­ze­res Ar­bei­ten ge­hen aus­ein­an­der.

Im­mer wie­der gab es in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten Be­rich­te über Be­schäf­tig­te, die nicht et­wa mit 63 ab­schlags­frei in Ren­te ge­hen - son­dern im Ge­gen­teil län­ger ar­bei­ten wol­len. Er­zählt wur­de von Pro­gram­mie­rern, die nach we­ni­gen, eher lang­wei­li­gen Rent­ner­jah­ren gern zum Ar­beit­ge­ber zu­rück­keh­ren, von Ge­schäfts­füh­rern auf Su­che nach neu­en Ge­schäfts­fel­dern auch mit 65 plus - und so­gar von ei­ner Putz­frau, die sich ein Recht auf län­ge­res Ar­bei­ten vor Ge­richt er­strei­ten woll­te.

«Bis­her ist in vie­len in­di­vi­du­el­len Ar­beits­ver­trä­gen und Ta­rif­ver­trä­gen fest­ge­legt, dass das Ar­beits­ver­hält­nis mit dem Er­rei­chen der Al­ters­gren­ze en­det», er­läu­tert der CDU-Ab­ge­ord­ne­te Pe­ter Weiß. Das sol­le sich än­dern. Denn mit ih­rem Ren­ten­pa­ket hat die Ko­ali­ti­on im Som­mer fest­ge­legt, dass Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer das Ar­beits­ver­hält­nis be­fris­tet ver­län­gern kön­nen.

Das Pro­blem ist laut Weiß nur: Die Ta­rif­ver­trä­ge der DGB- und an­de­rer Ge­werk­schaf­ten hiel­ten viel zu oft am star­ren nor­ma­len Ren­ten­al­ter fest. Auf die Ta­rif­ver­trä­ge ver­wei­sen laut Weiß aber vie­le Ar­beits­ver­trä­ge. "Ver­ant­wort­lich sind da­für die Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de und die Ge­werk­schaf­ten." Auch die Mus­ter­ar­beits­ver­trä­ge, die die In­dus­trie- und Han­dels­kam­mern den Un­ter­neh­men als Vor­la­ge an­bö­ten, ent­hal­ten laut dem CDU-Mann den Hin­weis auf die Re­gel­al­ters­gren­ze.

War­um ist das so? Ge­ra­de die Ar­beit­ge­ber for­dern doch im­mer wie­der bes­se­re Be­din­gun­gen für län­ge­res Ar­bei­ten. "Der Ver­dacht drängt sich auf, dass man­che Ar­beit­ge­ber län­ge­res Ar­bei­ten nur bei neu­en Ar­beits­be­din­gun­gen mit schlech­te­ren Kon­di­tio­nen für die Mit­ar­bei­ter gut fin­den", sagt Weiß.

Die DIHK-So­zi­al­ex­per­tin Ste­fa­nie Ko­enig hält dem ent­ge­gen: "Wenn ein Ar­beit­neh­mer fest­stellt, dass er ger­ne zum Bei­spiel ein oder zwei Jah­re wei­ter­ar­bei­ten möch­te, setzt das vor­aus, dass er dies mit dem Ar­beit­ge­ber ver­ein­bart. Das ist mög­lich." Und beim Ar­beit­ge­ber­ver­band BDA heißt es, das sei ei­ne Fra­ge für Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer. "Ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen sind für die nur im Ein­zel­fall zu re­geln­de Fra­ge, ob ein Ar­beits­ver­hält­nis ver­län­gert wer­den soll, we­der ge­eig­net noch er­for­der­lich."

Wie sieht man das beim Deut­schen Ge­werk­schafts­bund (DGB)? Ei­ne Spre­che­rin will sich zu der Fra­ge über­haupt nicht äu­ßern. Der Ruf nach län­ge­rem Ar­bei­ten geht für die Ge­werk­schaf­ten aber an den wah­ren Pro­ble­men Hun­dert­tau­sen­der Be­schäf­tig­ter heu­te oh­ne­hin vor­bei.

An die­sem Don­ners­tag will die Ge­werk­schaft IG BCE in Kas­sel ih­re For­de­run­gen für die an­ste­hen­de Che­mie-Ta­rif­run­de für 550 000 Be­schäf­tig­te be­schlie­ßen. Da­bei will die Ge­werk­schaft auch De­mo­gra­fie-Ver­trä­ge vor­an­brin­gen, kün­digt Spre­cher Mi­cha­el Den­ecke an. "Das dürf­te in die Rich­tung ge­hen, dass äl­te­re Be­schäf­tig­te bei der Wo­chen­ar­beits­zeit ent­las­test wer­den." Die Idee: bei­spiels­wei­se schon mit 62 we­ni­ger ar­bei­ten, um bis zum Ren­ten­al­ter durch­zu­hal­ten.

Hans-Jür­gen Ur­ban, ge­schäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied der IG Me­tall, sagt: "Das Pro­blem ist nicht, wie wir dem 65-Jäh­ri­gen ei­ne Ver­län­ge­rung des Ar­beits­ver­trags er­mög­li­chen, son­dern wie wir dem 62-Jäh­ri­gen, der nicht mehr kann, ei­ne fai­re Aus­stiegs­chan­ce er­öff­nen."

Si­cher ist: Ein Ren­ner ist län­ge­res Ar­bei­ten heu­te nicht. Ob­wohl ein Ren­ten­zu­schlag von 0,5 Pro­zent je Mo­nat winkt, ka­men nach den jüngs­ten Zah­len 2013 nur rund 15 000 Men­schen so in Ren­te - bei 1,2 Mil­lio­nen Neu­rent­nern ins­ge­samt. Die Ren­ten­ver­si­che­rung schickt seit neu­es­tem äl­te­ren Ar­beit­neh­mern den Hin­weis, dass sie Ren­te auch spä­ter als zum nor­ma­len Ren­ten­al­ter be­an­tra­gen kön­nen. Al­ler­dings: Im Schnitt be­trägt das Aus­stiegs­al­ter laut IG Me­tall et­wa bei Elek­tro-, Tex­til- oder Me­tall­be­ru­fen rund 60 Jah­re.

Nächs­te Wo­che soll die Ko­ali­ti­ons-Ar­beits­grup­pe, die Vor­schlä­ge für fle­xi­ble­re Über­gän­ge in die Ren­te ver­ein­ba­ren soll, in die Schluss­run­de star­ten. Ur­sprüng­lich soll­te sie schon längst fer­tig sein. Doch die Mei­nun­gen ge­hen aus­ein­an­der. Nun sieht der Zeit­plan des Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­ums vor, dass ein Ge­setz bis En­de Au­gust fer­tig wird. Es kann laut Be­ob­ach­tern gut sein, dass als Kon­sens im We­sent­li­chen her­aus­kommt, dass äl­te­re Ar­beit­neh­mer leich­ter in Teil­ren­te ge­hen und mehr als bis­her hin­zu­ver­die­nen kön­nen. Bei 450 Eu­ro ist hier­bei heu­te näm­lich Schluss, sonst dro­hen ho­he Ab­schlä­ge.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 14. September 2016

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