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Job-Sor­gen über­schat­ten VW-Be­triebs­ver­samm­lung - Zu­las­sun­gen sin­ken

Die Mäch­ti­gen bei VW be­to­nen, trotz Ab­gas-Skan­dals an den Stamm-Jobs fest­hal­ten zu wol­len - zu­min­dest bei Leih­ar­bei­tern wer­den die Sor­gen aber grö­ßer: Ei­ne Be­triebs­ver­samm­lung soll­te neue Zu­ver­sicht we­cken. Die Kern­mar­ke kommt al­ler­dings im­mer stär­ker un­ter Druck
Sitzung des Betriebsrats, Betriebsratsversammlung Wel­che Stim­mung herrscht un­ter den Mit­ar­bei­tern?

03.12.2015. (dpa) - Die Fol­gen der Ab­gas-Af­fä­re mit wei­ter sin­ken­den Neu­zu­las­sun­gen in Deutsch­land las­sen die VW-Be­schäf­tig­ten zu­neh­mend um ih­re Ar­beits­plät­ze ban­gen.

Be­triebs­rat und Ei­gen­tü­mer ap­pel­lier­ten am Mitt­woch bei ei­ner Be­triebs­ver­samm­lung am Wolfs­bur­ger Stamm­sitz an die Be­leg­schaft, nicht den Mut zu ver­lie­ren.

In sei­nem Hei­mat­markt brach­te der Kon­zern im No­vem­ber er­neut we­ni­ger Mo­del­le der Pkw-Kern­mar­ke auf die Stra­ße als vor ei­nem Jahr.

"Nie­mand darf den Kopf in den Sand ste­cken", sag­te VW-Auf­sichts­rat Wolf­gang Por­sche bei der nicht öf­fent­li­chen Ver­an­stal­tung laut Re­de­text, der der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Aus­zü­gen vor­lag. "Nie­mand darf glau­ben, dass der Ab­gas-Skan­dal wie ein Ge­wit­ter vor­bei­zieht und da­nach wie aus hei­te­rem Him­mel wie­der schö­nes Wet­ter kommt." Das Un­ter­neh­men kön­ne die schwe­re Kri­se aber meis­tern: Mit ei­nem kon­se­quen­ten Han­deln wer­de VW den Weg aus "die­ser La­ge fin­den".

Zu der zwei­ten Be­triebs­ver­samm­lung seit Aus­bruch des Die­sel-De­ba­kels im Sep­tem­ber ka­men nach Be­triebs­rats­an­ga­ben bis zu 20 000 Mit­ar­bei­ter. Auch Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­bri­el (SPD) und der kom­plet­te Vor­stand um VW-Chef Mat­thi­as Mül­ler nah­men teil.

"Seit Be­kannt­wer­den des Ab­gas-Skan­dals sind bei­na­he elf Wo­chen ver­gan­gen. Ich kann Euch nur sa­gen: Das wa­ren ge­nau­so wie für Euch auch für mich elf har­te Wo­chen", be­ton­te Be­triebs­rats­chef Bernd Os­ter­loh. Bei vie­len Mit­ar­bei­tern sei­en die Be­den­ken zu­letzt nicht klei­ner ge­wor­den. Doch es ge­be auch Grün­de für Zu­ver­sicht. So ha­be der Kon­zern für ei­nen Groß­teil der in Eu­ro­pa zu­ge­las­se­nen Die­sel­wa­gen mit Be­trugs-Soft­ware in­zwi­schen tech­ni­sche Lö­sun­gen vor­ge­stellt.

Die jüngs­ten Zu­las­sungs­zah­len näh­ren je­doch Be­fürch­tun­gen, die Kri­se könn­te erst mit Ver­zö­ge­rung voll auf den Ab­satz durch­schla­gen. Nach Da­ten des Kraft­fahrt-Bun­des­amts wa­ren die deut­schen Neu­zu­las­sun­gen der Haupt­mar­ke im No­vem­ber mit ei­nem Mi­nus von 2 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jahr aber­mals rück­läu­fig - im Ok­to­ber wa­ren es schon mi­nus 0,7 Pro­zent ge­we­sen. Der Ge­samt­markt wuchs da­ge­gen um 8,9 Pro­zent. In den USA be­kam VW im No­vem­ber das Ab­gas-De­ba­kel be­reits stär­ker zu spü­ren. Die Ver­käu­fe bra­chen dort im Jah­res­ver­gleich um fast ein Vier­tel ein.

Vor al­lem Leih­ar­bei­ter mit Zeit­ver­trä­gen fürch­ten um ih­re Zu­kunft bei VW. Auch die An­kün­di­gung, dass die rund 120 000 fes­ten Be­schäf­tig­ten im Haus­ta­rif auf die sonst üb­li­chen üp­pi­gen Bo­nus­zah­lun­gen ver­zich­ten müs­sen, be­las­tet die Stim­mung - eben­so wie der Be­schluss ver­län­ger­ter Weih­nachts­fe­ri­en mit län­ge­ren Pro­duk­ti­ons­pau­sen.

"Es ist na­tür­lich scha­de, dass man den Bo­nus nun nicht be­kommt", sag­te ein VW-Mit­ar­bei­ter der dpa. Es sei zwar ei­ne Fra­ge der Zeit ge­we­sen, bis die Aus­schüt­tung - zehn Pro­zent des ope­ra­ti­ven Er­geb­nis­ses der Pkw-Kern­mar­ke - auch wie­der ein­mal ge­rin­ger aus­fal­le. "Aber dass das jetzt auf­grund sol­cher Um­stän­de pas­sie­ren muss, ist schon ex­trem be­dau­er­lich. Da gibt es schon ei­ne ge­wis­se Wut."

Die So­li­da­ri­tät mit den Leih­ar­beits-Kol­le­gen sei groß: "Das ist men­sch­lich nicht schön." Man müs­se aber be­den­ken, dass Kür­zun­gen hier in Zei­ten nach­las­sen­der Auf­trä­ge ein ganz nor­ma­les In­stru­ment sei­en. Bei der Kern­mar­ke VW sind der­zeit rund 7000 Leih­ar­bei­ter be­schäf­tigt.

Wie be­grün­det die Sor­gen sind, zei­gen auch Plä­ne für das Haupt­werk der leich­ten Nutz­fahr­zeu­ge in Han­no­ver. En­de Ja­nu­ar sol­len dort rund 300 Ver­trä­ge aus­lau­fen, be­rich­te­te die "Han­no­ver­sche All­ge­mei­ne Zei­tung" - wei­te­re 500 sol­len zu­nächst nur um drei Mo­na­te ver­län­gert wer­den. Laut Os­ter­loh hat dies nichts mit dem Die­sel-Skan­dal zu tun - es sei der schlech­ten Nach­fra­ge nach dem Pick-up Ama­rok ge­schul­det.

Für an­de­re VW-Wer­ke oder Töch­ter sei­en bis­lang kei­ne ver­gleich­ba­ren Ent­schei­dun­gen zu aus­lau­fen­den Ver­trä­gen ge­trof­fen wor­den, sag­te ein Kon­zern­spre­cher der dpa. "Es gel­ten al­le bis­her ge­mach­ten Zu­sa­gen." Zur Leih­ar­beit be­ton­te Os­ter­loh: "Für den Stand­ort Wolfs­burg kann ich je­den­falls für das ers­te Quar­tal noch Ent­war­nung ge­ben. (...) Wir hof­fen, dass uns die Kun­den die Treue hal­ten." Zu­min­dest die Ar­beits­plät­ze der Stamm­be­leg­schaft sind sei­en nicht ge­fähr­det.

Auch Wolf­gang Por­sche be­kräf­tig­te, sich für die Jobs ein­zu­set­zen: "Die Fa­mi­li­en Por­sche und Piëch ste­hen zur Be­schäf­ti­gungs­si­che­rung bei Volks­wa­gen durch ein sta­bi­les und er­folg­rei­ches Un­ter­neh­men."

Un­ter­des­sen ge­rät im Ab­gas-Skan­dal auch der Zu­lie­fe­rer Bosch un­ter Druck. In den USA ist der Stutt­gar­ter Tech­nik­kon­zern we­gen an­geb­li­cher Kom­pli­zen­schaft in dem Be­trugs­fall ver­klagt wor­den, wie aus Ge­richts­un­ter­la­gen her­vor­geht. Be­reits am Mon­tag wur­de beim Be­zirks­ge­richt in De­troit ei­ne Sam­mel­kla­ge ein­ge­reicht, die Bosch ne­ben dem VW-Kon­zern, des­sen Ex-Vor­stands­chef Mar­tin Win­ter­korn und dem ak­tu­el­len US-Chef Mi­cha­el Horn als Be­klag­te auf­führt. Bosch wird be­schul­digt, im Ab­gas-Skan­dal Teil ei­ner "Ver­schwö­rung" ge­we­sen zu sein. Der Be­trug sei durch den Zu­lie­fe­rer, von dem die nö­ti­ge Soft­ware stam­me, ge­för­dert und be­güns­tigt wor­den, heißt es in der 56-sei­ti­gen An­kla­ge­schrift.

Ein Bosch-Spre­cher woll­te zu den Vor­wür­fen kei­nen Kom­men­tar ab­ge­ben und ver­wies le­dig­lich auf ein State­ment vom 24. Sep­tem­ber. Dar­in hat­te Bosch er­klärt, als Zu­lie­fe­rer le­dig­lich Kom­po­nen­ten nach den spe­zi­el­len An­for­de­run­gen der Kun­den be­reit­zu­stel­len. Was dann da­mit ge­sche­he, lie­ge in der Ver­ant­wor­tung der Au­to­bau­er.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 27. April 2016

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