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Job­kil­ler Zu­kunft? Was der di­gi­ta­le Wan­del für Be­rufs­tä­ti­ge be­deu­tet

Fa­bri­ken vol­ler Ro­bo­ter, da­vor Hor­den von Ar­beits­lo­sen - oder ein Wirt­schafts­wun­der mit Jobs für al­le? Wie sich die Di­gi­ta­li­sie­rung auf den Ar­beits­markt aus­wirkt, wis­sen auch Ex­per­ten noch nicht ge­nau. Für jun­ge Leu­te gilt da­her vor al­lem: nicht ver­rückt ma­chen las­sen!
Was wird sich än­dern?

05.09.2016. (dpa) - Auch die­ser Text könn­te von ei­nem Com­pu­ter ge­schrie­ben sein.

Glaubt man ver­schie­de­nen Ex­per­ten, wer­den zahl­rei­che men­sch­li­che Ar­beits­kräf­te künf­tig durch Ro­bo­ter, Soft­ware oder Com­pu­teral­go­rith­men er­setzt – vom Kfz-Mon­teur über den Kun­den­be­ra­ter bis zum Jour­na­lis­ten.

Doch wie vie­le und wel­che Jobs wird die Di­gi­ta­li­sie­rung tat­säch­lich kos­ten?

Und wie kön­nen Stu­die­ren­de und Aus­zu­bil­den­de heu­te si­cher­stel­len, dass es ih­ren Job in 25 Jah­ren noch gibt?

Un­ter Di­gi­ta­li­sie­rung ver­ste­hen Ex­per­ten meh­re­re tech­ni­sche Ent­wick­lun­gen, dar­un­ter Ro­bo­tik, das In­ter­net der Din­ge oder cy­ber-phy­si­sche Sys­te­me. Hin­ter die­sem Be­griff ver­ber­gen sich zum Bei­spiel in­tel­li­gen­te Strom­net­ze oder ver­netz­te Pro­duk­ti­ons­an­la­gen. "Der Über­be­griff ist viel­leicht, dass es zu­neh­mend Pro­zes­se gibt, die nicht von Men­schen or­ga­ni­siert und per­ma­nent kon­trol­liert wer­den", er­klärt Brit­ta Mat­thes die Di­gi­ta­li­sie­rung. Sie lei­tet die For­schungs­grup­pe Be­ruf­li­che Ar­beits­märk­te am Nürn­ber­ger In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB).

Und wo Men­schen nichts mehr or­ga­ni­sie­ren und kon­trol­lie­ren müs­sen, da wer­den sie über­flüs­sig. So se­hen es zu­min­dest ver­schie­de­ne Stu­di­en, die ein fins­te­res Bild der Zu­kunft zeich­nen: Das Welt­wirt­schafts­fo­rum in Da­vos geht da­von aus, dass durch die Di­gi­ta­li­sie­rung welt­weit 7,1 Mil­lio­nen Ar­beits­plät­ze ver­lo­ren ge­hen, aber nur 2,1 Mil­lio­nen neue ent­ste­hen. Und ei­ne Stu­die der Uni­ver­si­tät Ox­ford von 2013 sieht in den USA so­gar fast die Hälf­te der Jobs (47 Pro­zent) in Ge­fahr.

Wie sich die Di­gi­ta­li­sie­rung auf den deut­schen Ar­beits­markt aus­wir­ken könn­te, hat un­ter an­de­rem die Un­ter­neh­mens­be­ra­tung PwC ana­ly­siert. Das Er­geb­nis fällt ver­gleichs­wei­se po­si­tiv aus: Zwar ge­be es Bran­chen, in de­nen der Be­darf an Ar­beits­kräf­ten sin­ken wer­de – bei Trans­port und Lo­gis­tik zum Bei­spiel um 19 Pro­zent, im Han­del um 17 Pro­zent. An­ders­wo wer­de der Be­darf aber deut­lich stei­gen: im Be­reich Tech­no­lo­gie, Me­di­en und Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on zum Bei­spiel um 11 Pro­zent, in der Ge­sund­heits- und Phar­ma­bran­che um 6 Pro­zent.

Und ge­ra­de für Hoch­schul­ab­sol­ven­ten gibt es in Zu­kunft wei­ter ge­nug Jobs, heißt es in der PwC-Stu­die: Bis 2030 wer­den in Deutsch­land zwei Mil­lio­nen Aka­de­mi­ker mehr ge­braucht – na­tür­lich vor al­lem, aber nicht nur in den MINT-Fä­chern (Ma­the­ma­tik, In­for­ma­tik, Na­tur­wis­sen­schaf­ten, Tech­nik). Und auch IAB-For­sche­rin Brit­ta Mat­thes hält es längst nicht für ge­si­chert, dass die Di­gi­ta­li­sie­rung wirk­lich zum gro­ßen Job­kil­ler wird: "Die Fra­ge, wel­che Jobs es in 20 Jah­ren noch gibt, ist se­ri­ös nicht zu be­ant­wor­ten", sagt sie.

Grund­sätz­lich sei es his­to­risch eher so, dass Ar­beits­plät­ze und Be­ru­fe durch Um­wäl­zun­gen wie die Di­gi­ta­li­sie­rung nicht ver­schwin­den. Und selbst wenn, muss das nicht im­mer schlecht sein: "Es gibt auch Be­rei­che, bei de­nen es gut ist, wenn Men­schen das nicht mehr ma­chen müs­sen", sagt Mat­thes. "Et­wa beim Um­gang mit ge­fähr­li­chen Stof­fen in der che­mi­schen In­dus­trie." Viel wahr­schein­li­cher sei aber oh­ne­hin, dass die Di­gi­ta­li­sie­rung be­ste­hen­de Jobs nicht ab­schafft, son­dern ver­än­dert.

So sieht es auch Pro­fes­sor Fried­rich Es­ser, Prä­si­dent des Bun­des­in­sti­tuts für Be­rufs­bil­dung (BIBB). Ein Bei­spiel da­für sei die Haus­tech­nik: Dort müs­sen sich di­ver­se Be­ru­fe künf­tig viel stär­ker mit dem The­ma Smart Ho­me aus­ein­an­der­set­zen. Smart Ho­me ist die Mög­lich­keit, di­ver­se An­la­gen und Ge­rä­te im Haus zu ver­net­zen und zum Bei­spiel per Smart­pho­ne zu steu­ern. Be­trof­fen da­von sei­en vom Elek­tri­ker bis zum In­stal­la­teur meh­re­re Ge­wer­be, so Es­ser: "Ich muss da auch als An­la­gen­me­cha­ni­ker Sa­ni­tär, Hei­zung und Kli­ma viel ganz­heit­li­cher und sys­tem­über­grei­fen­der den­ken."

Und selbst dort, wo die Di­gi­ta­li­sie­rung Jobs nur lang­sam ver­än­dert, et­wa in man­chen Hand­werks­be­ru­fen, macht sie sich be­merk­bar. "Auch da gibt es im kauf­män­ni­schen Be­reich oder im Kun­den­ser­vice di­gi­ta­le Ent­wick­lun­gen, die Aus­zu­bil­den­de ken­nen müs­sen", so Es­ser. Für jun­ge Leu­te auf dem Weg ins Be­rufs­le­ben be­deu­te das zu­nächst mehr Ar­beit, aber auch bes­se­re Chan­cen. Denn so­ge­nann­te Schlüs­sel­qua­li­fi­ka­tio­nen für den Um­gang mit di­gi­ta­len Tech­no­lo­gi­en las­sen sich oft auch auf an­de­re Bran­chen und Be­ru­fe über­tra­gen.

Für un­ent­schlos­se­ne Be­rufs­an­fän­ger hat die Di­gi­ta­li­sie­rung so auch et­was Po­si­ti­ves: Der Wech­sel zwi­schen Jobs und Bran­chen könn­te künf­tig deut­lich leich­ter sein. "Nie­mand muss sich nach dem Schul­ab­schluss auf ei­ne Kar­rie­re fest­le­gen, da soll­ten sich jun­ge Leu­te auch nicht von El­tern un­ter Druck set­zen las­sen", rät Brit­ta Mat­thes. Schließ­lich wis­se oh­ne­hin noch nie­mand, was in 20 Jah­ren wirk­lich ge­fragt ist.

Des­halb rät die For­sche­rin Schul­ab­gän­gern heu­te mehr denn je, bei der Wahl von Aus­bil­dung oder Stu­di­um eher den ei­ge­nen Lei­den­schaf­ten zu fol­gen. Mit der nüch­ter­nen Fra­ge wie der nach dem Zu­kunfts­po­ten­zi­al ei­nes Jobs soll­ten sie sich we­ni­ger pla­gen: "Ent­schei­dend ist die Fra­ge, was ich ma­chen will." Das sei auch im Zeit­al­ter der Di­gi­ta­li­sie­rung wei­ter das Wich­tigs­te.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 23. November 2016

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