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Kar­stadt streicht 2000 Stel­len

Schar­fe Kri­tik von Ge­werk­schaft: Bis zum En­de 2014 sol­len bei Kar­stadt 2000 Ar­beits­plät­ze weg­fal­len
Schö­ner schop­pen oh­ne Ver­käu­fer?

16.07.2012. (dpa) Kar­stadt will Kos­ten spa­ren und 2000 Stel­len ab­bau­en. Der Wa­ren­haus­kon­zern brau­che ei­ne "pas­sen­de Grö­ße", sagt Un­ter­neh­mens­chef Jen­nings. Wer blei­ben darf, be­kommt mehr Geld. Denn der Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag läuft aus.

Fast zwei Jah­re nach der Über­nah­me durch den In­ves­tor Ni­co­las Berg­gru­en hat der Wa­ren­haus­kon­zern Kar­stadt ei­nen kräf­ti­gen Per­so­nal­ab­bau an­ge­kün­digt. Bis zum En­de des Jah­res 2014 sol­len im Zu­ge der Sa­nie­rung 2000 Stel­len ge­stri­chen wer­den. Das teil­te das Un­ter­neh­men am Mon­tag in Es­sen mit. Der­zeit hat Kar­stadt rund 25 000 Be­schäf­tig­te.

Der Stel­len­ab­bau sol­le bis En­de 2014 so so­zi­al­ver­träg­lich wie mög­lich er­fol­gen. Ge­plant sei­en Früh­pen­sio­nie­run­gen, die Nicht­ver­län­ge­rung von be­fris­te­ten Ver­trä­gen so­wie der frei­wil­li­ge Aus­tritt von Be­schäf­tig­ten aus dem Un­ter­neh­men.

"So schmerz­haft die­se Maß­nah­men für die be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ter sind, so not­wen­dig sind sie", sag­te Kar­stadt-Chef An­d­rew Jen­nings laut Mit­tei­lung. Kar­stadt wei­se noch "kom­ple­xe Alt­struk­tu­ren" auf. Das Un­ter­neh­men müs­se sei­ne Struk­tu­ren und Pro­zes­se wei­ter ver­ein­fa­chen, um da­mit das Un­ter­neh­men lang­fris­tig auf die "pas­sen­de Grö­ße" zu brin­gen. Fi­li­al­schlie­ßun­gen oder der Ver­kauf von Un­ter­neh­mens­tei­len sei­en der­zeit nicht ge­plant, sag­te Jen­nings der "Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung" (Diens­tag).

Bei Kar­stadt läuft En­de Au­gust der Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag aus. Mit dem Ver­zicht auf Ge­halts­be­stand­tei­le wie Ur­laubs- und Weih­nachts­geld hat­ten die Mit­ar­bei­ter seit 2009 ei­nen wich­ti­gen Bei­trag zum Er­halt des tra­di­ti­ons­rei­chen Un­ter­neh­mens ge­leis­tet. Die Rück­kehr zum Flä­chen­ta­rif­ver­trag be­schert dem Un­ter­neh­men jähr­lich zu­sätz­li­che Kos­ten von 50 Mil­lio­nen Eu­ro.

Die Ge­werk­schaft Ver­di kri­ti­sier­te den an­ge­kün­dig­ten Stel­len­ab­bau scharf. "Das ist ein völ­lig fal­sches Si­gnal an die Be­leg­schaft und die Kun­den", sag­te Ver­di-Spre­cher Chris­toph Schmitz am Mon­tag­abend der dpa. Die Kar­stadt-Be­schäf­tig­ten hät­ten durch den Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag be­reits er­heb­lich zum Um­bau des Wa­ren­haus­kon­zerns bei­ge­tra­gen.

Schmitz sag­te, Kar­stadt brau­che mo­ti­vier­te und en­ga­gier­te Mit­ar­bei­ter, auch für die nö­ti­ge fach­li­che Be­ra­tung. Statt Stel­len zu strei­chen, müss­ten die Un­ter­neh­mens­füh­rung und In­ves­tor Berg­gru­en mehr Geld in die Mo­der­ni­sie­rung in­ves­tie­ren. Dies gel­te vor al­lem für die klas­si­schen Wa­ren­häu­ser. Die Ge­werk­schaft wol­le er­rei­chen, dass mög­lichst vie­le Stel­len er­hal­ten blei­ben.

Kar­stadt selbst ver­wies auch auf "her­aus­for­dern­de Markt­be­din­gun­gen" der Eu­ro-Schul­den­kri­se. So­wohl das Ma­nage­ment als auch Ei­gen­tü­mer Berg­gru­en sei­en "fest ent­schlos­sen, Kar­stadt durch ein schwie­ri­ges wirt­schaft­li­ches Um­feld zu steu­ern", sag­te Jen­nings. Bei­de blie­ben dem Un­ter­neh­men lang­fris­tig ver­bun­den.

Auch Me­tro-Chef Olaf Koch hat­te in der ver­gan­ge­nen Wo­che auf Pro­ble­me sei­nes Un­ter­neh­mens durch die Eu­ro-Kri­se hin­ge­wie­sen. "Die Eu­ro-Kri­se ver­dirbt den Deut­schen die Kauf­lust", hat­te Koch in ei­nem In­ter­view er­klärt.

Berg­gru­en hat­te Kar­stadt im Jahr 2010 nach ei­ner Bie­ter­schlacht aus der In­sol­venz über­nom­men. Seit­dem sei­en 160 Mil­lio­nen Eu­ro in die Häu­ser, die Tech­nik und die In­fra­struk­tur in­ves­tiert wor­den, hieß es in der Mit­tei­lung. Das In­ves­ti­ti­ons­pro­gramm sol­le wei­ter vor­an­ge­trie­ben wer­den. Die Mo­der­ni­sie­rung des Fi­li­al­net­zes sol­le fort­ge­setzt wer­den.

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Letzte Überarbeitung: 20. September 2014

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