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16/382a Kli­ma­stuhl und Lam­pe ge­gen Lärm - For­schen am "Bü­ro von mor­gen"

Dem ei­nen ist es im Groß­raum­bü­ro zu laut, der an­de­ren zu warm: Ab­hil­fe könn­ten Ent­wick­lun­gen schaf­fen, mit de­nen sich Lärm und Tem­pe­ra­tur am ein­zel­nen Ar­beits­platz re­geln las­sen. In ei­nem neu­en La­bor in Kai­sers­lau­tern ar­bei­ten For­scher dar­an
Arbeitnehmer in Call-Center, Großraumbüro Wie sieht das "Bü­ro von mor­gen" aus?

15.12.2016 (dpa) - Wem Sa­bi­ne Hoff­mann ei­nen Bü­ro­stuhl an­bie­tet, der ver­spürt un­ter Um­stän­den bald ein fri­sches Ge­fühl am Ge­säß.

Das liegt an ei­ner Kühl­funk­ti­on am Stuhl, bei Knopf­druck pus­ten klei­ne Ven­ti­la­to­ren in Sitz und Rü­cken­leh­ne Luft durch Stoff und Klei­dung auf die Haut.

Das wer­de vor al­lem von Män­nern ge­schätzt, die im Som­mer, wenn sie ver­schwitzt sei­en, auf die­se Wei­se "tro­cken­ge­legt" wür­den, sagt die Pro­fes­so­rin.

Die Wis­sen­schaft­le­rin der TU Kai­sers­lau­tern ar­bei­tet mit Kol­le­gen vom Deut­schen For­schungs­zen­trum für Künst­li­che In­tel­li­genz (DFKI) dar­an, wie man die Bü­ro­um­ge­bung so ver­bes­sern kann, dass das Wohl­be­fin­den der Men­schen wächst. In ei­nem kürz­lich am DFKI er­öff­ne­ten La­bor, dem "Li­ving Lab smart of­fice space", ent­wi­ckeln sie Tech­nik­kon­zep­te "für das Bü­ro von mor­gen" - im Selbst­ver­such und un­ter na­he­zu rea­lis­ti­schen Be­din­gun­gen. Das sei in der Form bun­des­weit ein­ma­lig, sagt Hoff­mann, die nach ei­ge­nen An­ga­ben die Idee zu die­sem Lab hat­te.

Aus Sicht der 44-Jäh­ri­gen soll­ten Chefs durch­aus dar­auf ach­ten, dass es den Mit­ar­bei­tern am Ar­beits­platz nicht zu kalt, zu heiß oder zu laut ist. "Wenn es ei­nem nicht be­hag­lich ist, ar­bei­tet man nicht gern und ist we­ni­ger pro­duk­tiv", weiß die Pro­fes­so­rin für Ge­bäu­de­sys­te­me und Ge­bäu­de­tech­nik. Das Pro­blem: "Es ist ganz schwie­rig, ein Raum­kli­ma hin­zu­be­kom­men, in dem al­le zu­frie­den sind." Denn das Tem­pe­ra­tur­emp­fin­den ist un­ter­schied­lich. Des­halb su­chen die Ex­per­ten nach in­di­vi­du­el­len Lö­sun­gen, die zu­dem en­er­gie­spa­rend sein sol­len.

Ein Bei­spiel ist der küh­len­de Bü­ro­stuhl. Ein Her­stel­ler hat­te die Sitz­ge­le­gen­heit, die auch über ei­ne Wärme­funk­ti­on ver­fügt, ent­wi­ckelt. Hoff­manns Team mach­te ei­ne Feld­stu­die da­zu, die bei der Op­ti­mie­rung des Pro­dukts half. "Die Ven­ti­la­to­ren wa­ren am An­fang zu laut, der Sitz­kom­fort war nicht gut ge­nug", er­in­nert sie sich. Die­se Kin­der­krank­hei­ten sei­en nun be­sei­tigt. In­zwi­schen ist der Stuhl auf dem Markt, der Ba­sis­preis (Hei­zung und Lüf­tung nur im Sitz) liegt laut Fir­ma bei 884 Eu­ro, die er­wei­ter­te Va­ri­an­te kommt auf 987 Eu­ro.

In ei­ner wei­te­ren Stu­die wird un­ter­sucht, wie ei­ne Ar­beits­platz­leuch­te mit in­te­grier­ter Sound­funk­ti­on im Groß­raum­bü­ro an­kommt. Das manns­ho­he Ge­rät kann über dem Schreib­tisch ein mo­no­to­nes Lüf­tungs­ge­räusch pro­du­zie­ren, das wie ein "Rausch-Schlei­er" stö­ren­de Stim­men von Kol­le­gen im Groß­raum­bü­ro über­de­cken soll. Die Dämp­fung soll lo­kal er­fol­gen - und nicht zen­tral über ein Laut­spre­cher­sys­tem, das stö­re die Men­schen, sagt Hoff­mann mit Ver­weis auf Ver­su­che. "Die Leu­te wol­len ih­re Um­ge­bungs­be­din­gun­gen kon­trol­lie­ren kön­nen."

Die In­for­ma­ti­ker vom DFKI un­ter­stüt­zen Hoff­mann und Kol­le­gen, in­dem sie mit be­stimm­ten Me­tho­den un­ter­su­chen, wie Hit­ze und Laut­stär­ke die Auf­merk­sam­keit von Test­per­so­nen be­ein­flus­sen und ob Maß­nah­men wie das "Sound­mas­king" wir­ken. Sie be­ob­ach­ten zum Bei­spiel die Au­gen­be­we­gung ei­nes Pro­ban­den beim Le­sen. Die­ses Eye­tracking zei­ge, ob die Men­schen grö­ße­re Pro­ble­me mit dem Text­ver­ständ­nis hät­ten oder ob es bes­ser ge­wor­den sei, sagt der Lei­ter des DFKI-Kom­pe­tenz­zen­trums Vir­tu­el­les Bü­ro der Zu­kunft, Hei­ko Maus.

Die Leuch­te, die ein Her­stel­ler ent­wi­ckelt hat, wird der­zeit in der Pra­xis ge­tes­tet. Die Re­so­nanz ist un­ter­schied­lich. Schlüs­se kön­ne man erst am En­de der Stu­die zie­hen, sagt Hoff­mann. Sie hat noch an­de­re Ide­en, wie "Sound­mas­king" in Mö­bel in­te­griert wer­den kann.

Be­reits zu ha­ben ist ei­ne In­nen­raum-Leuch­te, die ein Licht mit den phy­si­ka­li­schen Ei­gen­schaf­ten von Ta­ges­licht aus­strahlt. Es spre­che Zel­len im Au­ge an, die die Pro­duk­ti­on ei­nes Hor­mons mit an­re­gen­der Wir­kung för­der­ten, sagt Hoff­mann. Die Wis­sen­schaft­ler wol­len nun klä­ren, ob die Wir­kung mess­bar ist und ob sie sich steu­ern lässt. Schließ­lich sol­len die Leuch­ten mit der Au­ßen­hül­le des Ge­bäu­des ge­kop­pelt wer­den, das mit spe­zi­el­len Glas­schei­ben aus­ge­rüs­tet wird. Der Bund för­dert das Pro­jekt mit 2,3 Mil­lio­nen Eu­ro.

Hoff­mann und Kol­le­gen for­schen nicht al­lein in die­sem Be­reich. Zu den Mit­be­wer­bern ge­hö­ren zum Bei­spiel das Fraun­ho­fer In­sti­tut in Stutt­gart und das Karls­ru­her In­sti­tut für Tech­no­lo­gie. Und die­se For­schun­gen be­tref­fen vie­le. "Der­zeit ar­bei­ten mehr als 22 Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land zu­min­dest zeit­wei­se an ei­nem Bü­ro­ar­beits­platz", sagt die Spre­che­rin des In­dus­trie­ver­bands Bü­ro und Ar­beits­welt, Bar­ba­ra Schwaibold. Das sei et­wa die Hälf­te der Er­werbs­tä­ti­gen. Zu­gleich ge­be es ei­nen Trend zu grö­ße­ren Bü­ros. Nach ei­nem Um­zug klag­ten Be­schäf­tig­te oft über ei­ne lau­te Um­ge­bung und über zu ho­he oder zu nied­ri­ge Tem­pe­ra­tu­ren. "Hier kön­nen in­di­vi­du­el­le Steue­run­gen Ab­hil­fe leis­ten." Und viel­leicht En­er­gie­kos­ten sen­ken.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 13. August 2018

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