HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 16/195

Ko­ali­ti­on ent­schärft Ge­set­zes­plä­ne für Hartz-IV-Be­zie­her

Die Re­geln für den Be­zug von Hartz IV sol­len ein­fa­cher wer­den: Doch Kri­ti­ker se­hen in den Plä­nen der Re­gie­rung vor al­lem neue Be­nach­tei­li­gun­gen. Nun rückt die Ko­ali­ti­on qua­si im letz­ten Mo­ment von ei­ni­gen Punk­ten wie­der ab
Was soll ge­än­dert wer­den?

21.06.2016. (dpa) - Kurz vor der ab­schlie­ßen­den Be­ra­tung im Bun­des­tag hat die Ko­ali­ti­on ih­re Plä­ne für Hartz-IV-Be­zie­her an meh­re­ren Stel­len ent­schärft.

Das geht aus ei­nem 24-sei­ti­gen Ent­wurf her­vor, der der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Ber­lin vor­liegt.

Ge­stri­chen oder ge­än­dert wur­den Re­ge­lun­gen, die aus Sicht von Kri­ti­kern zu Ver­schlech­te­run­gen für Al­lein­er­zie­hen­de und Äl­te­re ge­führt hät­ten.

Die Ge­set­zes­plä­ne für Rechts­ver­ein­fa­chun­gen bei Hartz IV sol­len an die­sem Don­ners­tag im Bun­des­tag be­schlos­sen wer­den.

In dem neu­en Ent­wurf feh­len sämt­li­che Pas­sa­gen zu Hartz IV für Kin­der von ge­trenn­ten El­tern. Hier war vor­ge­se­hen ge­we­sen, dass die Job­cen­ter fra­gen, bei wel­chem El­tern­teil das Kin­der ta­ge­wei­se ist, und ent­spre­chend die Leis­tun­gen be­rech­nen. Ge­dacht war das als Ver­ein­fa­chung, weil der je­wei­li­ge Auf­ent­halt des Kin­des bis­her oft kom­pli­ziert er­mit­telt wird. Doch in der Pra­xis er­he­ben vie­le Job­cen­ter wech­seln­de Auf­ent­hal­te bis­her gar nicht. Die Neu­re­ge­lung hät­te für vie­le Al­lein­er­zie­hen­de ei­ne Ver­schlech­te­rung ge­bracht, hat­ten zahl­rei­che So­zi­al­ver­bän­de ge­warnt.

Neu auf­ge­nom­men wur­de ei­ne Klar­stel­lung zur Zwangs­ver­ren­tung von äl­te­ren Hartz-IV-Be­zie­hern. Es soll nun doch kei­ne Sank­tio­nen ge­ben, wenn Be­trof­fe­ne kei­ne Un­ter­la­gen vor­le­gen, die für die zwangs­wei­se Früh­ver­ren­tung nö­tig sind. Hin­ter­grund ist, dass jähr­lich Tau­sen­de Hartz-IV-Emp­fän­ger auf­ge­for­dert wer­den, vor­zei­tig mit 63 in Ren­te zu ge­hen, ob­wohl sie da­bei Ab­schlä­ge hin­neh­men müs­sen.

Kom­men Hartz-IV-Be­zie­her in be­stimm­ten Fäl­len der Pflicht zur Vor­la­ge von Un­ter­la­gen nicht nach, sol­len die Job­cen­ter ih­nen Leis­tun­gen ent­zie­hen, bis sie die­sen Pflich­ten nach­kom­men. Neu ist hier­bei nun die Fest­stel­lung: "Die­se Re­ge­lung gilt nicht bei der Be­an­tra­gung von vor­ge­zo­ge­nen Al­ters­ren­ten."

Auch an an­de­ren Stel­len soll der Ge­setz­ent­wurf ge­än­dert wer­den - et­wa hin­sicht­lich Ein-Eu­ro-Jobs wie der Sau­ber­hal­tung von Parks. Hartz-IV-Be­zie­hern dür­fen sol­che Ar­beits­ge­le­gen­hei­ten bis­her bin­nen fünf Jah­ren nicht län­ger als 24 Mo­na­te zu­ge­wie­sen wer­den. Künf­tig soll die För­der­dau­er für wei­te­re 12 Mo­na­te ver­län­gert wer­den kön­nen. "Hier­von sol­len vor­ran­gig äl­te­re Per­so­nen und Leis­tungs­be­rech­tig­te mit min­der­jäh­ri­gen Kin­dern pro­fi­tie­ren", heißt es im Ent­wurf.

Die ge­sam­ten Ge­set­zes­plä­ne für ver­schie­de­ne Neu­re­ge­lun­gen bei Hartz IV wa­ren in ei­ner Bun­des­tags­an­hö­rung bei Ex­per­ten auf Lob, aber auch auf reich­lich Kri­tik ge­sto­ßen. Das Ziel des Ge­set­zes­vor­ha­bens ist es, Job­cen­ter von Bü­ro­kra­tie zu ent­las­ten und ih­nen mehr Zeit zur Ver­mitt­lung von Ar­beits­lo­sen zu ge­ben.

Per Än­de­rungs­an­trag woll­ten Uni­on und SPD die­se Ge­set­zes­plä­ne im par­la­men­ta­ri­schen Ver­fah­ren noch er­wei­tern. Neu ist nun ein nach Pro­tes­ten kor­ri­gier­ter Ent­wurf die­ses Än­de­rungs­an­trags. Die we­sent­li­chen In­hal­te der Kor­rek­tur wa­ren schon in den ver­gan­ge­nen Ta­gen be­kannt ge­wor­den. Am Mon­tag wur­de die ent­spre­chen­de For­mu­lie­rungs­hil­fe des Bun­des­so­zi­al­mi­nis­te­ri­ums für den kor­ri­gier­ten Än­de­rungs­an­trag an die Ab­ge­ord­ne­ten ver­schickt. Es wird er­war­tet, dass dies nun so be­schlos­sen wird.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 29. Juli 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de