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Ko­ali­ti­ons­streit um Min­dest­lohn-Aus­nah­men für Flücht­lin­ge

Min­dest­lohn für Flücht­lin­ge: Die SPD ist sau­er, weil in der CDU of­fen über neue Aus­nah­men nach dem Vor­bild von Lang­zeit­ar­beits­lo­sen ge­spro­chen wird, um die Wirt­schaft zu ent­las­ten
Hunderteuroscheine Kein Min­dest­lohn für Flücht­lin­ge?

29.09.2015. (dpa) - For­de­run­gen aus der CDU, Flücht­lin­gen we­ni­ger als den Min­dest­lohn von 8,50 Eu­ro zu zah­len, ha­ben in der Ko­ali­ti­on er­heb­li­che Ver­stim­mung aus­ge­löst. SPD-Chef Sig­mar Ga­bri­el warn­te die Uni­on, mit sol­chen Ide­en die Ge­sell­schaft zu spal­ten. Da­mit wür­den Flücht­lin­ge zu «Lohn­drü­ckern ge­gen die Deut­schen» ge­macht. «Das wä­re so­zia­ler Spreng­stoff. Wer sol­che Vor­schlä­ge macht, spielt die Ar­men aus Deutsch­land ge­gen die Ar­men aus Sy­ri­en aus», sag­te der Vi­ze­kanz­ler am Diens­tag der Deut­schen Pres­se-Agen­tur.

Pro­mi­nen­te CDU-Po­li­ti­ker for­der­ten da­ge­gen in der Flücht­lings­kri­se mehr Fle­xi­bi­li­tät beim Min­dest­lohn. Vor­bild da­für ist ei­ne be­ste­hen­de Aus­nah­me für Lang­zeit­ar­beits­lo­se: Wer län­ger als ein Jahr ar­beits­los war, darf bis zu sechs Mo­na­te lang für ei­nen St­un­den­lohn von we­ni­ger als 8,50 Eu­ro be­schäf­tigt wer­den.

CDU-Prä­si­di­ums­mit­glied und Fi­nanz­staats­se­kre­tär Jens Spahn sag­te der «Welt», es wer­de man­ches auf den Prüf­stand kom­men: «Mög­li­cher­wei­se auch der Min­dest­lohn.» Auch bei der Ren­te müs­se die Ko­ali­ti­on be­weg­li­cher wer­den. «Jetzt wä­re ein gu­ter Zeit­punkt für die Fle­xi-Ren­te.»

Sach­sen-An­halts Mi­nis­ter­prä­si­dent Rei­ner Ha­seloff (CDU) ver­lang­te Son­der­lö­sun­gen für we­ni­ger Qua­li­fi­zier­te. «Bei Ein­stiegs- und Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men soll­te (...) der Min­dest­lohn nicht grei­fen», sag­te er der «Welt». Die Spit­ze der Uni­ons­frak­ti­on re­agier­te un­ein­heit­lich auf die Ide­en.

Wäh­rend Frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der (CDU) dem Vor­stoß von Spahn ei­ne Ab­sa­ge er­teil­te («Das wird nicht kom­men»), nann­te CSU-Lan­des­grup­pen­che­fin Ger­da Has­sel­feldt die De­bat­te «in­ter­es­sant». Wenn es In­te­gra­ti­on er­leich­te­re, soll­te man sich die­sem Vor­schlag nicht ver­schlie­ßen. Kau­der da­ge­gen be­ton­te, deut­sche Ar­beit­neh­mer könn­ten die Be­fürch­tung ha­ben, dass sie durch Flücht­lin­ge er­setzt wer­den. «Die Dis­kus­si­on ist ab­we­gig, und wir soll­ten sie auch nicht wei­ter füh­ren.»

Der CDU-So­zi­al­po­li­ti­ker Pe­ter Weiß sag­te der dpa: «Man kann kei­ne Aus­nah­men beim Min­dest­lohn für Flücht­lin­ge ma­chen.» Deut­sche Ar­beits­lo­se wür­den be­nach­tei­ligt, wenn Flücht­lin­ge in wett­be­werbs­ver­zer­ren­de Lohn­kon­kur­renz ge­zwun­gen wür­den. Der CDU-Mit­tel­stands­po­li­ti­ker Cars­ten Lin­ne­mann er­klär­te: «Ich bin strikt da­ge­gen, jetzt ei­nen Son­der­ar­beits­markt für Flücht­lin­ge zu schaf­fen.»

Ei­ne Spre­che­rin von Ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) stell­te klar: «Der Min­dest­lohn gilt, un­ab­hän­gig vom Pass, für al­le Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­neh­me­rin­nen.»

Ga­bri­el kri­ti­sier­te, dass man­che in CDU und CSU sich al­le vier Wo­chen ein neu­es Schein­ar­gu­ment such­ten, um den Min­dest­lohn in­fra­ge zu stel­len. Sein Rat an die Uni­on sei, die Re­ge­lung end­lich zu ak­zep­tie­ren. «Am Min­dest­lohn wird es mit der SPD nur ei­ne Än­de­rung ge­ben: Er wird stei­gen.»

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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