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Kon­junk­tur­flau­te auf dem Ar­beits­markt?

Ex­per­ten zu­fol­ge könn­te die ab­küh­len­de Kon­junk­tur ne­ga­ti­ve Fol­gen für den Ar­beits­markt ha­ben - doch es gibt auch gu­te Im­pul­se
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25.06.2019. (dpa/fle) - Der deut­schen Wirt­schaft droht an­ge­sichts der wach­sen­den glo­ba­len Ri­si­ken nach Ex­per­ten­pro­gno­sen ei­ne wei­te­re Ver­lang­sa­mung des Kon­junk­tur­tem­pos.

Selbst die mo­de­ra­ten wirt­schaft­li­chen Pro­gno­sen von vor we­ni­gen Mo­na­ten sei­en in­zwi­schen schon wie­der Ma­ku­la­tur, be­rich­te­ten Volks­wir­te deut­scher Groß­ban­ken in ei­ner Um­fra­ge der Deut­schen Pres­se-Agen­tur.

"Ins­ge­samt läuft die deut­sche Wirt­schaft nur noch auf drei von vier Zy­lin­dern", for­mu­liert es Com­merz­bank-Volks­wirt Mar­co Wag­ner.

Dass dies - an­ders als bei zu­rück­lie­gen­den Kon­junk­tur­flau­ten - auch Spu­ren auf dem Ar­beits­markt hin­ter­las­sen wird, ist für die Öko­no­men un­zwei­fel­haft. "Wir rech­nen zwar nicht ge­ra­de mit ei­nem kräf­ti­gen An­stieg der Ar­beits­lo­sen­zah­len. Aber der Trend zu sin­ken­den Zah­len wird aus­lau­fen", ist Mi­cha­el Hol­stein von der DZ-Bank über­zeugt. Und auch für Al­li­anz-Volks­wir­tin Ka­tha­ri­na Uter­möhl deu­ten nicht zu­letzt die stei­gen­den Kurz­ar­bei­ter­zah­len und die sin­ken­de Zahl of­fe­ner Stel­len dar­auf hin, «dass die Kon­junk­tur­ab­küh­lung lang­sam aber si­cher auch den Ar­beits­markt er­reicht hat".

Im Ju­ni zeigt sich nach Ein­schät­zung der Kon­junk­tur­ex­per­ten der deut­sche Ar­beits­markt aber noch ei­ni­ger­ma­ßen ro­bust. Mit ei­nem Rück­gang der Ar­beits­lo­sig­keit um rund 30.000 auf rund 2,2 Mil­lio­nen dürf­te der aus­lau­fen­de Früh­jahrs­auf­schwung den­noch deut­lich schwä­cher aus­fal­len als im Schnitt der ver­gan­ge­nen drei Jah­re. Vor ei­nem Jahr wa­ren bei deut­schen Ar­beits­äm­tern al­ler­dings noch rund 70.000 Job­su­cher mehr re­gis­triert ge­we­sen. Vor dem Hin­ter­grund ei­ner ak­tu­ell lau­fen­den Da­ten­über­prü­fung in den Job­cen­tern schlie­ßen die Volks­wir­te aber auch für Ju­ni ein Plus bei den Er­werbs­lo­sen­zah­len nicht aus. Die of­fi­zi­el­len Ju­ni-Ar­beits­lo­sen­zah­len ver­öf­fent­licht die Bun­des­agen­tur am 1. Ju­li.

Nicht ganz so ei­nig sind sich die Volks­wir­te der gro­ßen Geld­häu­ser bei den Kon­junk­tur­aus­sich­ten. Die Mehr­zahl sieht die wei­te­re Ent­wick­lung eher pes­si­mis­tisch. So gibt es für Al­li­anz-Öko­no­min Uter­möhl "kei­nen Grund für ei­ne zeit­na­he Kon­junk­tur­ent­war­nung". Sie rech­net da­mit, "dass die Un­si­cher­heit rund um den Han­del, den Brex­it und Ita­li­en so­wie die Pro­ble­me im Au­to­sek­tor uns noch ins zwei­te Halb­jahr 2019 be­glei­ten wer­den". Dass die von US-Prä­si­dent Do­nald Trump an­ge­droh­ten Zöl­le für eu­ro­päi­sche Au­tos vom Tisch sei­en, glaubt auch Marc Schat­ten­berg von der Deut­schen Bank nicht. "Ich fürch­te, dass hier die Dis­kus­si­on in den USA dem­nächst wie­der auf­keimt."

Die Deut­sche Bank hat auf­grund des gu­ten ers­ten Quar­tals nach Schat­ten­bergs An­ga­ben im Mai ih­re Wachs­tums­pro­gno­se für 2019 von 0,5 Pro­zent auf 0,7 Pro­zent an­ge­ho­ben. Da­für rech­net sie für 2020 mit ei­ner schwä­che­ren Kon­junk­tur­ent­wick­lung als bis­her an­ge­nom­men. Die DZ-Bank kal­ku­liert für 2019 mit ei­nem Wachs­tum des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) von 0,7 Pro­zent (bis­her 1,0), die Al­li­anz von 0,8 Pro­zent. Mit 0,5 Pro­zent Wachs­tum rech­net in die­sem Jahr die Com­merz­bank.

Trotz­dem sieht Com­merz­bank-Volks­wirt Wag­ner die kon­junk­tu­rel­le La­ge nicht ganz so düs­ter wie manch an­de­rer sei­ner Kol­le­gen. Er ist über­zeugt, dass es sich bei der ak­tu­el­len Flau­te le­dig­lich um ei­nen "Durch­hän­ger" han­delt; schon in der zwei­ten Jah­res­hälf­te könn­te es mit der deut­schen Wirt­schaft wie­der auf­wärts ge­hen. Zur Be­grün­dung ver­weist er auf den in­zwi­schen schwä­che­ren Eu­ro im Ver­gleich zum Dol­lar. Das ma­che deut­sche Pro­duk­te im Aus­land bil­li­ger und ver­bes­se­re die Ex­port­chan­cen von Un­ter­neh­men. Sol­che Ent­wick­lun­gen schlü­gen al­ler­dings erst mit ei­ner Ver­zö­ge­rung von ei­nem drei­vier­tel Jahr durch. Im­pul­se er­hofft sich Wag­ner auch von den er­war­te­ten Leit­zins­sen­kun­gen in Deutsch­land und den USA.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. Juli 2019

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