HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 14/297

Trotz Kon­junk­tur­flau­te: Au­gust-Ar­beits­lo­sig­keit auf Re­kord­tief

Schrump­fen­de Wirt­schaft, Kri­sen­her­de im Na­hen Os­ten, Ukrai­ne-Kon­flikt - den deut­schen Ar­beits­markt scheint das al­les kalt zu las­sen: In vie­len Fir­men ent­ste­hen wei­ter neue Jobs, die Ar­beits­lo­sig­keit ver­harrt auf Re­kord-Tief
Zwei Männchen mit Euro In Deutsch­land sind 2,902 Mil­lio­nen Men­schen ar­beits­los

29.08.2014. (dpa) - Trotz schwa­cher Kon­junk­tur und in­ter­na­tio­na­ler Kri­sen­her­de ver­harrt die Zahl der Ar­beits­lo­sen der­zeit auf ei­nem Re­kord­tief.

Mit 2,902 Mil­lio­nen lag die Au­gust-Ar­beits­lo­sig­keit in Deutsch­land so tief wie zu­letzt im Jahr 1991, wie aus den am Don­ners­tag ver­öf­fent­lich­ten Da­ten der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) her­vor­geht.

We­gen der Som­mer­flau­te und der spä­ten Som­mer­fe­ri­en in die­sem Jahr stieg die Zahl der Job­su­cher zwar um 30 000 an; im Ver­gleich zum Vor­jahr wa­ren es aber 44 000 we­ni­ger.

Die Ar­beits­lo­sen­quo­te leg­te von Ju­li auf Au­gust um 0,1 Punk­te auf 6,7 Pro­zent zu.

Oh­ne die wäh­rend der Som­mer­flau­te oft sehr aus­ge­präg­ten Sai­son­ef­fek­te wä­re die Ar­beits­lo­sig­keit im Au­gust hin­ge­gen kaum ge­wach­sen. Die um jah­res­zeit­li­che Ef­fek­te be­rei­nig­te Er­werbs­lo­sen­zahl lag mit 2,901 Mil­lio­nen le­dig­lich um 2000 über dem Ju­li-Ni­veau.

Bun­des­agen­tur-Chef Frank-Jür­gen Wei­se kom­men­tier­te die ak­tu­el­le La­ge mit den Wor­ten: "Die Wirt­schaft ent­wi­ckelt sich zur Zeit et­was schwä­cher, die Er­war­tungs­in­di­ka­to­ren sind eher et­was ver­hal­ten. Da­von zei­gen sich aber auf dem Ar­beits­markt noch kei­ne Spu­ren." Der­zeit ge­be es auch noch kei­ne Hin­wei­se für ei­ne Ab­schwä­chung des Ar­beits­mark­tes ge­gen Jah­res­en­de, mit de­nen Volks­wir­te rech­nen. "Aus un­se­rer Sicht sind vor­erst kei­ne Ver­än­de­run­gen zu er­war­ten", be­ton­te hin­ge­gen Wei­se.

Auch die ge­gen Russ­land ver­häng­ten Wirt­schafts­sank­tio­nen be­las­te­ten die deut­sche Wirt­schaft bis­lang nicht son­der­lich. Stär­ker wir­ke sich eher die schwa­che wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung in Russ­land selbst so­wie in ei­ni­gen EU-Län­dern aus, die von Russ­land-Ex­por­ten stär­ker ab­hän­gig sei­en.

Für die­sen Herbst rech­net der Bun­des­agen­tur-Chef da­her mit dem üb­li­chen sai­son­be­ding­ten Rück­gang der Er­werbs­lo­sig­keit zwi­schen 120 000 und 200 000. Für das Ge­samt­jahr hält die Bun­des­agen­tur un­ver­än­dert an ih­rer Pro­gno­se von durch­schnitt­lich 2,9 Mil­lio­nen Job­su­chern fest.

Für Ir­ri­ta­tio­nen sorg­te die Be­hör­de un­ter­des­sen mit ei­ner Re­vi­si­on ih­rer Be­schäf­tig­ten­sta­tis­tik, die sie un­ter an­de­rem mit dem Be­mü­hen um mehr Trans­pa­renz be­grün­de­te. Die neu ge­fass­te Sta­tis­tik, mit der die Zahl der Be­schäf­tig­ten um 350 000 hö­her aus­fällt als bis­he­rig, be­sei­ti­ge "Wi­der­sprü­che in der bis­he­ri­gen Ab­gren­zung". An­ders als bis­lang wer­den künf­tig auch Men­schen in Be­hin­der­ten­werk­stät­ten, Teil­neh­mer im Rah­men des so­ge­nann­ten frei­wil­li­gen so­zia­len Jahrs, Bun­des­frei­wil­li­ge (Buf­dis) und Ne­ben­er­werbs-Land­wir­te er­fasst.

Auf Kri­tik stieß die Sta­tis­tik-Re­vi­si­on beim Deut­schen Ge­werk­schafts­bund (DGB). "Im all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch wird der Be­griff "so­zi­al­ver­si­cher­ter Be­schäf­tig­ter" meist mit Ar­beit­neh­mern gleich­ge­setzt, die ge­gen Lohn und Ge­halt be­schäf­tigt und auf dem re­gu­lä­ren Ar­beits­markt tä­tig sind. Nun­mehr wird die so­zi­al­ver­si­cher­te Be­schäf­ti­gung auch um Per­so­nen er­wei­tert, die nicht er­werbs­fä­hig sind und kein Markt­ein­kom­men er­zie­len", kri­ti­sier­te der DGB-Ar­beits­markt­ex­per­te Wil­helm Ada­my, der auch Mit­glied im BA-Ver­wal­tungs­rat ist. Dies "ver­zerrt schnell die In­ter­pre­ta­ti­on der Ge­samt­heit der so­zi­al­ver­si­chert Be­schäf­tig­ten", warn­te er.

Die im Au­gust in Kraft ge­tre­te­ne Re­vi­si­on re­la­ti­viert da­mit zu­gleich den neu­en Re­kord­wert bei der so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Be­schäf­tig­ten. Oh­ne die Re­vi­si­on hät­te der jüngs­te Wert vom Ju­ni nicht - wie of­fi­zi­ell an­ge­ge­ben - bei 30,17 Mil­lio­nen ge­le­gen, son­dern le­dig­lich bei rund 29,8 Mil­lio­nen.

Un­ge­ach­tet des­sen ent­ste­hen in Deutsch­land wei­ter­hin neue Ar­beits­plät­ze - für Wei­se wei­ter­hin ein deut­li­cher Hin­weis auf die "po­si­ti­ve Grund­ten­denz am Ar­beits­markt". Da­nach gab es nach den jüngs­ten Da­ten vom Ju­li 341 000 Er­werbs­tä­ti­ge mehr als vor ei­nem Jahr. Die Zahl der so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Be­schäf­tig­ten nahm bin­nen Jah­res­frist so­gar um 549 000 zu (Ju­ni-Zah­len).

Auf dem Aus­bil­dungs­markt zeich­net sich der­weil ein Man­gel an Aus­bil­dungs­stel­len ab. Bis zum Au­gust hat­ten sich 540 000 Be­wer­ber bei den Ar­beits­agen­tu­ren ge­mel­det; ih­nen stan­den 495 000 ge­mel­de­te Plät­ze ge­gen­über.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 1. Januar 2015

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de