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19/133a Kon­zer­tier­te Ak­ti­on Pfle­ge zeigt Er­geb­nis­se

Mo­na­te­lang be­riet die Re­gie­rung über Ide­en ge­gen die Per­so­nal­not in der Pfle­ge. Jetzt liegt ein ers­tes Maß­nah­men­pa­ket vor
Altenpfleger, Pflegeberuf, Mann in Frauenberuf

05.06.2019. (dpa/fle) - Hö­he­re Löh­ne, we­ni­ger Be­las­tun­gen, mehr Azu­bis: Um drin­gend be­nö­tig­te Fach­kräf­te für die Pfle­ge zu ge­win­nen, sol­len die Ar­beits­be­din­gun­gen nach Plä­nen der Bun­des­re­gie­rung auf brei­ter Front ver­bes­sert wer­den.

Ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil, Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Fran­zis­ka Gif­fey (bei­de SPD) und Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) stell­ten am Diens­tag ein Maß­nah­men­pa­ket vor, das mit zahl­rei­chen Bran­chen­ak­teu­ren ver­ein­bart wur­de.

Of­fen sind al­ler­dings teils noch die kon­kre­te Um­set­zung und die Fi­nan­zie­rung wei­ter stei­gen­der Kos­ten. Für An­ge­hö­ri­ge von Pfle­ge­be­dürf­ti­gen sol­len Ent­las­tun­gen kom­men.

Spahn sag­te, die Pfle­ge müs­se wie­der at­trak­ti­ver wer­den, und dies ge­he nur mit mehr Per­so­nal. "Das ent­las­tet nicht nur die ein­zel­ne Pfle­ge­kraft, son­dern lässt auch mehr Zeit für die Be­treu­ung der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen." Gif­fey er­läu­ter­te, an­ge­sichts von 3,5 Mil­lio­nen zu Pfle­gen­den ha­be fast je­der ei­nen Be­zug da­zu. Heil be­ton­te, ge­ra­de in "po­li­tisch hei­ßen Zei­ten" er­war­te­ten vie­le von der Po­li­tik, Lö­sun­gen für gro­ße The­men wie Di­gi­ta­li­sie­rung und Kli­ma­wan­del zu lie­fern - und die Ge­ne­ra­tio­nen­fra­ge der Pfle­ge ge­hö­re eben auch da­zu.

Die Re­gie­rung star­te­te da­für vor knapp ei­nem Jahr ei­ne "Kon­zer­tier­te Ak­ti­on Pfle­ge". Dar­an be­tei­lig­ten sich Ar­beit­ge­ber, Ge­werk­schaf­ten, Wohl­fahrts­ver­bän­de, Kir­chen, Kran­ken­kas­sen und Be­trof­fe­nen­ver­tre­ter. In der Al­ten- und Kran­ken­pfle­ge ar­bei­ten rund 1,6 Mil­lio­nen Men­schen, fast 40.000 Stel­len sind aber un­be­setzt - und der Be­darf wächst.

Die Vor­schlä­ge sol­len nun um­ge­setzt wer­den, ver­spra­chen die drei Mi­nis­ter - es gibt aber Wi­der­stän­de und Fra­ge­zei­chen.

Zen­tra­ler Punkt ist, zu spür­bar hö­he­ren Löh­nen in der Al­ten­pfle­ge zu kom­men. Al­lein ga­ran­tie­ren kann die Re­gie­rung das aber nicht. Heil bringt nun ein Ge­setz auf den Weg, das zum 01.01.2020 in Kraft tre­ten soll. Es soll zwei We­ge zum Ziel er­öff­nen. Der ers­te sieht vor, dass Ar­beit­ge­ber-Ver­bän­de und die Ge­werk­schaft Ver­di ei­nen Ta­rif­ver­trag aus­han­deln sol­len. Der Bund wür­de die­sen dann - un­ter er­leich­ter­ten Be­din­gun­gen - ver­bind­lich für die gan­ze Bran­che ma­chen. Vor al­lem von pri­va­ten Pfle­ge­heim­be­trei­bern gibt es aber hart­nä­cki­gen Wi­der­stand ge­gen "staat­lich ver­ein­heit­lich­te Löh­ne von Flens­burg bis Pas­sau", wie Rai­ner Brü­der­le vom Ar­beit­ge­ber­ver­band bpa for­mu­lier­te.

Für den Fall, dass ein Ta­rif­ver­trag nicht zu­stan­de kommt, soll gleich ein zwei­ter Weg ge­eb­net wer­den. Dem­nach soll ei­ne Kom­mis­si­on bis Mai 2020 Vor­schlä­ge für hö­he­re Pfle­ge-Min­dest­löh­ne ma­chen - aber nicht nur wie bis­her für Hilfs­kräf­te, son­dern auch für Fach­kräf­te, und auf künf­tig glei­chem Ni­veau in Ost und West. "Wir set­zen auf Weg eins", be­ton­te Heil. Es müs­se aber je­der wis­sen, dass es im Zwei­fel die­sen zwei­ten Weg ge­be. Doch was be­deu­tet "bes­se­re Be­zah­lung"? Spahn mach­te deut­lich, dass Al­ten­pfle­ge­kräf­te auf 2.600, 2.700 EUR im Mo­nat kom­men soll­ten. Und das wä­re für vie­le schon ei­ne ziem­li­che Lohn­er­hö­hung.

Kon­kre­te An­sa­gen zur Fi­nan­zie­rung mach­ten die Mi­nis­ter vor­erst nicht. Klar ist aber, dass er­heb­li­che Mehr­kos­ten kom­men. Je nach den fest­zu­le­gen­den Stei­ge­run­gen könn­ten es zwei bis fünf Mil­li­ar­den EUR ex­tra pro Jahr sein, er­läu­ter­te Spahn mit Be­zug auf ein Gut­ach­ten. Wenn die Zah­len auf dem Tisch lie­gen, sei über ei­nen "fai­ren Aus­gleich" zu re­den. Mög­lich wä­ren et­wa hö­he­re Pfle­ge­bei­trä­ge oder ein Staats­zu­schuss wie bei der Ren­te. Bei den Ei­gen­an­tei­len, die für die ei­gent­li­che Pfle­ge und wei­te­re Ne­ben­kos­ten im Heim fäl­lig wer­den, will die gro­ße Ko­ali­ti­on "über­mä­ßi­ge Be­las­tun­gen" ver­mei­den.

In ei­nem Punkt will Heil da­bei schon jetzt kon­kret wer­den und ein Ge­setz auf den Weg brin­gen. Für Ei­gen­an­tei­le müss­ten vie­le An­ge­hö­ri­ge So­zi­al­hil­fe bei der Kom­mu­ne be­an­tra­gen, er­läu­ter­te er. Hier­bei wer­de dann aber auch auf Geld na­her Ver­wand­ter, in der Re­gel der Kin­der, zu­rück­ge­grif­fen. Künf­tig sol­le da­für ge­sorgt wer­den, dass es dies bei Ein­kom­men un­ter 100.000 EUR im Jahr nicht mehr gibt. Lü­cken wä­ren al­so mit Steu­er­geld zu fül­len, zu­stim­men müs­sen auch die Län­der. Die Stif­tung Pa­ti­en­ten­schutz sieht Spahn, Heil und Gif­fey ge­for­dert. "Sie müs­sen end­lich ei­nen kon­kre­ten Plan vor­le­gen, wie die Pfle­ge der Zu­kunft aus­sieht und fi­nan­ziert wird", sag­te Vor­stand Eu­gen Brysch.

Auch die Aus­bil­dung soll at­trak­ti­ver wer­den. Ab 2020 sol­len Azu­bis bun­des­weit kein Schul­geld mehr zah­len müs­sen, son­dern Ver­gü­tun­gen be­kom­men - et­wa 1.000 EUR im Mo­nat, wie Gif­fey er­klär­te. Bis 2023 soll die Zahl der Azu­bis und aus­bil­den­den Ein­rich­tun­gen im Bun­des­schnitt um zehn Pro­zent im Ver­gleich zu die­sem Jahr zu­le­gen. Kräf­te aus dem Aus­land sol­len schon in den Her­kunfts­län­dern bei der Fach- und Sprach­aus­bil­dung un­ter­stützt wer­den. Für Ver­mitt­ler von Pfle­ge­kräf­ten aus dem Aus­land soll ein Gü­te­sie­gel ent­wi­ckelt wer­den.

"Die Be­schäf­tig­ten müs­sen sich dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass sich ih­re Si­tua­ti­on Zug um Zug bes­sert", sag­te Ver­di-Vor­stand Syl­via Büh­ler. "Es muss Schluss sein mit der stän­di­gen Über­las­tung." Um bes­se­re Be­din­gun­gen auch mit ver­läss­li­che­ren Dienst­plä­nen zu er­rei­chen, sol­len ver­bind­li­che Per­so­nal­schlüs­sel um­ge­setzt wer­den - al­so Vor­ga­ben, wie vie­le Pfle­ge­kräf­te für wie vie­le Pfle­ge­be­dürf­ti­ge vor­ge­se­hen sind. Fach­kräf­te sol­len auch mehr Ver­ant­wor­tung über­neh­men kön­nen. Da­für sol­len Stan­dards et­wa zur stär­ke­ren Zu­sam­men­ar­beit mit Ärz­ten er­ar­bei­tet wer­den. Pfle­ge­kräf­te sol­len zu­dem mit di­gi­ta­ler Tech­nik von Bü­ro­kra­tie ent­las­tet wer­den.

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Letzte Überarbeitung: 8. Juli 2019

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