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Ge­plan­te Kran­ken­kas­sen-Re­form bringt Bund Mil­li­ar­den­ent­las­tung

Zu­nächst sol­len die Kran­ken­ver­si­cher­ten we­ni­ger zah­len müs­sen - doch spä­ter dürf­ten die Bei­trä­ge nach oben ge­hen: Das sieht die schwarz-ro­te Ge­sund­heits­re­form vor. Nicht nur bei der Op­po­si­ti­on regt sich Wi­der­stand
Chipkarten von Krankenversicherungen Wie sieht der Ent­wurf aus?

14.02.2014. (dpa) - Mit der ge­plan­ten Fi­nanz­re­form für die ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung dürf­te der Bund bis 2018 fast fünf Mil­li­ar­den Eu­ro ein­spa­ren.

Bei­trags­zah­ler sol­len zu­nächst ent­las­tet wer­den.

Spä­ter müs­sen sie wohl mehr zah­len - ei­ne Be­gren­zung er­war­te­ter Mehr­be­las­tun­gen ist nicht vor­ge­se­hen. Das geht aus dem Re­fe­ren­ten­ent­wurf des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums her­vor, der der Nach­rich­ten­agen­tur dpa am Don­ners­tag in Ber­lin vor­lag.

Die Ent­las­tun­gen des Bun­des kom­men zu­stan­de, weil bis­her vor­ge­se­he­ne pau­scha­le Zu­satz­bei­trä­ge ent­fal­len sol­len. Hier­für ist bis­lang ein So­zi­al­aus­gleich aus Steu­er­mit­teln vor­ge­se­hen. Da die­ser weg­fällt, spart der Bund ab 2015 jähr­lich stei­gen­de Be­trä­ge - bis zu 2,1 Mil­li­ar­den Eu­ro im Jahr 2018. Zu­dem wer­den Ent­las­tun­gen für die Kran­ken­ver­si­che­rung von Ar­beits­lo­sen­geld-II-Be­zie­hern er­war­tet.

Im Kern der Re­form steht die ge­plan­te Sen­kung des Bei­trags­sat­zes von 15,5 auf 14,6 Pro­zent. Denn der al­lei­ne von den Kas­sen­mit­glie­dern ge­tra­ge­ne An­teil von 0,9 Punk­ten soll ent­fal­len. Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer sol­len künf­tig je­weils die Hälf­te - 7,3 Pro­zent - tra­gen.

So­mit ent­steht dem Ent­wurf zu­fol­ge ei­ne Lü­cke von rund 11 Mil­li­ar­den Eu­ro. Zur De­ckung der Lü­cke sol­len die Kas­sen vom Ein­kom­men ab­hän­gi­ge, pro­zen­tua­le Zu­satz­bei­trä­ge von ih­ren Mit­glie­dern neh­men kön­nen. Un­term Strich kommt es laut Ent­wurf 2015 zu­nächst zu Ent­las­tun­gen vie­ler Bei­trags­zah­ler.

Ex­per­ten er­war­ten we­gen stei­gen­der Kas­sen­aus­ga­ben aber Zu­satz­bei­trä­ge von min­des­tens 1,5 Pro­zent des Ein­kom­mens in we­ni­gen Jah­ren. Die Kas­sen­mit­glie­der müs­sen die­se den bis­he­ri­gen Plä­nen zu­fol­ge al­lei­ne tra­gen. For­de­run­gen aus der SPD, die­se Mehr­be­las­tun­gen zu be­gren­zen, sind in dem Ent­wurf nicht auf­ge­nom­men.

Die so­zia­le Schief­la­ge des Ge­sund­heits­sys­tems wer­de so­mit wei­ter ver­schärft, sag­te der ge­sund­heits­po­li­ti­sche Spre­cher der Links­frak­ti­on, Ha­rald Wein­berg. "Mög­lich ge­macht hat dies die SPD, die bei den Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen im ver­gan­ge­nen Jahr an die­ser Stel­le ein­ge­knickt ist." Sei­ne Grü­nen-Kol­le­gin Ma­ria Klein-Schme­ink mo­nier­te: "Die Ver­si­cher­ten zah­len die Ze­che." Oh­ne Be­gren­zung nach oben wür­den die Ex­tra­bei­trä­ge auch für nied­ri­ge Ein­kom­men schnell ei­ne emp­find­li­che Hö­he er­rei­chen.

Der Vor­sit­zen­de der So­zi­al­mi­nis­ter­kon­fe­renz, der rhein­land-pfäl­zi­sche Ar­beits- und Ge­sund­heits­mi­nis­ter Alex­an­der Schweit­zer (SPD), warn­te: "Das Vor­ha­ben, den An­stieg der So­zi­al­ab­ga­ben oh­ne Be­gren­zung al­lein den Be­schäf­tig­ten zu­zu­mu­ten, ist un­so­zi­al, un­ge­recht und lie­fe den Ber­li­ner Ge­spräch­s­er­geb­nis­sen zu­wi­der."

Die Kran­ken­kas­sen be­grüß­ten die Re­form­plä­ne. "Mit dem vor­lie­gen­den Ent­wurf ist das En­de der Zu­satz­bei­trags­er­he­bungs­bü­ro­kra­tie ein­ge­läu­tet und die Kran­ken­kas­sen be­kom­men die Bei­trags­au­to­no­mie zu­rück", sag­te ihr Ver­bands­spre­cher Flo­ri­an Lanz.

Auch die Grün­dung des ge­plan­ten In­sti­tuts für Qua­li­täts­si­che­rung wird mit dem Ent­wurf auf den Weg ge­bracht. Die Qua­li­tät der me­di­zi­ni­schen Ver­sor­gung soll ge­mes­sen wer­den. Im In­ter­net soll es Über­sich­ten ge­ben, wel­che Kran­ken­häu­ser in be­stimm­ten Be­rei­chen bes­ser und schlech­ter ab­schnei­den. Das neue In­sti­tut soll die Kran­ken­ver­si­che­rung jähr­lich bis zu 14 Mil­lio­nen Eu­ro kos­ten. Der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Deut­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft, Ge­org Baum, sag­te: "Mit dem In­sti­tut soll­ten vor al­lem die von den Kran­ken­kas­sen er­stell­ten un­zu­läng­li­chen Kran­ken­haus­ver­glei­che ad ab­sur­dum ge­führt wer­den."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 18. September 2015

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