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Trotz Kri­sen­sor­gen - Ar­beits­lo­sig­keit im Ju­li auf Re­kord­tief

Die Si­tua­ti­on scheint fast ein biss­chen gro­tesk: Wäh­rend die in­ter­na­tio­na­len Kri­sen im­mer mehr Un­ter­neh­men ver­un­si­chern, legt die Bun­des­agen­tur für Ar­beit über­ra­schend gu­te Zah­len vor. Trotz­dem: Mit ei­nem Job­auf­schwung rech­net die Be­hör­de in die­sem Jahr nicht mehr
Mann in Geldbörse Wie wirkt sich die Kri­se auf den Ar­beits­markt aus?

01.08.2014. (dpa) - Trotz Som­mer­flau­te und wach­sen­der Sor­gen über den sich zu­spit­zen­den Ukrai­ne-Kon­flikt gab es im Ju­li so we­nig Ar­beits­lo­se wie zu­letzt An­fang der 1990er Jah­re.

Zum Be­ginn der Som­mer­pau­se wa­ren in Deutsch­land 2,871 Mil­lio­nen Män­ner und Frau­en oh­ne Ar­beit.

Das wa­ren zwar sai­son­be­dingt 39 000 mehr als im Ju­ni, aber 43 000 we­ni­ger als vor ei­nem Jahr, be­rich­te­te die Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) am Don­ners­tag in Nürn­berg.

Die Ar­beits­lo­sen­quo­te stieg im Ju­li um 0,1 Punk­te auf 6,6 Pro­zent. Oh­ne die im Ju­li meist stär­ker aus­ge­präg­ten Sai­son­ef­fek­te wä­re die Ar­beits­lo­sen­zahl um 12 000 ge­sun­ken.

BA-Chef Frank-Jür­gen Wei­se zeig­te sich zu­frie­den: "Der Ar­beits­markt ist ins­ge­samt sta­bil." Für den leich­ten An­stieg im Ju­li mach­te er al­lein jah­res­zeit­li­che Grün­de ver­ant­wort­lich. Zum ei­nen ver­schö­ben vie­le Un­ter­neh­men in den Fe­ri­en­mo­na­ten ih­re Ein­stel­lun­gen auf den Herbst. Zum an­de­ren mel­de­ten sich deut­lich mehr Ju­gend­li­che als sonst nach ab­ge­schlos­se­ner Schul- oder Be­rufs­aus­bil­dung vor­über­ge­hend ar­beits­los. "Im Herbst geht die Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit wie­der deut­lich zu­rück."

Für das zwei­te Halb­jahr er­war­tet Wei­se kei­ne Ver­bes­se­rung auf dem Ar­beits­markt, "aber auch kei­ne Ver­schlech­te­rung". Dar­an dürf­te nach sei­ner Ein­schät­zung auch der sich zu­spit­zen­de Kon­flikt zwi­schen dem Wes­ten und Russ­land im Zu­ge der Ukrai­ne-Kri­se nichts än­dern. Er wis­se durch­aus, dass die­se Kri­se vor al­lem ex­port­ori­en­tier­te Un­ter­neh­men ver­un­si­che­re, sag­te Wei­se - et­wa den Ma­schi­nen­bau, in­zwi­schen aber auch kon­sum­ori­en­tier­te Bran­chen. "Aber dass sich das schon auf dem Ar­beits­markt aus­wirkt, se­he ich nicht."

Schließ­lich ge­be es auch noch "ge­gen­läu­fi­ge Be­we­gun­gen", die die Fol­gen der in­ter­na­tio­na­len Kri­sen "aus­ba­lan­cier­ten". So gab es im Ju­li fast ei­ne hal­be Mil­li­on freie Stel­len. Vie­le Un­ter­neh­men such­ten wei­ter Fach­kräf­te.

Wie ge­ring die Aus­wir­kun­gen auf den Ar­beits­markt der­zeit sind, lässt sich nach Wei­ses Über­zeu­gung auch an der Zahl der Kurz­ar­bei­ter ab­le­sen. Denn Kurz­ar­beit sei meist das ers­te In­stru­ment, das Un­ter­neh­men nutz­ten, wenn schwa­che Ex­por­te zu ei­ner plötz­li­chen Auf­trags­flau­te führ­ten. "Und die Kurz­ar­beit liegt wei­ter auf sehr nied­ri­gen Ni­veau", be­ton­te der Chef der Bun­des­be­hör­de. Zu­gleich warn­te er vor sei­ner An­sicht nach un­be­grün­de­ten Kri­sen­sze­na­ri­os: "Wir müs­sen uns da­vor hü­ten, Ef­fek­te, die uns (im Zu­sam­men­hang mit den in­ter­na­tio­na­len Kri­sen) emo­tio­nal be­trof­fen ma­chen, da rein­zu­rech­nen."

"Sta­bil und in gu­ter Form" sieht auch Ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) den Ar­beits­markt. Er­freut zeig­te sie sich vor al­lem über die po­si­ti­ve Ent­wick­lung bei der so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Be­schäf­ti­gung: Im Mai gab es nach ei­ner BA-Hoch­rech­nung mit 29,72 Mil­lio­nen rund 442 000 mehr Ar­beits­plät­ze als vor ei­nem Jahr. Die Zahl der Er­werbs­tä­ti­gen wuchs im Jah­res­ver­gleich zu­letzt im Ju­ni um 377 000 auf 42,24 Mil­lio­nen.

Für "nicht so sta­bil, wie die ak­tu­el­len Ar­beits­lo­sen­zah­len ver­mu­ten las­sen" hält hin­ge­gen der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) die La­ge. In meh­re­ren In­dus­trie-Sek­to­ren wer­de in­zwi­schen über Ent­las­sun­gen ver­han­delt, sag­te DGB-Vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach in Ber­lin. Wich­tig sei jetzt, dass in die­ser Si­tua­ti­on das Fach­kräf­te­po­ten­zi­al er­hal­ten blei­be und die Be­schäf­tig­ten nicht in un­ter­qua­li­fi­zier­te oder gar pre­kä­re Ar­beit ge­drängt wür­den.

Un­zu­frie­den äu­ßer­ten sich auch Lin­ke und Grü­ne im Bun­des­tag. Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­agen­tur dürf­ten sich nicht mit ei­ner sta­bi­len Ar­beits­markt­la­ge zu­frie­den­ge­ben, er­klär­te der Bun­des­ge­schäfts­füh­rer der Links­par­tei, Mat­thi­as Höhn. "Sta­bil - un­ver­än­dert fest und un­ver­än­dert hoch - ist auch die Zahl der Lang­zeit­ar­beits­lo­sen", kri­ti­sier­te er in ei­ner Mit­tei­lung. Mehr Fort­bil­dungs­maß­nah­men für Lang­zeit­ar­beits­lo­se und äl­te­re Job­su­cher for­dert auch die Grü­nen-Po­li­ti­ke­rin Bri­git­te Poth­mer. Denn bei­de Grup­pen lie­fen Ge­fahr, "dau­er­haft vom Ar­beits­markt ab­ge­hängt zu wer­den".

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Letzte Überarbeitung: 1. Januar 2015

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