HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 14/159

Le­ben oh­ne Voll­zeit­stel­le: Un­si­che­re Jobs neh­men im Süd­wes­ten zu

Je­der vier­te Ar­beit­neh­mer im Süd­wes­ten kann von ei­ner un­be­fris­te­ten Voll­zeit­stel­le nur träu­men: Ei­ner Stu­die zu­fol­ge ha­ben in­sta­bi­le Ar­beits­ver­hält­nis­se im Land deut­lich zu­ge­nom­men. Die Ar­beit­ge­ber se­hen das we­sent­lich we­ni­ger pro­ble­ma­tisch
Private Putzfrau War­um sind Voll­zeit­stel­len im Süd­wes­ten rück­läu­fig?

03.05.2014. (dpa) - Mi­ni­jobs, Leih­ar­beit oder lau­fend neue Be­fris­tun­gen: Im­mer mehr Men­schen im Süd­wes­ten ha­ben un­si­che­re Ar­beits­ver­hält­nis­se.

Zu die­sem Er­geb­nis kommt ei­ne Stu­die des Tü­bin­ger In­sti­tuts für an­ge­wand­te Wirt­schafts­for­schung (IAW), die So­zi­al­mi­nis­te­rin Kat­rin Alt­pe­ter (SPD) am Frei­tag in Stutt­gart vor­stell­te.

Dem­nach hat der An­teil so­ge­nann­ter aty­pi­scher Be­schäf­ti­gungs­for­men zwi­schen 2000 und 2012 deut­lich zu­ge­nom­men.

Da­zu zäh­len Ar­beits­ver­hält­nis­se, die von den üb­li­chen Stan­dards - so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig, un­be­fris­tet oder Voll­zeit - ab­wei­chen.

Der An­teil von be­fris­tet Be­schäf­tig­ten und Teil­zeit­job­bern wuchs in dem Zeit­raum bei­spiels­wei­se um mehr als die Hälf­te. Ins­ge­samt ar­bei­tet nach Zah­len des Sta­tis­ti­schen Lan­des­am­tes im Süd­wes­ten mehr als je­der vier­te Be­schäf­tig­te in aty­pi­schen Ar­beits­ver­hält­nis­sen.

"Aty­pi­sche Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se brin­gen hö­he­re Ar­muts­ri­si­ken mit sich", sag­te Alt­pe­ter. "Sie sind deut­lich häu­fi­ger als Nor­mal­ar­beits­ver­hält­nis­se mit nied­ri­ger Be­zah­lung, in­sta­bi­len Be­schäf­ti­gungs­ver­läu­fen, Per­spek­tiv­lo­sig­keit, schlech­ten Ar­beits­be­din­gun­gen und wie­der­keh­ren­der Ar­beits­lo­sig­keit ver­bun­den."

Nach jüngs­ten Zah­len aus dem Jahr 2012 ar­bei­te­ten vor al­lem Frau­en in Teil­zeit - nur 12 Pro­zent der Män­ner hat­ten solch ei­nen Ver­trag. "Na­tür­lich ist die Teil­zeit in man­chen Fäl­len auch von den Frau­en ge­wünscht", sag­te IAW-Ge­schäfts­füh­rer Bern­hard Boock­mann. "Ich wür­de aber sa­gen, dass die Wün­sche ein Stück weit vom ge­sell­schaft­li­chen Um­feld ab­hän­gig sind." Wenn es mehr Mög­lich­kei­ten zur Kin­der­be­treu­ung gä­be, wür­den mög­li­cher­wei­se auch mehr Frau­en in Voll­zeit ar­bei­ten wol­len.

Ge­ring­fü­gig, be­fris­tet oder in Teil­zeit Be­schäf­tig­te sind Boock­mann zu­fol­ge vor al­lem im Dienst­leis­tungs­be­reich zu fin­den - eben­so wie freie Mit­ar­bei­ter. Leih­ar­bei­ter wür­den hin­ge­gen häu­fig in der Me­tall- und Che­mie­in­dus­trie ein­ge­setzt.

Mi­nis­te­rin Alt­pe­ter kün­dig­te an, sol­che aty­pi­schen Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se künf­tig wei­ter zu­rück­drän­gen zu wol­len. Nö­tig sind ihr zu­fol­ge et­wa ein ge­setz­li­cher Min­dest­lohn und auch bes­se­re Mög­lich­kei­ten zur Kin­der­be­treu­ung. "Ich kann nicht er­war­ten, dass je­mand Voll­zeit ar­bei­tet, wenn ich die in­fra­struk­tu­rel­len Vor­aus­set­zun­gen nicht zur Ver­fü­gung ha­be", sag­te Alt­pe­ter. Wich­tig sei in dem Zu­sam­men­hang et­wa der Aus­bau der Ganz­tags­schu­len.

Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) warn­te je­doch, Min­dest­löh­ne reich­ten nicht aus, um Nied­rig­lohn­ar­beit ein­zu­däm­men. Ba­den-Würt­tem­berg müs­se sich auch auf Bun­des­ebe­ne da­für ein­set­zen, dass Leih­ar­beit oder Werk­ver­trä­ge ge­setz­lich zu­rück­ge­drängt wür­den.

Die Ar­beit­ge­ber im Land se­hen hin­ge­gen we­nig Hand­lungs­be­darf. Ei­ner­seits wür­den ge­setz­lich im­mer hö­he­re An­sprü­che an die Fle­xi­bi­li­tät der Un­ter­neh­men ge­stellt - al­so aty­pi­sche Be­schäf­ti­gung ge­för­dert, kri­ti­sier­te der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Ar­beit­ge­ber Ba­den-Würt­tem­berg, Peer-Mi­cha­el Dick. An­de­rer­seits wür­den na­he­zu al­le fle­xi­blen Per­so­nal­in­stru­men­te ver­teu­felt.

Aty­pi­sche Be­schäf­ti­gungs­for­men hät­ten nor­ma­le Ar­beits­ver­hält­nis­se zu­dem nicht ver­drängt, be­ton­te Dick. "Viel­mehr wur­den zu­sätz­li­che Jobs ge­schaf­fen, die Ar­beits­lo­sig­keit wur­de deut­lich ab­ge­baut."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 9. Juli 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de