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Lohn­dum­ping-Vor­wür­fe ge­gen Stadt Ful­da we­gen Leih­ar­beits­fir­ma

Die Stadt Ful­da hat als ei­ne der we­ni­gen in Hes­sen ei­ne ei­ge­ne Leih­ar­beits­fir­ma: So kann die Ver­wal­tung fle­xi­bel und vor al­lem güns­tig Ar­beits­kräf­te ab­ru­fen. Aber der Wi­der­stand wächst
Wanduhr Die Stadt Ful­da hat ei­ne ei­ge­ne Leih­ar­beits­fir­ma

13.04.2013. (dpa) - Die Stadt Ful­da sieht sich Lohn­dum­ping-Vor­wür­fen aus­ge­setzt.

Über ei­ne kom­mu­na­le Leih­ar­beits­fir­ma be­schäf­tigt die Ver­wal­tung et­li­che Mit­ar­bei­ter, die we­ni­ger Geld be­kom­men als die nach Ta­rif be­zahl­ten Fest­an­ge­stell­ten.

Die Grü­nen-Stadt­frak­ti­on ver­ur­teil­te dies am Don­ners­tag­abend bei ei­ner Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung in Ful­da. Es sei ein frag­wür­di­ges Mit­tel, um dau­er­haft Per­so­nal­kos­ten zu spa­ren.

Da­bei ist Leih­ar­beit nur für vor­über­ge­hen­de Ar­beits­spit­zen ge­dacht. Die Ge­werk­schaft Ver­di und der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund be­ob­ach­ten die Ent­wick­lung mit Sor­ge.

Die Stadt Ful­da ver­tei­digt ih­re Per­so­nal­po­li­tik. Ober­bür­ger­meis­ter Ger­hard Möl­ler (CDU) sag­te der Nach­rich­ten­agen­tur dpa, man hal­te sich an die ge­setz­li­chen Vor­ga­ben.

Uwe Tisch­ler, An­ge­stell­ter der pro­Com­mu­ni­tas, mach­te den Um­gang der Ful­da­er Ver­wal­tung mit Zeit­ar­beit öf­fent­lich. Er ar­bei­tet seit mehr als vier Jah­ren als Haus­meis­ter an ei­ner Grund­schu­le in Ful­da.

Nach ei­ge­ner Aus­sa­ge be­kommt er 25 Pro­zent we­ni­ger Lohn als sei­ne fest­an­ge­stell­ten Kol­le­gen. Ins­ge­samt be­schäf­tigt die kom­mu­na­le Leih­ar­beits­fir­ma 300 Mit­ar­bei­ter, die für die Stadt ar­bei­ten. Zum Bei­spiel als Auf­sichts­per­so­nal in Mu­se­en, aber auch als Be­treu­ungs­kräf­te in Schu­len und Kin­der­ta­ges­stät­ten.

Je nach Art und Dau­er der Be­schäf­ti­gung er­hal­ten die Leih­ar­bei­ter fünf bis 15 Pro­zent we­ni­ger Ge­halt, wie Ver­wal­tungs­chef Möl­ler mit­teil­te. Die Stadt spa­re durch das Be­schäf­ti­gungs­mo­dell über die ei­ge­ne Leih­ar­beits­fir­ma jähr­lich 500 000 Eu­ro.

Noch sei das Ful­da­er Mo­dell in Hes­sen zwar ei­ne Aus­nah­me, sag­te die ost­hes­si­sche Ver­di-Ge­werk­schafts­se­kre­tä­rin Da­nie­la Sutt­ner. Sie be­fürch­te aber, dass wei­te­re Stel­len in der Stamm­be­leg­schaft ab­ge­baut und da­für mehr Zeit­ar­bei­ter ein­ge­stellt wer­den könn­ten. Die öf­fent­li­che Hand sol­le kei­ne Zeit­ar­beit in An­spruch neh­men, weil es kei­ne klas­si­schen Auf­trags­spit­zen ge­be - wie et­wa in der In­dus­trie.

Mög­lich macht Zeit­ar­beit als Dau­er-Job das Wort "vor­über­ge­hend" im Ge­set­zes­text. Aber wie lan­ge vor­über­ge­hend sein kann, ist of­fen­bar frei in­ter­pre­tier­bar. "Ei­ne höchst­rich­ter­li­che Ent­schei­dung zur Aus­le­gung liegt noch nicht vor", sag­te Möl­ler.

Die Stadt Ful­da bie­tet Zeit­ar­bei­tern, die vier Jah­re da­bei sind, aber ei­nen fes­ten Job an. Die Fir­ma gibt es schon seit Mai 2003, sie soll fle­xi­bel Mi­ni-Jobs und Aus­hil­fen ver­mit­teln, et­wa als Auf­bau­hel­fer bei Stadt­fes­ten.

Der DGB be­klagt den An­stieg von Leih­ar­beit in Deutsch­land. In den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren ha­be sich die Zahl der Zeit­ar­bei­ter ver­drei­facht. Und der Druck auf die auf Ab­ruf Be­schäf­tig­ten und ge­rin­ger Be­zahl­ten wach­se ste­tig. Ei­ne jun­ge Er­zie­he­rin be­kommt zum Bei­spiel laut Ver­di 276 Eu­ro oder 11,5 Pro­zent we­ni­ger Geld.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 18. Dezember 2013

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