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Lok­füh­rer neh­men Ver­hand­lungs­er­geb­nis per Ur­ab­stim­mung an

Der här­tes­te Ar­beits­kampf in der Ge­schich­te der Bahn ist Ver­gan­gen­heit: Mit ei­ner er­neu­ten Ur­ab­stim­mung ha­ben die Mit­glie­der der Lok­füh­rer­ge­werk­schaft den müh­sam er­kämpf­ten Kom­pro­miss ge­bil­ligt
Handschlag Playmobil Wie viel stimm­ten für die Über­nah­me des Sch­lich­tungs­er­geb­nis­ses?

02.09.2015. (dpa) - End­lich Frie­den bei der Deut­schen Bahn: Zwei Mo­na­te nach der er­folg­rei­chen Sch­lich­tung ha­ben nun die Mit­glie­der der Lok­füh­rer­ge­werk­schaft GDL den Ta­rif­kom­pro­miss ge­bil­ligt.

In ei­ner er­neu­ten Ur­ab­stim­mung vo­tier­ten 94 Pro­zent der Teil­neh­mer für ei­ne An­nah­me des von den Po­li­ti­kern Bo­do Ra­me­low (Lin­ke) und Mat­thi­as Platz­eck (SPD) ver­mit­tel­ten Ta­rif­er­geb­nis­ses, wie die GDL am Diens­tag in Frank­furt mit­teil­te.

Das Ta­rif­pa­ket war am 1. Ju­li nach über ei­nem Jahr Ver­hand­lun­gen und neun hef­ti­gen Streik- und Warn­strei­krun­den er­reicht wor­den.

Zwi­schen­zeit­lich hat­ten die Lok­füh­rer wei­te Tei­le des deut­schen Bahn­ver­kehrs lahm­ge­legt und da­mit auch den Gü­ter­trans­port auf der Schie­ne im ers­ten Halb­jahr deut­lich be­ein­träch­tigt. Nach An­ga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes wur­den 178,3 Mil­lio­nen Ton­nen Gü­ter be­för­dert, 3,0 Pro­zent we­ni­ger als im ers­ten Halb­jahr 2014.

"Das Er­geb­nis ist ab­so­lut über­zeu­gend und der schöns­te Lohn nach ei­ner sehr har­ten Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zung", sag­te GDL-Chef Claus We­sels­ky. Er konn­te sei­ne Kern­for­de­rung nach Ta­rif­ver­trä­gen für das ge­sam­te Zug­per­so­nal zwar durch­set­zen, muss­te aber in wei­ten Tei­len die von der Kon­kur­renz­ge­werk­schaft EVG ver­han­del­ten Re­ge­lun­gen über­neh­men. Ne­ben Ge­halts­stei­ge­run­gen um 5,1 Pro­zent wur­de für die GDL-Mit­glie­der auch ei­ne Ar­beits­zeit­ver­kür­zung um ei­ne auf 38 St­un­den ver­ein­bart, die ab 2018 grei­fen soll. Der nun an­ge­nom­me­ne Ta­rif­ver­trag hat ei­ne Lauf­zeit bis zum 30. Sep­tem­ber 2016. Die Deut­sche Bahn be­grüß­te das Ab­stim­mungs­er­geb­nis.

In­tern hat der Ar­beits­kampf zu ei­nem tie­fen Zer­würf­nis zwi­schen ak­tu­el­lem und frü­he­rem Füh­rungs­per­so­nal ge­führt, der am Mon­tag im Ge­werk­schafts­aus­schluss meh­re­rer Top-Funk­tio­nä­re es­ka­liert war. Der ge­schäfts­füh­ren­de Vor­stand um Ge­werk­schafts­chef We­sels­ky be­schloss un­ter an­de­rem den Raus­wurf sei­nes Vor­gän­gers Man­fred Schell, der 2008 den ers­ten ei­gen­stän­di­gen Lok­füh­rer­ta­rif bei der Deut­schen Bahn er­kämpft hat­te. Im ak­tu­el­len Ta­rif­kon­flikt hat­te Schell auf ei­ner öf­fent­li­chen Platt­form den har­ten Kurs sei­nes Nach­fol­gers kri­ti­siert. Er will ge­gen sei­nen Raus­wurf recht­lich vor­ge­hen.

Of­fi­zi­el­ler Grund für den Raus­wurf Schells und zwei wei­te­rer Ex-Vor­stän­de sind laut GDL Bei­trags­rück­stän­de in teil­wei­se fünf­stel­li­ger Hö­he. Zwei wei­te­re Funk­tio­nä­re wur­den we­gen ge­werk­schafts­schä­di­gen­den Ver­hal­tens aus­ge­schlos­sen. We­sels­ky ver­tei­dig­te die aus sei­ner Sicht sat­zungs­ge­mä­ßen Ent­schei­dun­gen. Das wer­de für die Ge­werk­schaft kei­ne ne­ga­ti­ven Fol­gen ha­ben: "Es war nie ei­ne Spal­tung der GDL zu be­fürch­ten, und es wird auch kei­ne Spal­tung ge­ben."

Im Ge­spräch mit "Spie­gel On­line" hat­te Schell dar­auf be­harrt, sei­ne Mit­glieds­bei­trä­ge "bis zur St­un­de" ge­zahlt zu ha­ben. Es ge­he le­dig­lich um Son­der­bei­trä­ge für Tä­tig­kei­ten au­ßer­halb der GDL, die 2012 von der Ge­ne­ral­ver­samm­lung be­schlos­sen wor­den sei­en. Er ha­be die von ihm ver­lang­ten 3170 Eu­ro nicht ge­zahlt, weil We­sels­ky ihm die ge­plan­te Ver­wen­dung der Mit­tel nicht aus­rei­chend er­läu­tert ha­be. We­sels­ky be­stä­tig­te, dass es um Son­der­bei­trä­ge bei­spiels­wei­se aus Auf­sichts­rats­ver­gü­tun­gen und Tan­tie­men ge­he, die Ge­werk­schaf­ter an ih­re Or­ga­ni­sa­ti­on ab­füh­ren müss­ten.

Die er­neu­te Ur­ab­stim­mung war not­wen­dig, weil die GDL-Mit­glie­der im No­vem­ber 2014 eben­falls mit ei­ner Ur­ab­stim­mung die Streiks be­schlos­sen hat­ten und die­se nun nach Sat­zung auch be­en­den muss­ten. Für den Streik stimm­ten da­mals bei ei­ner hö­he­ren Be­tei­li­gung 91 Pro­zent der stimm­be­rech­tig­ten Teil­neh­mer.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. Oktober 2016

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