HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 14/146

Luft­han­sa-Chef Franz ver­lässt ei­ne Air­line im Steig­flug

Der schei­den­de Luft­han­sa-Chef Chris­toph Franz über­gibt den Steu­er­knüp­pel an sei­nen Nach­fol­ger Cars­ten Sp­ohr: Der über­nimmt ein Un­ter­neh­men, bei dem ei­ni­ges in Be­we­gung ge­kom­men ist. Er muss aber auch Kon­flik­te be­frie­den
Fluggast und Pilot auf dem Rollfeld Wel­che Ver­än­de­run­gen wird der Chef­wech­sel mit sich brin­gen?

24.04.2014. (dpa) - Nach nur 40 Mo­na­ten an der Spit­ze der Luft­han­sa ver­lässt Chris­toph Franz die Air­line be­reits wie­der.

Zur Haupt­ver­samm­lung am kom­men­den Diens­tag (29.4.) in Ham­burg über­gibt der 53-Jäh­ri­ge die Ge­schäfts­füh­rung an sei­nen Nach­fol­ger Cars­ten Sp­ohr, der bis­lang die zen­tra­le Pas­sa­gier­spar­te des größ­ten Luft­ver­kehrs­kon­zerns in Eu­ro­pa ge­führt hat.

Der 47 Jah­re al­te Kron­prinz, der erst nach ei­ner quä­lend lan­gen Per­so­nal­su­che auf dem Chef­ses­sel Platz neh­men darf, über­nimmt ein Un­ter­neh­men im Steig­flug.

Auf den ers­ten Blick schei­nen die Zah­len des DAX-Kon­zerns für 2013 al­les an­de­re als be­rau­schend zu sein: Der Um­satz sta­gniert bei rund 30 Mil­li­ar­den Eu­ro und wirft trotz die­ser Di­men­si­on un­ter dem Strich nur ei­nen Ge­winn von 313 Mil­lio­nen Eu­ro ab. Die ge­plan­te Di­vi­den­de von 45 Cent pro An­teil muss­te Franz schon mit ei­nem be­rei­nig­ten ope­ra­ti­ven Ge­winn von ei­ner run­den Mil­li­ar­de be­grün­den, aus dem das Un­ter­neh­men un­ter an­de­rem die Kos­ten für neue Ka­bi­nen­aus­stat­tun­gen her­aus­ge­rech­net hat.

Die Luft­han­sa-Amts­zeit des zum Phar­ma-Rie­sen Ro­che wech­seln­den Franz wird eng mit dem Spar­pro­gramm "Sco­re" ver­bun­den: Um das Er­geb­nis zu ver­bes­sen, hat die Luft­han­sa nach ei­ge­nen An­ga­ben in­zwi­schen mehr als 4000 Ein­zel­maß­nah­men und Pro­jek­te an­ge­scho­ben. Und bis zu­letzt lässt Franz kei­nen Zwei­fel: Das Spa­ren muss wei­ter­ge­hen.

Dass da­bei auch man­che al­te Idee mit ein­ge­bracht wur­de, hat den tech­nisch-nüch­ter­nen Kon­zern­chef nicht ge­stört. Haupt­sa­che, al­le mar­schie­ren ge­mein­sam los, da­mit auch die Brem­ser nicht zu­rück­blei­ben kön­nen, lau­te­te sei­ne De­vi­se. Auch pro­fi­ta­ble Ge­schäfts­fel­der wie die Luft­han­sa Tech­nik oder die Ca­te­ring-Toch­ter LSG Sky Chefs muss­ten kräf­tig mit­spa­ren. Wich­tig wa­ren der na­he­zu ge­räusch­lo­se Ab­schied von der in­ef­fi­zi­en­ten Re­gio­nal­flie­ger­flot­te so­wie die Ver­la­ge­rung vie­ler Eu­ro­paflü­ge auf die kos­ten­güns­ti­ge­re Toch­ter Ger­manwings.

Es sind die gu­ten Aus­sich­ten, die den Ak­ti­en­kurs der Luft­han­sa in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten in seit 2007 nicht mehr er­reich­te Hö­hen von um die 20 Eu­ro ge­trie­ben ha­ben. "Sco­re ist auf Kurs. Die Ent­wick­lung ist nach­hal­tig", hat Franz bei der Vor­la­ge der Zah­len er­klärt. Be­reits für 2015 will Luft­han­sa nach sei­nen Vor­ga­ben ei­nen ope­ra­ti­ven Ge­winn von 2,65 Mil­li­ar­den Eu­ro aus­wei­sen. 2013 wur­den nicht ein­mal 700 Mil­lio­nen Eu­ro er­reicht.

Bei sei­nem har­ten Spar­kurs ha­be der "halb-ex­ter­ne" Ma­na­ger Franz han­deln kön­nen, oh­ne all­zu gro­ße Rück­sich­ten zu neh­men, so Ana­lyst Jür­gen Pie­per von der Frank­fur­ter Pri­vat­bank Metz­ler. So ist es un­ter an­de­rem ge­lun­gen, 3500 Ver­wal­tungs­jobs zu strei­chen, die his­to­ri­sche Fir­men­zen­tra­le in Köln zu schlie­ßen und gro­ße Tei­le der IT aus­zu­la­gern. Franz hat­te zwar bei der Luft­han­sa an­ge­fan­gen, war dann aber zur Bahn ge­wech­selt und kehr­te als Swiss-Sa­nie­rer zum Kra­nich zu­rück. In sei­ner Amts­zeit wur­de auch die Kon­zern­spit­ze deut­lich weib­li­cher: Mit Ar­beits­di­rek­to­rin Bet­ti­na Vol­kens und Fi­nanz­che­fin Si­mo­ne Men­ne stel­len die Frau­en 40 Pro­zent des Kon­zern­vor­stands.

We­ni­ger er­folg­reich war Franz beim Ver­mei­den hef­ti­ger Ta­rif­kon­flik­te mit der selbst­be­wuss­ten Be­leg­schaft, die um al­te Pri­vi­le­gi­en ringt: Je­de Be­schäf­tig­ten­grup­pe hat in sei­ner Zeit ge­streikt, zu­letzt die Pi­lo­ten im bis­lang längs­ten Ar­beits­kampf der Un­ter­neh­mens­ge­schich­te über vol­le drei Ta­ge. Of­fen spre­chen die Pi­lo­ten aus, dass sie nicht be­reit sind, zu­guns­ten der Ak­tio­nä­re auf ih­re Über­gangs­ver­sor­gung zu ver­zich­ten. Ei­ne Lö­sung des Kon­flikts steht noch aus und wei­te­re Ar­beits­kämp­fe sind be­reits ab­zu­se­hen.

Für die Zu­kunft sieht Franz die Luft­han­sa den­noch ge­rüs­tet, wenn es ge­lingt, die bei Sco­re ein­ge­üb­te Ver­än­de­rungs­be­reit­schaft zu er­hal­ten: "Wir ha­ben ge­lernt, uns zu ver­än­dern. Jetzt geht es dar­um, die per­ma­nen­te Ver­än­de­rung in den ge­ne­ti­schen Code des Un­ter­neh­mens zu über­neh­men."

Oh­ne es an die gro­ße Glo­cke zu hän­gen, ha­ben Franz und Sp­ohr das Spar­pro­gramm längst ver­län­gert. Auch im Jahr 2015 wer­den noch neue Spar­pro­jek­te ge­star­tet, das Pro­jekt­team bleibt vor­erst zu­sam­men. Ei­gent­lich, fin­det zu­min­dest der schei­den­de Chef, müs­se die Steu­er­ein­heit mit et­wa 50 Leu­ten dau­er­haft er­hal­ten blei­ben, um im­mer neue Pro­jek­te an­zu­schie­ben. Ein ei­gens ein­ge­führ­tes Con­trol­ling-Werk­zeug, das den tat­säch­li­chen Ef­fekt der ein­zel­nen Spar­maß­nah­men misst, gibt Luft­han­sa nicht mehr aus der Hand.

Da­zu pas­sen auch die Aus­sa­gen des schei­den­den Luft­han­sa-Chefs Mit­te April: "Die Zi­tro­ne ist nie aus­ge­quetscht, uns fällt im­mer noch et­was Neu­es ein", sag­te Franz und füg­te hin­zu: "Wir müs­sen je­des Jahr ef­fi­zi­en­ter wer­den." Auch bei ih­rem Ge­winn­ziel für 2015 be­fin­de sich die Luft­han­sa noch nicht auf der Ziel­li­nie. "Es geht jetzt dar­um, am Ball zu blei­ben, und sich da, wo sich die Um­welt ver­än­dert, an­zu­pas­sen."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 13. Januar 2015

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de