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Luft­han­sa geht ih­ren Kos­ten­druck kon­se­quent an

Luft­han­sa setzt bei har­ter Sa­nie­rung voll auf Toch­ter Ger­manwings
Der Kra­nich wird nur noch an den Dreh­kreu­zen Frank­furt, Mün­chen und Düs­sel­dorf zu se­hen sein

12.10.2012 (dpa) - Die Luft­han­sa la­gert ih­re ver­lust­rei­chen Di­rekt­ver­bin­dun­gen in Eu­ro­pa kon­se­quent auf die kos­ten­güns­ti­ge­re Toch­ter Ger­manwings aus. "Güns­tig, aber nicht bil­lig" sol­len die sil­ber­nen Jets mit der gelb-ro­ten Heck­la­ckie­rung ab dem kom­men­den Jahr künf­tig vor al­lem die klei­ne­ren deut­schen Flug­hä­fen mit Eu­ro­pa ver­bin­den und spä­tes­tens in drei Jah­ren klei­ne Ge­win­ne ein­flie­gen. Der Luft­han­sa-Kra­nich wird nach den am Don­ners­tag vor­ge­stell­ten Plä­nen nur noch an den Dreh­kreu­zen Frank­furt und Mün­chen so­wie am Lang­stre­cken­stand­ort Düs­sel­dorf häu­fi­ger zu se­hen sein.

Grund für die in­tern hef­tig um­strit­te­ne Ver­la­ge­rung von 30 Luft­han­sa-Air­bus-Ma­schi­nen samt Be­sat­zun­gen zur Toch­ter ist al­lein der Kos­ten­druck. Seit Jah­ren gleicht Luft­han­sa die "si­gni­fi­kan­ten" Ver­lus­te im Eu­ro­pa­ver­kehr mit Über­schüs­sen aus dem Über­see­ver­kehr aus. Da auch dort die Luft we­gen der wach­sen­den Kon­kur­renz un­ter an­de­rem der Air­lines vom ara­bi­schen Golf im­mer dün­ner wird, sieht das Ma­nage­ment um Vor­stands­chef Chris­toph Franz kaum noch Al­ter­na­ti­ven.

Nach dem Vor­bild des Kon­kur­ren­ten Bri­tish Air­ways hät­te man sich aus der Flä­che zu­rück­zie­hen kön­nen, schil­dert Franz die aus sei­ner Sicht schlech­te­re Mög­lich­keit. Schließ­lich sei­en die Bri­ten nur noch ei­ne Art "He­a­throw-Air­ways" mit ei­ner Kon­zen­tra­ti­on auf Lon­dons größ­ten Flug­ha­fen. Doch die Luft­han­sa wol­le nicht gro­ße Tei­le des deut­schen Mark­tes der Kon­kur­renz über­las­sen, die in ers­ter Li­nie Air Ber­lin und da­nach auch Ea­sy­Jet und Rya­n­air heißt. Viel mehr als ei­ne schwar­ze Null er­war­tet zu­nächst nie­mand von der auf drei­fa­che Grö­ße auf­ge­pump­ten Ger­manwings.

Franz und sein Pas­sa­ge­vor­stand Cars­ten Sp­ohr ma­chen mäch­tig Druck, im­mer­hin sind die Plä­ne mit den star­ken Ge­werk­schaf­ten im Un­ter­neh­men noch kei­nes­wegs ab­ge­stimmt. Min­des­tens 800 Flug­be­glei­ter und 300 Pi­lo­ten der Luft­han­sa droht die Ver­set­zung zu Ger­manwings, die für bei­de Be­rufs­grup­pen deut­lich schlech­te­re Be­din­gun­gen bie­tet. Von le­bens­lan­gen ta­rif­li­chen Ge­halts­stei­ge­run­gen bis auf Aka­de­mi­ker-Ni­veau wie bei der Luft­han­sa-Pas­sa­ge kön­nen Ste­war­des­sen bei Ger­manwings nur träu­men. Auch die Pi­lo­ten müs­sen für das glei­che Geld wie bei der Luft­han­sa deut­lich län­ger ar­bei­ten.

Wäh­rend Ver­di und die Pi­lo­ten­ge­werk­schaft Ver­ei­ni­gung Cock­pit zu­nächst ab­war­tend re­agie­ren, ist die in der Sch­lich­tung ste­cken­de Ka­bi­nen­ge­werk­schaft Ufo schon auf den Bar­ri­ka­den. Franz ma­che ei­ne ein­ver­nehm­li­che Ge­samt­lö­sung mit sei­nem Vor­ge­hen un­mög­lich und stel­le die Sch­lich­tung durch Bert Rü­rup in Fra­ge, schimpft Ufo-Chef Ni­coley Baublies. Von neu­en Streiks nach dem ein­drucks­vol­len Ar­beits­kampf vor we­ni­gen Wo­chen mit über 1.000 Flug­aus­fäl­len mag Baublies zu­nächst nicht re­den, be­schul­digt aber das Ma­nage­ment, mit wei­te­ren Dro­hun­gen zu Stel­len­strei­chun­gen die Ge­werk­schaft er­pres­sen zu wol­len.

Mit der Ent­schei­dung ist zu­min­dest ei­ne kla­re Tren­nung der künf­ti­gen Ge­schäfts­mo­del­le ver­bun­den. "Ei­ne be­wuss­te Ent­schei­dung", sagt Franz. Ein Vor­teil liegt auf der Hand: Auch ta­rif­lich wä­re ei­ne kla­re Un­ter­schei­dung zwi­schen Bil­lig und Pre­mi­um mög­lich. Das war ei­gent­lich ei­ne Kern­for­de­rung von Ufo, die im üb­ri­gen auch den nied­ri­gen Ta­rif­ver­trag bei Ger­manwings ab­ge­schlos­sen hat.

Ein Ge­heim­nis macht Luft­han­sa noch um die Fra­ge, wel­chen Ser­vice die Kun­den künf­tig an Bord der Ger­manwings-Ma­schi­nen er­war­ten dür­fen. Klar scheint: Ex­tras kos­ten künf­tig ex­tra. Schon heu­te kön­nen Ger­manwings-Kun­den wäh­len, ob ih­nen der nack­te Flug mit Hand­ge­päck und oh­ne Ver­pfle­gung ge­nügt, oder ob sie für ei­ni­ge Eu­ros ex­tra ei­nen Kof­fer auf­ge­ben und sich Es­sen und Ge­tränk ser­vie­ren las­sen wol­len. Auch mehr Platz für die Bei­ne ist zu be­kom­men - für sol­che Wün­sche hält der Bil­lig­flie­ger al­ler­dings zu­sätz­lich die Hand auf.

Ob das Bil­lig-Image die gut zah­len­de Ge­schäfts­flie­ger-Kund­schaft ver­treibt? Die Luft­han­sa-Füh­rung glaubt, das ver­hin­dern zu kön­nen. "Die neue Ger­manwings wird da­zu bei­tra­gen, die Num­mer eins in Eu­ro­pa zu blei­ben", zeigt sich Luft­han­sa-Ma­na­ger Tho­mas Klühr si­cher, der die Di­rekt­ver­bin­dun­gen ver­ant­wor­tet. "Es ist ge­lun­gen, Pre­mi­um­kun­den an­zu­zie­hen." Auf ei­nes müs­sen Ge­schäfts­rei­sen­de al­ler­dings ver­zich­ten: "Es wird bei der Ger­manwings kei­ne Busi­ness Class ge­ben", stell­te Franz klar. Die neue Ge­sell­schaft dürf­te eher ei­ne Ger­manwings-Plus wer­den als ei­ne Luft­han­sa-Light.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 13. Januar 2015

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