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Luft­han­sa-Pi­lo­ten zum Streik be­reit - Aus­stand noch vor Os­tern?

Bei der Luft­han­sa droht wie­der ein Streik: Mit weit über 90 Pro­zent stimm­ten die Pi­lo­ten für ei­nen Ar­beits­kampf. Den Pas­sa­gie­ren räu­men sie ei­ne Vor­warn­zeit von 48 St­un­den ein - und ru­hi­ge Os­ter­fe­ri­en
Fluggast und Pilot auf dem Rollfeld Was for­dert die Ver­ei­ni­gung Cock­pit?

22.03.2014. (dpa) - Flug­gäs­te der Luft­han­sa müs­sen sich in den kom­men­den Wo­chen auf Streiks ein­rich­ten.

Die Pi­lo­ten der Kern­mar­ke Luft­han­sa so­wie der Töch­ter Luft­han­sa Car­go und Ger­manwings stimm­ten mit kla­rer Mehr­heit für ei­nen Ar­beits­kampf, wie die Ge­werk­schaft Ver­ei­ni­gung Cock­pit (VC) am Frei­tag be­rich­te­te.

Luft­han­sa müs­se ab so­fort je­der­zeit mit ei­nem Aus­stand rech­nen, den man aus Rück­sicht auf die Pas­sa­gie­re 48 St­un­den vor Be­ginn an­kün­di­gen wer­de, er­klär­te VC-Ta­rif­ex­per­tin Ilo­na Rit­ter am Frank­fur­ter Flug­ha­fen. Den star­ken pri­va­ten Rei­se­ver­kehr zu den Os­ter­fe­ri­en, der am 11. April ein­setzt, woll­ten die Pi­lo­ten ver­scho­nen, so­fern Luft­han­sa nicht "ex­trem ag­gres­siv" re­agie­re. "Ter­mi­ne kann man ver­schie­ben, Fe­ri­en nicht", be­grün­de­te VC-Spre­cher Jörg Hand­werg die Aus­nah­me.

Die rund 5400 Pi­lo­ten der Luft­han­sa-Pas­sa­ges­par­te kämp­fen für hö­he­re Ge­häl­ter und ins­be­son­de­re für den Fort­be­stand ih­rer bis­he­ri­gen Über­gangs­ren­ten. Die­se Zah­lun­gen er­mög­lich­ten es den Ka­pi­tä­nen bis­lang, be­reits ab ei­nem Al­ter von 55 Jah­ren mit bis zu 60 Pro­zent ih­rer Grund­be­zü­ge in die ge­setz­li­che Ren­te über­zu­ge­hen.

Im Schnitt schie­den sie zu­letzt mit knapp 59 Jah­ren aus dem Dienst, wie VC und Luft­han­sa über­ein­stim­mend schil­dern. Luft­han­sa hat die Ver­ein­ba­rung aber zum Jah­res­en­de 2013 ein­sei­tig ge­kün­digt, weil ih­re Ver­kehrspi­lo­ten nach ei­nem EuGH-Ur­teil in­zwi­schen bis zum Al­ter von 65 Jah­ren flie­gen dür­fen und nicht mehr wie bis 2011 spä­tes­tens mit 60 Schluss ma­chen müs­sen.

"Nach un­se­ren Vor­stel­lun­gen soll al­len flie­gen­den Mit­ar­bei­tern auch in Zu­kunft ein vor­zei­ti­ges Aus­schei­den aus dem Be­rufs­le­ben er­mög­licht wer­den", hat­te Luft­han­sa-Ar­beits­di­rek­to­rin Bet­ti­na Vol­kens in die­ser Wo­che an die Pi­lo­ten und die glei­cher­ma­ßen be­trof­fe­nen Flug­be­glei­ter ge­schrie­ben. Al­ler­dings müs­se das Ein­tritts­al­ter in die vom Ar­beit­ge­ber fi­nan­zier­te Über­gangs­ver­sor­gung an­ge­ho­ben wer­den. Mit­ar­bei­ter, die zum Jah­res­en­de schon an Bord wa­ren, soll­ten kei­ne Nach­tei­le auf be­reits er­wor­be­ne Rech­te be­fürch­ten müs­sen.

Ein Un­ter­neh­mens­spre­cher for­der­te die Pi­lo­ten auf, zu die­sem The­ma an den Ver­hand­lungs­tisch zu­rück­zu­keh­ren. Ein neu­es Ge­halts­an­ge­bot oder die von der VC ver­lang­te An­er­ken­nung, dass die Über­gangs­ver­sor­gung bis zu ei­ner Neu­re­ge­lung wei­ter gel­te, sei aber nicht ge­plant. Luft­han­sa be­zahlt der­zeit neue Über­gangs­ren­ten nur auf frei­wil­li­ger Ba­sis.

Die Kün­di­gung der Über­gangs­ver­sor­gung zum Jah­res­en­de 2013 ist das wich­tigs­te Mo­tiv der Pi­lo­ten für den Streik, für den es noch kei­nen fes­ten Ter­min gibt. "Der Be­ruf ist über die Jah­re sehr an­stren­gend. Wir wol­len wei­ter­hin selbst ent­schei­den kön­nen, wann es ge­nug ist", er­klär­te der Spre­cher der VC-Ta­rif­kom­mis­si­on, Tho­mas von Sturm.

Die Ge­werk­schaft be­ton­te er­neut, dass sie das har­te Spar­pro­gramm un­ter dem Ti­tel "Sco­re" bei der Luft­han­sa für über­zo­gen hält. Die Füh­rung ein­schließ­lich des de­si­gnier­ten neu­en Vor­stands­chefs Cars­ten Sp­ohr ste­he so un­ter Druck, dass sie nicht mehr in der La­ge sei, ver­nünf­ti­ge Ta­rif­kom­pro­mis­se ab­zu­schlie­ßen, mein­te Sturm. "Wir sind nicht be­reit, un­se­re Über­gangs­ver­sor­gung für ei­ne hö­he­re Ren­di­te zu op­fern." Dem Un­ter­neh­men wol­le die Ge­werk­schaft ei­ne letz­te Chan­ce auf ei­ne Re­ak­ti­on ein­räu­men: "Die muss un­ver­züg­lich er­fol­gen."

Be­trof­fen von den Streiks wä­ren die Ge­sell­schaf­ten Luft­han­sa, Luft­han­sa Car­go und Ger­manwings. Die Kon­zern­töch­ter Swiss und Aus­tri­an Air­lines ha­ben hin­ge­gen ei­ge­ne Ta­rif­ver­trä­ge und wür­den von ei­nem Aus­stand bei der Luft­han­sa nicht ge­trof­fen.

Den Pi­lo­ten wa­ren in den ver­gan­ge­nen sechs Wo­chen zwei ge­trenn­te Ur­ab­stim­mun­gen vor­ge­legt wor­den. In der Ab­stim­mung zur Ver­gü­tung vo­tier­ten nach VC-An­ga­ben 97,2 Pro­zent für den Ar­beits­kampf. Die Ta­rif­ver­hand­lun­gen lau­fen be­reits seit rund zwei Jah­ren er­geb­nis­los. Die VC ver­langt in­zwi­schen ein Plus von 10 Pro­zent, das sich über die Zeit auf­ad­diert hat. Luft­han­sa bie­tet hin­ge­gen er­folgs­ab­hän­gi­ge Ein­mal­zah­lun­gen und ei­ne Ta­bel­len­er­hö­hung um 3 Pro­zent im Jahr 2016.

En­de 2013 wa­ren die Ver­hand­lun­gen noch kom­pli­zier­ter ge­wor­den, weil Luft­han­sa ein­sei­tig die Be­triebs­ren­ten so­wie die Über­gangs­ver­sor­gung ge­kün­digt hat­te. In der Ur­ab­stim­mung zur Über­gangs­ver­sor­gung ent­schie­den sich nun so­gar 99,1 Pro­zent der Pi­lo­ten für ei­nen Streik.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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