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Luft­han­sa geht mit Sch­lich­tungs­vor­schlag auf Pi­lo­ten zu

Luft­han­sa will sich aus dem Ger­manwings-Schock lang­sam lö­sen: Bei der Haupt­ver­samm­lung wur­de er­neut der 150 To­ten ge­dacht. Un­ter­neh­mens­chef Sp­ohr ging da­nach ei­nen Schritt auf die dau­er­strei­ken­den Pi­lo­ten zu
Fluggast und Pilot auf dem Rollfeld Kann durch die Ge­samt­schlich­tung der Kon­flikt bei­ge­legt wer­den?

30.04.2015. (dpa) - Luft­han­sa geht im fest­ge­fah­re­nen Ta­rif­streit mit ih­ren Pi­lo­ten ei­nen Schritt auf die Ge­werk­schaft Ver­ei­ni­gung Cock­pit zu.

Mit­ten in der Auf­ar­bei­tung des Ger­manwings-Un­glücks bot Vor­stands­chef Cars­ten Sp­ohr am Mitt­woch der VC ei­ne Ge­samt­schlich­tung über al­le of­fe­nen Ta­rif­fra­gen an und setz­te da­mit ein Auf­bruch­si­gnal.

Im här­tes­ten Ta­rif­kon­flikt der Un­ter­neh­mens­ge­schich­te hat es seit April 2014 bis­lang zwölf Strei­krun­den ge­ge­ben.

Sp­ohr be­zif­fer­te die Scha­dens­sum­me in­klu­si­ve ak­tu­el­ler Bu­chungs­aus­fäl­le am Mitt­woch auf in­zwi­schen mehr als 300 Mil­lio­nen Eu­ro.

Dem Un­ter­neh­men zu­fol­ge sind mit der VC sechs Ta­rif­ver­trä­ge of­fen, un­ter an­de­rem zum Ge­halt, zur Über­gangs­ver­sor­gung und zu den Be­triebs­ren­ten der rund 5400 Pi­lo­ten der Ge­sell­schaf­ten Luft­han­sa, Luft­han­sa Car­go und Ger­manwings.

Noch in die­ser Wo­che kön­ne man mit Ge­sprä­chen über die Per­son ei­nes Sch­lich­ters be­gin­nen. Es ge­he im Sin­ne der Kun­den dar­um, wei­te­re Streiks zu ver­mei­den.

Die VC hat seit lan­gem die Ge­samt­schlich­tung ge­for­dert, die bis­lang von Luft­han­sa mit dem Ar­gu­ment ab­ge­lehnt wor­den war, man ha­be zu ein­zel­nen Punk­ten noch gar nicht ver­han­delt. Hin­ter­grund ist auch die um­strit­te­ne Ein­füh­rung der neu­en Bil­lig-Platt­form Eu­ro­wings, die von der VC kri­ti­siert wird, aber als Un­ter­neh­mens­ent­schei­dung nicht in Ta­rif­ver­hand­lun­gen ver­han­delt wer­den kann.

"Ei­ne Be­frie­dung des Ta­rif­kon­flikts mit­tels ei­ner Sch­lich­tung ist bei Ein­be­zie­hung al­ler seit Jah­ren strit­ti­gen und un­ge­lös­ten Fra­gen mög­lich", er­klär­te VC-Spre­cher Mar­kus Wahl in Frank­furt. "Wir wer­den uns hin­sicht­lich des heu­te Vor­mit­tag ein­ge­trof­fe­nen Schrei­bens der Luft­han­sa be­ra­ten und an­schlie­ßend auf den Ar­beit­ge­ber zu­ge­hen."

Bei der Haupt­ver­samm­lung in Ham­burg stand zu­nächst die Trau­er um die Op­fer des Ger­manwings-Ab­stur­zes im Mit­tel­punkt. Die Ak­tio­nä­re konn­ten sich im Ham­bur­ger Con­gress-Cen­trum in ein Kon­do­lenz­buch ein­tra­gen, um der 150 Op­fer des schlimms­ten Ab­stur­zes in der Un­ter­neh­mens­ge­schich­te zu ge­den­ken. "Die ge­sam­te Luft­han­sa- und Ger­manwings-Fa­mi­lie trau­ert um die Op­fer", sag­te der Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­de Wolf­gang May­r­hu­ber und lei­te­te ei­ne Schwei­ge­mi­nu­te ein. Sp­ohr sag­te den Hin­ter­blie­be­nen er­neut Bei­stand und Hil­fe zu. "Das Un­glück hat uns ver­än­dert und wird für im­mer Spu­ren in un­se­rem Un­ter­neh­men hin­ter­las­sen. Wir al­le sind en­ger zu­sam­men­ge­rückt."

Der Luft­han­sa-Chef be­kräf­tig­te sei­ne Pro­gno­se ei­nes be­rei­nig­ten ope­ra­ti­ven Ge­winns von mehr als 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro für das Ge­schäfts­jahr 2015, wo­bei die Streik­be­las­tun­gen aber noch nicht ein­ge­rech­net sind. Für 2014 lau­tet die ver­gleich­ba­re Zahl 1,2 Mil­li­ar­den Eu­ro.

We­gen des im­mer knap­pe­ren Ka­pi­tals hat die Luft­han­sa ih­re In­ves­ti­tio­nen für die Jah­re 2016 und 2017 auf je­weils 2,5 Mil­li­ar­den Eu­ro be­grenzt. Aus die­sem Grund ver­schiebt die Fracht­toch­ter Luft­han­sa Car­go den für die­ses Jahr ge­plan­ten Neu­bau des Fracht­zen­trums am Flug­ha­fen Frank­furt mit ei­nem In­ves­ti­ti­ons­vo­lu­men von rund 700 Mil­lio­nen Eu­ro um min­des­tens zwei Jah­re.

Die Ak­tio­nä­re soll­ten für 2014 kei­ne Di­vi­den­de er­hal­ten. Grün­de für das schwa­che Ab­schnei­den mit ei­nem Net­to­ge­winn von 55 Mil­lio­nen Eu­ro bei rund 30 Mil­li­ar­den Eu­ro Um­satz sind un­ter an­de­rem ein er­höh­ter Kon­kur­renz­druck, stark stei­gen­de Pen­si­ons­las­ten und die ho­hen Kos­ten für den bis­lang nicht bei­ge­leg­ten Pi­lo­ten­streik. Die Luft­han­sa wol­le künf­tig wie­der re­gel­mä­ßig ei­ne Di­vi­den­de zah­len, sag­te Sp­ohr. Für 2015 kön­ne die­se nach der neu­en Aus­schüt­tungs­po­li­tik zwi­schen 32 und 81 Cent lie­gen.

Auf der Ta­ges­ord­nung der Ak­tio­närs­ver­samm­lung stan­den ne­ben den Be­rich­ten des Vor­stands und des Auf­sichts­ra­tes ei­ni­ge Ka­pi­tal­maß­nah­men und die Wahl ei­nes neu­en Auf­sichts­rats­mit­glieds. Die Vor­schlä­ge wur­den von der Haupt­ver­samm­lung mit gro­ßer Mehr­heit an­ge­nom­men. Fre­se­ni­us-Fi­nanz­chef Ste­phan Sturm (51) wur­de als Nach­fol­ger des aus­ge­schie­de­nen Fi­nanz­ma­na­gers Jac­ques Ai­grain in das Kon­troll­gre­mi­um be­ru­fen.

Die Luft­han­sa-Ak­tie re­agier­te mit ei­nem Kurs­sprung auf die Nach­richt von der Ge­samt­schlich­tung. Zu Be­ginn der Haupt­ver­samm­lung leg­te das Pa­pier um mehr als drei Pro­zent zu und lag auch am Nach­mit­tag noch mit plus 1,91 Pro­zent auf 12,80 Eu­ro an der Spit­ze des Dax.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 17. September 2016

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