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Wächst bei Luft­han­sa die nächs­te Spar­ten­ge­werk­schaft her­an?

Bei der Luft­han­sa sind so vie­le Ge­werk­schaf­ten ak­tiv wie sonst nir­gend­wo: Bei den Be­triebs­rats­wah­len hat nun ei­ne neue Grup­pe be­acht­li­che Er­fol­ge er­zielt. Ihr Ziel sind schnel­le Ta­rif­ab­schlüs­se
Fluggast und Pilot auf dem Rollfeld War­um gibt es bei der Luft­han­sa so vie­le Spar­ten­ge­werk­schaf­ten?

15.05.2014. (dpa) - Bei den Be­triebs­rats­wah­len der Luft­han­sa hat ei­ne neue Grup­pie­rung be­acht­li­che Er­fol­ge er­zielt.

In den Be­triebs­rä­ten von vier Teil­ein­hei­ten mit rund 10 000 Be­schäf­tig­ten stellt die noch jun­ge Ar­beit­neh­mer­ge­werk­schaft im Luft­ver­kehr (Agil) die je­weils stärks­te Frak­ti­on.

Er­klär­tes Ziel der erst En­de 2012 ge­grün­de­ten Grup­pie­rung um Luft­han­sa-Auf­sichts­rat An­dre­as Stra­che ist es, mög­lichst schnell Ta­rif­ver­trä­ge ab­zu­schlie­ßen.

Doch der Weg da­hin ist selbst bei der ta­rif­lich zer­klüf­te­ten Luft­han­sa, die bis­lang schon Ver­trä­ge mit der Ver­ei­ni­gung Cock­pit, der Ka­bi­nen­ge­werk­schaft Ufo und Ver­di ab­schließt, noch weit.

Man wol­le kei­nes­falls als Spar­ten­ge­werk­schaft agie­ren, ver­si­chert Agil-Spre­cher Wil­fried Schmitz. Die Neu­lin­ge ver­su­chen, in al­len Be­rei­chen des Luft­ver­kehrs Mit­glie­der zu ge­win­nen, un­ter an­de­rem bei den pri­va­ten Si­cher­heits­diens­ten am Flug­ha­fen. Be­son­ders weit ge­kom­men sind sie bei der Luft­han­sa bis­lang bei den Bo­den­diens­ten in Frank­furt und Mün­chen, bei der Flug­toch­ter Ci­ty­line und im zweit­größ­ten Be­trieb der Ca­te­ring-Ge­sell­schaft LSG in Frank­furt.

"Wir ha­ben wie an­de­re auch Stim­men ver­lo­ren, blei­ben aber stärks­te Kraft im Kon­zern", sagt Chris­ti­ne Beh­le, Vor­stands­mit­glied bei Ver­di und stell­ver­tre­ten­de Che­fin des Luft­han­sa-Auf­sichts­rats. Die DGB-Ge­werk­schaft ver­liert an­ge­sichts der er­folg­rei­chen in­ner­be­trieb­li­chen Kon­kur­renz bei den üb­ri­gen Be­schäf­tig­ten­grup­pen wei­ter an Bin­dungs­kraft.

Nach den Pi­lo­ten und den Ste­war­des­sen ge­hen nun vie­le Be­schäf­tig­te der Bo­den-Ab­tei­lun­gen von der Fah­ne. Ih­re stärks­ten Kräf­te hat Ver­di noch bei Luft­han­sa Tech­nik: Aus Ham­burg kam bis­lang auch der Kon­zern­be­triebs­rats­vor­sit­zen­de Eck­hard Lieb. Auch bei der im Ju­ni an­ste­hen­den Kon­sti­tu­ie­rung der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung auf Kon­zern­ebe­ne er­hebt Ver­di wie­der den An­spruch auf den Spit­zen­pos­ten.

Bei schmerz­haf­ten Ent­schei­dun­gen wie jüngst zur Zu­kunft der Ca­te­ring-Toch­ter LSG wird Ver­di ge­le­gent­lich mit­ver­ant­wort­lich ge­macht für Lohn­ab­bau und schlech­te­re Ar­beits­be­din­gun­gen, klagt Beh­le. Man ha­be die Ar­beit­neh­mer be­fragt und sich letzt­lich da­für ent­schie­den, die Ar­beits­plät­ze im Kon­zern und in Deutsch­land zu hal­ten. "Wir ha­ben Schlim­me­res ver­hin­dert", sagt die Ver­di-Front­frau. Hät­te Ver­di nicht ein­ge­lenkt, wä­ren die Groß­kü­chen ins Aus­land ver­la­gert wor­den, heißt es be­stä­ti­gend bei der Luft­han­sa.

Das im­mer wie­der von Streiks ge­beu­tel­te Un­ter­neh­men will die Ent­wick­lung der Agil vor­erst nicht kom­men­tie­ren. Klar ist, dass der neue Chef Cars­ten Sp­ohr ei­ne wei­te­re streik­freu­di­ge Ge­werk­schaft im Haus so gut ge­brau­chen könn­te wie ei­ne mehr­mo­na­ti­ge Asche­wol­ke. Luft­han­sa schweigt da­her bis­lang ei­sern zu mög­li­chen Ta­rif­ab­schlüs­sen mit Agil.

Das hät­ten schon vie­le ver­geb­lich ver­sucht, heißt es hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand. Denn ei­ne Ge­werk­schaft wird erst in dem Mo­ment ta­rif­fä­hig, in dem es ihr tat­säch­lich ge­lingt, ei­nen Ta­rif­ver­trag ab­zu­schlie­ßen. Das wer­de oh­ne Streiks kaum klap­pen, ist sich Agil-Spre­cher Schmitz ziem­lich si­cher und ver­weist auf die be­reits vier­stel­li­ge Mit­glie­der­zahl. An­ge­sichts der zu­rück­hal­ten­den Hal­tung des DGB zu Ge­set­zes­än­de­run­gen in Sa­chen Ta­rif­ein­heit wird sich am recht­li­chen Rah­men auf Sicht kaum et­was än­dern.

Um die neue Grup­pe hof­fä­hig zu ma­chen, müss­te der Kon­zern schon ei­ne gan­ze Men­ge selbst bei­tra­gen - wie vor­mals bei der Ver­ei­ni­gung Cock­pit und der Ka­bi­nen­ge­werk­schaft Ufo. Die­se bei­den in ih­ren je­wei­li­gen Ge­bie­ten in­zwi­schen fest eta­blier­ten Grup­pie­run­gen trotz­ten der Luft­han­sa vor Jah­ren ers­te Ver­trä­ge ab und lie­fern sich seit­dem re­gel­mä­ßig zä­he Ta­rif­ge­fech­te mit dem Kra­nich. Ufo un­ter­stützt die Kol­le­gen der Agil zu­dem nach Kräf­ten. Ge­ra­de wird in Mör­fel­den-Wall­dorf am Frank­fur­ter Flug­ha­fen der Ge­werk­schafts­sitz auf­ge­baut und ei­ne ers­te haupt­amt­li­che Kraft ein­ge­stellt.

Der dras­ti­sche Spar­kurs der Luft­han­sa bringt lau­fend neu­es Kon­flikt­po­ten­zi­al, das ra­di­ka­len Grup­pen wei­te­ren Zu­lauf be­sche­ren könn­te. Ak­tu­ell will Luft­han­sa die Mann­schaf­ten ih­rer klei­ne­ren Sta­tio­nen ab­seits der Dreh­kreu­ze Mün­chen und Frank­furt in den Wett­be­werb mit pri­va­ten Dienst­leis­tern schi­cken. Die Pri­va­ten fer­ti­gen ei­nen Pas­sa­gier für et­wa 2 Eu­ro ab, wäh­rend bei Luft­han­sa bis­lang Kos­ten von rund 5 Eu­ro ent­ste­hen. Ver­di fürch­tet, dass aus der nun ver­kün­de­ten recht­li­chen Aus­grün­dung der Teil­ge­sell­schaf­ten schnell ein mas­si­ver Ab­bau der rund 1300 Jobs wird.

Ih­re Wahl­er­fol­ge er­ziel­te Agil un­ter an­de­rem bei der von der Schlie­ßung be­droh­ten Buch­hal­tungs-Ser­vice­ein­heit in Nor­der­stedt und bei der Ci­ty­line, die nach dem Wil­len der Pi­lo­ten­ge­werk­schaft VC ei­nen Groß­teil ih­rer Ma­schi­nen an Pi­lo­ten des Mut­ter­kon­zerns ab­ge­ben soll. Weil den Ci­ty­line-Pi­lo­ten in die­sem Fall die Ar­beits­lo­sig­keit droht, ist Agil schon hilf­reich mit ei­ner Ta­rif­kom­mis­si­on zur Stel­le.

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Letzte Überarbeitung: 11. September 2014

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