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ARBEITSRECHT AKTUELL // 13/091

"Mahl­zeit" - Mit­tags­pau­se in Deutsch­land

Ar­beit­neh­mer kla­gen über im­mer mehr Stress im Job. Vie­le neh­men sich nicht ein­mal mehr Zeit für ei­ne Mit­tags­pau­se: Da­bei kann die so schön und wich­tig sein - auch wenn sie nicht so lang aus­fällt wie einst die "Sies­ta" in Spa­ni­en
Frau zu Hause im Bett vor dem Fernsehen Ei­ne Mit­tags­pau­se kann nicht nur schön son­dern auch wich­tig sein

06.04.2013. (dpa) - Cur­ry­wurst in der Kan­ti­ne, Yo­ga oder ein Ni­cker­chen auf der Couch im Ru­he­raum – vie­le Ar­beit­neh­mer pfle­gen in der Mit­tags­pau­se ih­re Ri­tua­le.

Schon mor­gens wer­den eif­rig die Spei­se­kar­te der Kan­ti­ne und das Mit­tags­me­nü beim Chi­ne­sen ge­gen­über stu­diert.Dann re­ger E-Mail-Aus­tausch: Wer macht mit wem, wann und wo Pau­se?

An­de­re schüt­teln dar­über nur den Kopf: Sie es­sen vorm Com­pu­ter schnell ein be­leg­tes Bröt­chen – oder ein­fach gar nichts. Je­der vier­te Ar­beit­neh­mer in Deutsch­land lässt die Mit­tags­pau­se ei­ner Stu­die zu­fol­ge häu­fig aus­fal­len.

Und das, ob­wohl vie­le Un­ter­neh­men längst mehr bie­ten als nur den Ein­topf in der Kan­ti­ne.

"Ei­ne Mit­tags­pau­sen­re­ge­lung im en­ge­ren Sin­ne gibt es in Deutsch­land nicht", sagt der Lei­ter des ge­werk­schafts­na­hen WSI-Ta­rif­ar­chivs, Rein­hard Bispinck. "Die Rah­men­be­din­gun­gen sind im Ar­beits­zeit­ge­setz fest­ge­legt."

Dort heißt es, dass Be­schäf­tig­te spä­tes­tens nach sechs St­un­den Ar­beit ei­ne Pau­se ma­chen müs­sen. Wer zwi­schen sechs und neun St­un­den ar­bei­tet hat ins­ge­samt min­des­tens 30 Mi­nu­ten Pau­se, bei mehr als neun St­un­den sind es min­des­tens 45 Mi­nu­ten. Die De­tails könn­ten dann in Ta­rif­ver­trä­gen und Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen ge­re­gelt wer­den, er­klärt der Ta­rif­ex­per­te.

In der Pra­xis hand­ha­ben die Fir­men die Mit­tags­pau­se ganz un­ter­schied­lich. "In man­chen Be­trie­ben pas­siert das auf Ver­trau­ens­ba­sis, in an­de­ren wer­den die Pau­sen­zei­ten mit der Stech­uhr er­fasst", sagt Bispinck. Auch die An­ge­bo­te für die Mit­ar­bei­ter va­ri­ie­ren von Un­ter­neh­men zu Un­ter­neh­men.

Beim welt­größ­ten Rück­ver­si­che­rer Mu­nich Re gibt es für die Mit­ar­bei­ter am Stand­ort Mün­chen kos­ten­lo­ses Mit­tag­es­sen. Die meis­ten der 3800 Be­schäf­tig­ten nut­zen die­ses An­ge­bot, sagt Spre­che­rin Jo­han­na We­ber. Wer sich in der Pau­se ger­ne be­we­gen möch­te, kann Kur­se wie Qi­gong be­su­chen.

"Es gibt auch vie­le Mit­ar­bei­ter, die in der Pau­se im Eng­li­schen Gar­ten jog­gen oder spa­zie­ren ge­hen." Zeit­druck gibt es in der Re­gel nicht. "Wir ha­ben Gleit­zeit, ei­ne fes­te Mit­tags­pau­se gibt es nicht. Wir sind ja kei­ne pro­du­zie­ren­des Un­ter­neh­men, wo die Bän­der still­ste­hen wür­den, wenn al­le gleich­zei­tig Mit­tags­pau­se ma­chen."

Beim Au­to­bau­er Daim­ler hat je­der Mit­ar­bei­ter 40 Mi­nu­ten Mit­tags­pau­se, sagt ei­ne Spre­che­rin. Die Zeit kann er für Sport wie Yo­ga, Pi­la­tes und Zir­kel­trai­ning nut­zen. Auch Ge­sund­heits­kur­se wie Rü­cken­trai­ning ste­hen auf dem Pro­gramm. Es­sen gibt es in Kan­ti­nen, Re­stau­rants, Bis­tros und klei­nen Län­den auf dem Werks­ge­län­de. Ein Lieb­lings­ge­richt der Daim­ler-Mit­ar­bei­ter: Lin­sen mit Spätz­le.

"Er­reich­bar­keit, Qua­li­tät und Preis - das sind die ent­schei­den­den Kri­te­ri­en für die Wahl des Mit­tag­es­sens", sagt die Ber­li­ner Er­näh­rungs­me­di­zi­ne­rin Ute Go­la. "In der Groß­stadt ist das An­ge­bot meist am viel­fäl­tigs­ten. In der Klein­stadt blei­ben häu­fig der Mit­tags­tisch beim Ita­lie­ner ge­gen­über oder der Im­biss."

Ein Drit­tel der Be­rufs­tä­ti­gen in Deutsch­land be­klagt ei­ner Stu­die der Tech­ni­ker Kran­ken­kas­se zu­fol­ge, dass ei­ne ge­sun­de Er­näh­rung bei der Ar­beit nicht mög­lich sei. Je­der Zwei­te gab an, in den Ar­beits­pau­sen auch gar nicht die Zeit zu ha­ben, in Ru­he zu es­sen.

Auf dem Schreib­tisch türmt sich die Ar­beit, der Mail-Ein­gang läuft voll und der Chef will un­be­dingt noch heu­te die Prä­sen­ta­ti­on auf dem Tisch ha­ben. Und jetzt noch ei­ne hal­be St­un­de Pau­se ma­chen?

"26 Pro­zent der ab­hän­gig Be­schäf­tig­ten in Deutsch­land las­sen die Pau­se häu­fig aus­fal­len", sagt die Au­to­rin des "Stress­re­port Deutsch­land 2012", An­drea Loh­mann-Hais­lah, von der Bun­des­an­stalt für Ar­beits­schutz und Ar­beits­me­di­zin. "Die­je­ni­gen, die be­son­ders lan­ge ar­bei­ten, las­sen am häu­figs­ten die Pau­se aus."

Die Ex­per­tin warnt: "Wenn wir ar­bei­ten, ver­brau­chen wir mehr En­er­gie. Des­halb ist es wich­tig, zwi­schen­durch Pau­sen zu ma­chen und sich zu er­ho­len." Hel­fen kann ein kur­zer Mit­tags­schlaf, Be­we­gung an der fri­schen Luft – oder auch ein Mit­tag­es­sen mit Kol­le­gen.

"Für die meis­ten Men­schen ist es schön, in Ge­sell­schaft zu es­sen. Das gilt aber nur, wenn schon ein Ge­mein­schafts­ge­fühl da ist", sagt Er­näh­rungs­me­di­zi­ne­rin Go­la. Und ein Es­sen mit Vor­ge­setz­ten? "Beim Chef hängt das sehr da­von ab, wie die Be­zie­hung ist."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 28. Dezember 2015

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