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ARBEITSRECHT AKTUELL // 14/012

Ma­ly: Zu­wan­de­rungs­pro­ble­me nicht als Mas­sen­phä­no­men dra­ma­ti­sie­ren

Die CSU hat mit mar­ki­gen Wor­ten ge­gen Zu­wan­de­rer aus Süd­ost­eu­ro­pa ei­ne hit­zi­ge De­bat­te aus­ge­löst: Jetzt be­mü­hen sich Po­li­ti­ker und Ex­per­ten dar­um, das The­ma oh­ne blei­ben­den Scha­den wie­der ein­zu­fan­gen
Europafahne Ist mit ei­ner Ar­muts­zu­wan­de­rung wirk­lich zu rech­nen?

09.01.2014. (dpa) - In der De­bat­te um ei­ne an­geb­li­che Ar­muts­zu­wan­de­rung aus Süd­ost­eu­ro­pa be­mü­hen sich Po­li­ti­ker und Ex­per­ten mehr und mehr um Scha­dens­be­gren­zung.

Der Prä­si­dent des Deut­schen Städ­te­tags, Ul­rich Ma­ly (SPD) warn­te da­vor, das Pro­blem als Mas­sen­phä­no­men zu dra­ma­ti­sie­ren.

"Wir ha­ben es nicht mit ei­ner flä­chen­de­cken­den Her­aus­for­de­rung zu tun. Die Schwie­rig­kei­ten kon­zen­trie­ren sich auf et­wa ein Dut­zend gro­ße Städ­te", sag­te der Ober­bür­ger­meis­ter von Nürn­berg der "Pas­sau­er Neu­en Pres­se" (Don­ners­tag).

Und dort "bal­len sich so­zia­le Pro­ble­me in ei­ni­gen we­ni­gen Stadt­tei­len".

In der ak­tu­el­len De­bat­te wer­de "der fa­ta­le Ein­druck er­weckt, dass al­le Bul­ga­ren und Ru­mä­nen, die jetzt zu uns kom­men, Ar­muts­zu­wan­de­rer sind und vie­le von ih­nen auch So­zi­al­be­trü­ger", kri­ti­sier­te Ma­ly.

Auch die Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) sieht "der­zeit nur punk­tu­ell An­zei­chen für ei­ne Ar­muts­zu­wan­de­rung aus Ru­mä­ni­en und Bul­ga­ri­en" und blickt op­ti­mis­tisch in die Zu­kunft. "Wir rech­nen da­mit, dass un­ter den Neu­zu­wan­de­rern je­der zwei­te ei­ne gu­te Aus­bil­dung mit­bringt", sag­te BA-Vor­stand Hein­rich Alt der "Rhei­ni­schen Post" (Don­ners­tag).

Die Bun­des­re­gie­rung will bis zum Som­mer mit ei­nem ei­ge­nen Gre­mi­um dem an­geb­li­chen Pro­blem nach­ge­hen. Das Bun­des­ka­bi­nett setz­te da­zu am Mitt­woch ei­nen Staats­se­kre­tärs-Aus­schuss mit Ver­tre­tern fast al­ler Mi­nis­te­ri­en ein. Die Run­de soll bis Ju­ni prü­fen, ob und wie die Re­gie­rung ge­gen ei­nen mög­li­chen Miss­brauch von So­zi­al­leis­tun­gen durch EU-Bür­ger vor­ge­hen soll­te. "Wir müs­sen be­ste­hen­de fal­sche An­rei­ze zur Zu­wan­de­rung in die So­zi­al­sys­te­me ab­bau­en", sag­te In­nen­staats­se­kre­tär Gün­ter Krings (CDU) da­zu der "Pas­sau­er Neu­en Pres­se".

Die CSU hat­te die De­bat­te mit Blick auf Zu­wan­de­rer aus Ru­mä­ni­en und Bul­ga­ri­en los­ge­tre­ten, die seit Jah­res­be­ginn un­be­schränkt Ar­beit in Deutsch­land su­chen kön­nen.

Seit dem 1. Ja­nu­ar gilt für Bür­ger der bei­den Staa­ten die vol­le Ar­beit­neh­mer­frei­zü­gig­keit in der EU. Das heißt, sie brau­chen kei­ne Ar­beits­er­laub­nis mehr, um sich in Deutsch­land nie­der­zu­las­sen. Die CSU warnt da­vor, dass ver­stärkt ge­ring qua­li­fi­zier­te Mi­gran­ten kom­men, die nach Ein­schät­zung der Par­tei in Deutsch­land vor al­lem So­zi­al­leis­tun­gen in An­spruch neh­men wol­len, aber kaum Chan­cen auf dem Ar­beits­markt ha­ben. Die Par­tei will ih­nen den Zu­gang zum deut­schen So­zi­al­sys­tem er­schwe­ren. Die Op­po­si­ti­on hält das für po­pu­lis­tisch.

Der Re­gens­bur­ger So­zi­al­rechts­ex­per­te Thors­ten Kin­green kri­ti­sier­te die ak­tu­el­le De­bat­te als "po­li­tisch ge­züch­tet, um vor der Eu­ro­pa­wahl ge­zielt das eu­ro­pa­kri­ti­sche Pu­bli­kum an­zu­spre­chen". "Das Gan­ze er­in­nert ir­gend­wie an die Maut­de­bat­te: Es wird so ge­tan als könn­te man ei­ne kom­ple­xe Sach­fra­ge nach baye­ri­schem Land­recht lö­sen", sag­te er der "Frank­fur­ter Rund­schau" (Don­ners­tag).

Ex­per­ten hal­ten es für un­ge­recht­fer­tigt, pau­schal von Ar­muts­zu­wan­de­rung aus den bei­den Län­dern zu spre­chen. Nach Zah­len des In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung wa­ren zur Jah­res­mit­te 2013 nur 0,6 Pro­zent der Hartz-IV-Be­zie­her Bul­ga­ren und Ru­mä­nen. Ob­wohl die Zu­wan­de­rer aus die­sen Län­dern im Schnitt ge­rin­ger qua­li­fi­ziert sind, lag die Ar­beits­lo­sen­quo­te für bei­de Na­tio­na­li­tä­ten Mit­te 2013 un­ter dem Schnitt der Ge­samt­be­völ­ke­rung und deut­lich un­ter der an­de­rer Mi­gran­ten­grup­pen.

Im Schnitt brin­gen ar­bei­ten­de Ein­wan­de­rer dem Staat Geld ein, denn sie zah­len Ab­ga­ben. Für die Kom­mu­nen pro­ble­ma­tisch ist die Kon­zen­tra­ti­on vie­ler Emp­fän­ger staat­li­cher Leis­tun­gen in ein­zel­nen Or­ten. Pro­ble­me gibt es et­wa in Duis­burg, Dort­mund oder Ber­lin, wo der An­teil der Ar­beits­lo­sen und Hartz-IV-Be­zie­her un­ter Ru­mä­nen und Bul­ga­ren be­son­ders hoch ist.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 3. September 2014

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