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Wah­rung der Men­schen­rech­te fällt DHL schwer

Wahr­heit oder Lü­ge? – Ein­satz von Lü­gen­de­tek­to­ren bei aus­län­di­schen Mit­ar­bei­tern im Post­kon­zern
Postschalter Die Ge­dan­ken sind frei - auch bei der DHL?
22.12.2011. Lü­gen ha­ben kur­ze Bei­ne. In be­son­de­rem Ma­ße gilt das für Mit­ar­bei­ter des Lo­gis­tik­kon­zerns Deut­sche Post DHL in Pa­na­ma, Costa Ri­ca, Ko­lum­bi­en und Süd­afri­ka, denn die­se wer­den of­fen­bar ge­zwun­gen, sich Lü­gen­de­tek­tor­tests zu un­ter­zie­hen.

Die DHL be­schäf­tigt nach ei­ge­nen An­ga­ben 275.000 Mit­ar­bei­ter in 220 Län­dern. Grund ge­nug für die Post, vor fünf Jah­ren dem „Glo­bal Com­pact“ bei­zu­tre­ten, ei­ner Ver­ei­ni­gung, der mitt­ler­wei­le 5.000 Un­ter­neh­men welt­weit an­ge­hö­ren und die sich die ge­rech­te Aus­ge­stal­tung der Glo­ba­li­sie­rung auf die Fah­nen ge­schrie­ben hat. Ihr Initia­tor war der da­ma­li­ge UN-Ge­ne­ral­se­kre­tär Ko­fi An­n­an. Er gab auch das Leit­bild von „Glo­bal Com­pact“ vor: „Wenn Glo­ba­li­sie­rung nicht für al­le von Nutz­ten ist, wird sie am En­de für kei­nen von Nut­zen sein."

Un­ter­neh­men, die ih­ren Bei­tritt er­klä­ren, ver­pflich­ten sich aus­drück­lich, die zehn Prin­zi­pi­en des „Glo­bal Com­pact“ als Grund­wer­te um­zu­set­zen. Ei­ne For­de­rung lau­tet z.B.: „Un­ter­neh­men sol­len den Schutz der in­ter­na­tio­na­len Men­schen­rech­te in­ner­halb ih­res Ein­fluss­be­reichs un­ter­stüt­zen und ach­ten“. Und na­tür­lich sol­len sie „si­cher­stel­len, dass sie sich nicht an Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen mit­schul­dig ma­chen.“

Die Um­set­zung scheint al­ler­dings nicht im­mer leicht zu fal­len. Bei­spiels­wei­se gibt es in Ko­lum­bi­en im­mer wie­der Kon­flik­te mit Dro­gen­kar­tel­len und Mi­li­zen, so je­den­falls Wal­ter Scheu­er­le, Per­so­nal­vor­stand der Post. Da­her sei in be­stimm­ten Län­dern der Ein­satz von Lü­gen­de­tek­to­ren le­gal. Sie wür­den aber nur un­ter „au­ßer­ge­wöhn­li­chen Um­stän­den“ ein­ge­setzt.

In ei­nem kürz­lich be­kannt ge­wor­de­nen Fall muss­te sich ein Ko­lum­bia­ni­scher Mit­ar­bei­ter we­gen 22 feh­len­der USB-Sticks ei­nem Lü­gen­de­tek­tor­test un­ter­zie­hen. Au­ßer­ge­wöhn­lich scheint hier vor al­lem der lo­cke­re Um­gang mit der Wah­rung der Men­schen­rech­te zu sein. Dar­auf­hin gin­gen nun auch die Ge­werk­schaf­ten auf die Bar­ri­ka­den.

So ha­ben die UNI, der glo­ba­le Ge­werk­schafts­ver­band für Fach- und Dienst­leis­tungs­be­ru­fe und die ITF, die die Ver­kehrs­ge­werk­schaf­ten auf in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne re­prä­sen­tiert, im Ju­ni 2011 bei den Ver­ein­ten Na­tio­nen Be­schwer­de ge­gen die deut­sche Lo­gis­tik­toch­ter DHL ein­ge­reicht. Sie for­dern die Strei­chung der Post aus der Lis­te de­rer Un­ter­neh­men, die die „Glo­bal Com­pact“ un­ter­zeich­net ha­ben.

Auch bei der Frau­en­fuß­ball-WM in Deutsch­land blies der Post, ei­nem der Haupt­spon­so­ren, der Wind ins Ge­sicht: Be­reits beim Er­öff­nungs­spiel mach­ten die bei­den Ge­werk­schaf­ten mit Hil­fe von Spiel­plä­nen auf die Ver­stö­ße ge­gen den „Glo­bal Com­pact“ in fünf ver­schie­de­nen WM-Län­dern auf­merk­sam.

Der Kon­zern selbst zeigt sich in­des un­ein­sich­tig. So be­stä­tig­te der Vor­stands­vor­sit­zen­de der Deut­schen Post DHL, Frank Ap­pel, auf der Jah­res­haupt­ver­samm­lung im Mai 2011, dass Lü­gen­de­tek­tor­tests in „Aus­nah­me­fäl­len“ auch wei­ter­hin durch­ge­führt wür­den.

Fa­zit: Der Grat zwi­schen der Wah­rung der Men­schen­rech­te und der Durch­set­zung un­ter­neh­me­ri­scher In­ter­es­sen kann schmal sein. Es ist nicht von der Hand zu wei­sen, dass den Un­ter­neh­men jähr­lich welt­weit Mil­li­ar­den­schä­den durch ma­te­ri­el­le oder im­ma­te­ri­el­le Dieb­stäh­le ih­rer Mit­ar­bei­ter ent­ste­hen.

Die Ein­däm­mung die­ser Form von Kri­mi­na­li­tät ist da­her ein nach­voll­zieh­ba­res Ziel, doch darf die so­zia­le Ver­ant­wor­tung nicht da­hin­ter zu­rück­ste­hen – auch in Ent­wick­lungs­län­dern wie Ko­lum­bi­en oder Ni­ge­ria. Dass es an­ders geht, zeigt bei­spiels­wei­se der dä­ni­sche Schiff­fahrts­kon­zern „Ma­ersk“, der den Ein­satz von Lü­gen­de­tek­to­ren welt­weit ab­lehnt.


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Letzte Überarbeitung: 22. September 2016

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