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In der Me­tall-Ta­rif­run­de wird es ernst - Warn­streiks wahr­schein­lich

Ta­rif­ver­hand­lun­gen in der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie ge­hen meist nur mit Warn­streiks über die Büh­ne: Das ist auch in die­sem Jahr so. Die IG Me­tall hat sich aber ei­ne neue Waf­fe be­reit­ge­legt
Was plant die IG Me­tall?

23.04.2016. (dpa) - In der deut­schen Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie wird es vor­aus­sicht­lich noch in die­ser Wo­che zu ers­ten Warn­streiks kom­men.

Zwar fin­den am Don­ners­tag (28.4.) un­mit­tel­bar vor En­de der Frie­dens­pflicht noch re­gio­na­le Ver­hand­lun­gen für sämt­li­che Ta­rif­ge­bie­te statt, doch die Kon­tra­hen­ten ha­ben sich be­reits so eng in­ein­an­der ver­keilt, dass ei­ne schnel­le Lö­sung un­wahr­schein­lich scheint.

Die IG Me­tall rüs­tet sich nach An­kün­di­gun­gen wich­ti­ger Be­zir­ke wie Bay­ern und NRW be­reits für Warn­streiks, die am Frei­tag um Mit­ter­nacht in der Nacht­schicht be­gin­nen könn­ten.

An­ders als in den Vor­jah­ren will die Ge­werk­schaft auch ta­rif­freie Un­ter­neh­men be­strei­ken und könn­te oh­ne Ur­ab­stim­mung zu "Ta­ges­streiks" über 24 St­un­den auf­ru­fen.

Der For­de­rung nach 5 Pro­zent mehr Geld steht bis­lang ein An­ge­bot der Ar­beit­ge­ber über 0,9 Pro­zent Ta­bel­len­er­hö­hung ge­gen­über. Zu­sätz­lich sei ei­ne Ein­mal­zah­lung in Hö­he von 0,3 Pro­zent ei­nes Jah­res­ge­halts an­ge­bo­ten wor­den, sagt Ge­samt­me­tall-Spre­cher Da­ni­el Köl­le. Mit der um­ge­hend als "Pro­vo­ka­ti­on" ab­ge­lehn­ten Of­fer­te sei der Ver­tei­lungs­spiel­raum aber be­reits kom­plett aus­ge­schöpft, sagt Ge­samt­me­tall-Prä­si­dent Rai­ner Dul­ger, der nun in der drit­ten Run­de ein Ent­ge­gen­kom­men der IG Me­tall er­war­tet. "Die Dif­fe­renz liegt nicht an un­se­rem An­ge­bot, son­dern dar­an, dass die IG Me­tall ih­re For­de­rung zu 90 Pro­zent mit hei­ßer Luft künst­lich auf­ge­bla­sen hat."

Ar­gu­men­ta­ti­ve Schüt­zen­hil­fe für die Ar­beit­ge­ber kommt vom In­sti­tut der deut­schen Wirt­schaft. Ihr Ta­rif­ex­per­te Ha­gen Lesch stellt fest, dass die Ge­werk­schaf­ten schon seit ei­ni­gen Jah­ren hö­he­re Re­al­löh­ne durch­ge­setzt ha­ben, un­ter­stützt von ei­ner ver­gleichs­wei­se mo­de­ra­ten Preis­stei­ge­rung. Weil gleich­zei­tig kaum noch Fort­schrit­te bei der Pro­duk­ti­vi­tät er­zielt wor­den sei­en, müss­ten die Fir­men deut­lich hö­he­re Lohn­kos­ten schul­tern, die sie kaum über hö­he­re Prei­se an ih­re Kun­den wei­ter­ge­ben konn­ten. Die ex­pan­si­ve Lohn­po­li­tik wer­de sich mit­tel­fris­tig ne­ga­tiv auf die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der deut­schen An­bie­ter aus­wir­ken, er­war­tet Lesch.

Die Ar­beit­ge­ber fürch­ten här­te­re Aus­ein­an­der­set­zun­gen, weil auch die ei­ge­nen Mit­glie­der über den Vor­jah­res­ab­schluss von 3,4 Pro­zent bei 15 Mo­na­ten Lauf­zeit stöh­nen. Ein ähn­lich kost­spie­li­ger Ab­schluss soll mög­lichst ver­hin­dert wer­den, wo­bei ein mög­li­cher Pi­lot­be­zirk noch nicht fest­steht. Bei ei­ner Aus­wei­tung der Streiks wer­de man recht­li­che Schrit­te prü­fen, sag­te Ge­samt­me­tall- Haupt­ge­schäfts­füh­rer Oli­ver Zan­der dem Nach­rich­ten­ma­ga­zin "Der Spie­gel".

Die IG Me­tall hat sich per Sat­zungs­än­de­rung ein neu­es schar­fes Ta­rif­schwert ge­schmie­det: Oh­ne vor­he­ri­ge Ur­ab­stim­mung kann der Vor­stand "Ta­ges­streiks" über 24 St­un­den in ein­zel­nen Be­trie­ben aus­ru­fen und den Teil­neh­mern da­für so­gar Streik­geld zah­len. Das war bis­lang bei den re­gio­na­len Warn­streiks, die meist auf we­ni­ge St­un­den be­grenzt wa­ren, nicht mög­lich. Die Ge­werk­schaft ver­fügt da­mit im Ar­beits­kampf über ei­ne wei­te­re Es­ka­la­ti­ons­stu­fe zwi­schen Warn­streiks und re­gu­lä­rem Streik. Den hat es in der deut­schen Kern­in­dus­trie mit ak­tu­ell rund 3,8 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten zu­letzt im Jahr 2002 ge­ge­ben, so dass die Streik­kas­se prall ge­füllt ist.

Beim IG-Me­tall-Vor­stand ist zu hö­ren, dass man die Ta­ges­streiks nicht so­fort ein­set­zen, son­dern erst ein­mal in der Hin­ter­hand be­hal­ten will. Deut­li­cher ist die Ab­sicht, in die­sem Jahr ver­stärkt Be­trie­be ins Vi­sier zu neh­men, die kei­ner for­ma­len Ta­rif­bin­dung un­ter­lie­gen. Von Flug­blatt­ak­tio­nen bis hin zu Warn­streiks sol­len die Mit­tel rei­chen, um die da­für aus­ge­guck­ten Un­ter­neh­men in den Ta­rif zu zwin­gen. Ein­zi­ge Vor­aus­set­zung da­für ist die Durch­set­zungs­kraft der IG Me­tall in­ner­halb der Be­leg­schaft. Meh­re­re hun­dert Un­ter­neh­men - meist Mit­tel­ständ­ler mit 500 bis 1000 Be­schäf­tig­ten - ha­ben die Me­tal­ler für ih­re Ak­tio­nen aus­ge­guckt. Der baye­ri­sche Be­zirks­chef Jür­gen Wechs­ler warnt die Un­ter­neh­men: "Wir ge­ben kei­ne Ru­he. Wir blei­ben dran. Wir las­sen uns nicht ab­wim­meln."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 23. August 2016

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