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Me­tro-Toch­ter Re­al kün­digt Aus für Ta­rif­bin­dung an - Ver­di er­bost

Bei der Me­tro-Toch­ter Re­al bahnt sich ein er­bit­ter­ter Streit um ei­nen Aus­stieg aus der Ta­rif­bin­dung an: Kri­ti­ker spre­chen von ei­ner wei­te­ren Aus­höh­lung des Flä­chen­ta­rif­ver­tra­ges, Ver­di kün­digt Wi­der­stand an
Münzen, Münzhaufen Wie wird der Aus­stieg be­grün­det?

18.06.2015. (dpa) - Die Me­tro-Toch­ter Re­al will aus der Ta­rif­bin­dung aus­stei­gen und bie­tet der Ge­werk­schaft Ver­di Ver­hand­lun­gen über ei­nen Haus­ta­rif­ver­trag an.

Hin­ter­grund der Ent­schei­dung sei die wett­be­werbs­ver­zer­ren­de Um­set­zung des Flä­chen­ta­rif­ver­trags durch ein­zel­ne Han­dels­un­ter­neh­men, teil­te Re­al am Mitt­woch mit.

Un­ter­neh­men oh­ne Ta­rif­ver­trag hät­ten deut­lich bes­se­re Kos­ten­struk­tu­ren als ta­rif­ge­bun­de­ne Be­trie­be im deut­schen Han­del.

"Die­se schwie­ri­ge La­ge hat Re­al selbst nicht ge­schaf­fen. Wir müs­sen aber um kon­kur­renz­fä­hig zu blei­ben, dar­auf re­agie­ren", be­grün­de­te Re­al-Ar­beits­di­rek­tor Jörg Kra­mer ei­ner Mit­tei­lung zu­fol­ge den Schritt. Re­al be­treibt rund 300 Wa­ren­häu­ser und be­schäf­tigt rund 38 000 Mit­ar­bei­ter.

Die Ge­werk­schaft Ver­di warf dem Un­ter­neh­men vor, dem "Lohn­dum­ping" in der Bran­che wei­ter Vor­schub zu leis­ten. "Nach dem Ver­kauf der Kauf­hof Wa­ren­häu­ser plant die Me­tro of­fen­bar den nächs­ten Schritt, den Kon­zern ra­di­kal um­zu­stel­len", sag­te Ver­di-Bun­des­vor­stands­mit­glied Ste­fa­nie Nut­zen­ber­ger ei­ner Mit­tei­lung zu­fol­ge. Kri­ti­ker be­fürch­ten ei­ne wei­te­re Aus­höh­lung des Flä­chen­ta­rif­ver­tra­ges vor der drit­ten Run­de der Ta­rif­ver­hand­lun­gen im Ein­zel­han­del von Nord­rhein-West­fa­len an die­sem Don­ners­tag.

Nut­zen­ber­ger kün­dig­te an, dass Ver­di die Durch­set­zung ei­ner Zwei-Klas­sen-Ge­sell­schaft un­ter den Be­schäf­tig­ten "nicht ak­zep­tie­ren" wer­de. Die Ge­werk­schaft for­de­re das Un­ter­neh­men auf, den Schritt um­ge­hend rück­gän­gig zu ma­chen.

Me­tro-Chef Olaf Koch warn­te die Ge­werk­schaft in ei­nem In­ter­view mit der "Wirt­schafts­wo­che" da­vor, den Ta­rif­aus­stieg zum An­lass für Streik­ak­tio­nen zu neh­men. "Das wür­de die Ge­sprä­che er­heb­lich be­las­ten", so Koch. Der Me­tro-Chef be­zif­fer­te den Per­so­nal­kos­ten­nach­teil des Un­ter­neh­mens im Ver­gleich zu sei­nen Kon­kur­ren­ten auf "bis zu 30 Pro­zent". Zu kon­kre­ten Ein­spar­zie­len woll­te sich ein Un­ter­neh­mens­spre­cher auf An­fra­ge je­doch nicht äu­ßern.

Für die ak­tu­el­len Mit­ar­bei­ter wer­de das Un­ter­neh­men ei­nen Be­stands­schutz an­bie­ten, so dass die Ent­gel­te der heu­ti­gen Be­schäf­tig­ten un­ver­än­dert blie­ben, hieß es. Stel­len­strei­chun­gen sind nach An­ga­ben von Koch nicht ge­plant.

Die Ta­rif­bin­dung der Un­ter­neh­men im deut­schen Ein­zel­han­del liegt nach Schät­zun­gen schon seit län­ge­rer Zeit un­ter 50 Pro­zent. Das be­deu­tet, dass nicht al­le Be­schäf­tig­ten au­to­ma­tisch von den Ta­rif­ab­schlüs­sen in den je­wei­li­gen Bun­des­län­dern pro­fi­tie­ren. An­de­rer­seits ori­en­tie­ren sich auch ei­ni­ge nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Un­ter­neh­men an den Ab­schlüs­sen. Re­al selbst ver­wies auf ei­ne Stu­die, wo­nach le­dig­lich noch rund ein Drit­tel der Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men ta­rif­ver­trag­lich ge­bun­den sei.

Kar­stadt war vor gut zwei Jah­ren in die Ver­bands­mit­glied­schaft oh­ne Ta­rif­bin­dung ge­wech­selt. Be­reits seit län­ge­rem ver­han­delt Ver­di mit dem Wa­ren­haus­un­ter­neh­men über ei­ne Rück­kehr zum Flä­chen­ta­rif­ver­trag.

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Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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