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Von 2015 an erst­mals ge­setz­li­cher Min­dest­lohn in Deutsch­land

Mehr als zehn Jah­re lang wur­de um die Ein­füh­rung ei­nes ge­setz­li­chen Min­dest­lohns in Deutsch­land ge­strit­ten: Jetzt kommt er - un­ter­stützt von ei­nem brei­ten po­li­ti­schen Bünd­nis
Private Putzfrau Wen be­trifft der ge­setz­li­che Min­dest­lohn?

12.07.2014. (dpa) - Knapp vier Mil­lio­nen Nied­rig­ver­die­ner kön­nen sich von 2015 an auf mehr Geld freu­en: Sie pro­fi­tie­ren dann vom neu­en ge­setz­li­chen Min­dest­lohn von 8,50 Eu­ro pro St­un­de.

Den Weg da­für mach­te der Bun­des­rat am Frei­tag in Ber­lin end­gül­tig frei.

Die Län­der­kam­mer bil­lig­te das ei­ne Wo­che zu­vor schon vom Bun­des­tag ver­ab­schie­de­te Ge­setz mit gro­ßer Mehr­heit.

Nur Sach­sen ver­wei­ger­te auf Druck der dort mit­re­gie­ren­den FDP die Zu­stim­mung.

Vom kom­men­den Ja­nu­ar an gilt da­mit erst­mals in Deutsch­land ein ge­setz­lich ver­bind­li­cher, flä­chen­de­cken­der Min­dest­lohn. Ver­tre­ter der Län­der spra­chen im Bun­des­rat von ei­nem "his­to­ri­schen Tag". Al­ler­dings gibt es in ei­ner Über­gangs­frist bis En­de 2016 Aus­nah­men, et­wa für Zei­tungs­zu­stel­ler und Sai­son­ar­bei­ter. Ju­gend­li­che un­ter 18 Jah­ren sind von der Re­ge­lung ganz aus­ge­nom­men. Lang­zeit­ar­beits­lo­se, die ei­ne Be­schäf­ti­gung fin­den, ha­ben erst nach sechs Mo­na­ten im neu­en Job An­spruch auf den Min­dest­lohn.

In der De­bat­te be­grüß­ten die Län­der­ver­tre­ter aus Uni­on und SPD ein­hel­lig die Neu­re­ge­lung. Man ha­be ei­nen par­tei­über­grei­fen­den Kom­pro­miss ge­fun­den, der mit den Über­gangs­re­ge­lun­gen auch vie­le Ein­wän­de aus der Wirt­schaft auf­ge­nom­men ha­be, sag­te die thü­rin­gi­sche Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Chris­ti­ne Lie­ber­knecht (CDU).

Nach den Wor­ten von Ham­burgs Ers­tem Bür­ger­meis­ter Olaf Scholz (SPD) ist der Be­schluss für den Min­dest­lohn "ein gro­ßer Sieg für die Mo­ral". Die rhein­land-pfäl­zi­sche Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Ma­lu Drey­er (SPD) sag­te: "Wir be­tre­ten mit die­sem Ge­setz Neu­land. End­lich." Da­mit sei auch Schluss mit der Ge­ne­ra­ti­on Prak­ti­kum. "Es gibt kei­ne Prak­ti­ka mehr für um­me."

Kri­tik kam vom stell­ver­tre­ten­den Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Bran­den­burgs, Jus­tiz­mi­nis­ter Hel­muth Mar­kov (Lin­ke): Durch die Aus­nah­men wer­de et­wa 2,5 Mil­lio­nen Bür­gern der Min­dest­lohn vor­ent­hal­ten - und dies ge­ra­de je­nen, die wie Lang­zeit­ar­beits­lo­se dar­auf am drin­gends­ten an­ge­wie­sen sei­en. In mehr als 20 EU-Län­dern sei ein ge­setz­li­cher Min­dest­lohn längst "po­li­ti­sche Nor­ma­li­tät".

Der stell­ver­tre­ten­de Mi­nis­ter­prä­si­dent Sach­sens, Ar­beits­mi­nis­ter Sven Mor­lok (FDP), lehn­te die Neu­re­ge­lung ab. "Wir wer­den künf­tig wie­der Ar­beits­lo­sig­keit för­dern", sag­te er mit Blick auf Ost­deutsch­land. Für Grenz­re­gio­nen wie Sach­sen han­de­le es sich bei den 8,50 Eu­ro nicht um ei­ne mo­de­ra­te An­he­bung. Da­mit sei die Ab­wan­de­rung von Ar­beits­plät­zen zu er­war­ten, et­wa nach Tsche­chi­en mit ei­nem Min­dest­lohn von 2 Eu­ro.

Die baye­ri­sche Bun­des­rats­mi­nis­te­rin Chris­ti­ne Ha­dert­hau­er (CSU) ge­stand ein, dass sich ih­re Par­tei "mit die­sem ur­sprüng­lich als Ta­bu­bruch gel­ten­den Schritt (...) nicht leicht­ge­tan" ha­be. Der Schritt sei aber not­wen­dig: Deutsch­land kön­ne den Wett­be­werb "nicht über Nied­rig­löh­ne ge­win­nen".

Der nie­der­säch­si­sche Wirt­schafts- und Ar­beits­mi­nis­ter Olaf Lies (SPD) sag­te: "Wir stop­pen die Lohn­spi­ra­le nach un­ten." Es ge­be der­zeit schät­zungs­wei­se fünf Mil­lio­nen Men­schen, die un­ter 8,50 Eu­ro ar­bei­te­ten und nun vom Min­dest­lohn pro­fi­tier­ten. "Das sind fünf Mil­lio­nen Ge­win­ne­rin­nen und Ge­win­ner." Die Bun­des­re­gie­rung geht da­von aus, dass sich der Min­dest­lohn für 3,7 Mil­lio­nen Ar­beit­neh­mer vor­teil­haft aus­wirkt.

Mit dem Vo­tum des Bun­des­ra­tes ge­hört Deutsch­land von 2015 an zu den dann 22 der 28 EU-Län­der mit ei­ner ge­setz­li­chen Lohn­un­ter­gren­ze.

Bran­chen mit län­ger lau­fen­den Ta­rif­ver­trä­gen dür­fen von der ge­setz­li­chen Lohn­un­ter­gren­ze noch bis En­de 2016 nach un­ten ab­wei­chen. Auch Pflicht­prak­ti­ka so­wie frei­wil­li­ge Prak­ti­ka von bis zu drei Mo­na­ten sind wäh­rend Aus­bil­dung oder Stu­di­um von der Min­dest­lohn­re­ge­lung aus­ge­nom­men. Mit Be­rufs­ab­schluss gilt der Min­dest­lohn grund­sätz­lich auch für Prak­ti­kan­ten.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 10. Mai 2016

Bewertung: Von 2015 an erst­mals ge­setz­li­cher Min­dest­lohn in Deutsch­land 4.0 von 5 Sternen (1 Bewertung)

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