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ARBEITSRECHT AKTUELL // 16/203

Min­dest­lohn steigt auf 8,84 EUR

Min­dest­lohn­kom­mis­si­on be­schließt An­he­bung um 34 Cent: Er­hö­hung tritt zum 01.01.2017 in Kraft
Münzen, Münzhaufen

29.06.2016. Seit sei­ner Ein­füh­rung An­fang 2015 wird der ge­setz­li­che Min­dest­lohn in Deutsch­land erst­mals an­ge­ho­ben, und zwar von bis­her 8,50 EUR brut­to pro St­un­de auf 8,84 EUR.

Die­sen Be­schluss hat die Min­dest­lohn­kom­mis­si­on am ver­gan­ge­nen Diens­tag in Ber­lin be­kannt ge­ge­ben. Er wird rechts­ver­bind­lich, wenn die Bun­des­re­gie­rung die vor­ge­schla­ge­ne An­he­bung durch ei­ne Rechts­ver­ord­nung ver­bind­lich macht.

Die Er­hö­hung des Min­dest­lohns um 34 Cent soll ab Be­ginn des kom­men­den Jah­res gel­ten: Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les (BMAS): Kom­mis­si­on über­gibt Min­dest­lohn-Be­richt, Pres­se­mel­dung vom 28.06.2016.

Fort­schrei­bung des Min­dest­lohns

Ent­spre­chend der Preis­ent­wick­lung muss der Min­dest­lohn von Zeit zu Zeit an­ge­passt wer­den. Dafür se­hen die §§ 4 bis 12 Min­dest­l­ohn­ge­setz (Mi­LoG) ei­ne Min­dest­lohn­kom­mis­si­on vor, die durch über die künf­ti­ge Höhe des Min­dest­lohns berät und ei­nen Be­schluss fasst.

Die Kom­mis­si­on be­steht aus sie­ben stimm­be­rech­tig­ten und zwei be­ra­ten­den Mit­glie­dern oh­ne Stimm­recht. Von den sie­ben stimm­be­rech­tig­ten Mit­glie­dern wer­den je drei auf Vor­schlag der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­or­ga­ni­sa­tio­nen be­ru­fen, das sieb­te Mit­glied ist der neu­tra­le Vor­sit­zen­de.

Die Be­schluss­fas­sung er­folgt nach dem gängi­gen Sche­ma der Ent­schei­dungs­fin­dung in Sch­lich­tungs­kom­mis­sio­nen: Bei der ers­ten Ab­stim­mungs­run­de stimmt der Vor­sit­zen­de nicht mit. Kann nach der ers­ten Ab­stim­mungs­run­de kein Mehr­heits­er­geb­nis er­zielt wer­den und schei­tert auch ein Ver­mitt­lungs­vor­schlag, so stimmt der Vor­sit­zen­de selbst mit ab, § 10 Mi­LoG.

Die Bun­des­re­gie­rung "kann" den Be­schluss der Min­dest­lohn­kom­mis­si­on durch ei­ne Rechts­ver­ord­nung ver­bind­lich ma­chen, § 11 Abs.1 Satz 1 Mi­LoG. Auf­grund die­ser ge­setz­li­chen Re­ge­lung hat die Bun­des­re­gie­rung zwar die Wahl, die vor­ge­schla­ge­ne An­pas­sung des Min­dest­lohns per Rechts­ver­ord­nung zu über­neh­men oder es sein zu las­sen. Sie kann aber nicht selbst über die Höhe des Min­dest­lohns ent­schei­den, d.h. ihn nach ei­ge­nem Er­mes­sen fest­le­gen.

Nach § 9 Mi­LoG soll die Min­dest­lohn­kom­mis­si­on erst­mals ei­nen An­pas­sungs­vor­schlag über die Höhe des Min­dest­lohns bis zum 30.06.2016 mit Wir­kung zum 01.01.2017 un­ter­brei­ten.

Vor die­sem Hin­ter­grund hat die Min­dest­lohn­kom­mis­si­on nun­mehr am 28.06.2016 ei­nen Min­dest­lohn von 8,84 EUR vor­ge­schla­gen.

Erhöhung des Min­dest­lohns 34 Cent

Die Ent­schei­dung der Kom­mis­si­on er­folg­te ein­stim­mig. Be­gründet wur­de die An­he­bung un­ter Ver­weis auf die Ent­wick­lung der Ta­riflöhne, an der sich die Min­dest­lohn­kom­mis­si­on gemäß § 9 Abs.2 Satz 2 Mi­LoG "nach­lau­fend" zu ori­en­tie­ren hat.

Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) hat be­reits an­gekündigt, dass die Re­gie­rung den Be­schluss durch ei­ne Rechts­ver­ord­nung recht­zei­tig um­set­zen wird.

Die Kom­mis­si­on hat sich, so ihr Vor­sit­zen­der Jan Zi­li­us, am Ta­ri­f­in­dex des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes ori­en­tiert. Der In­dex berück­sich­tigt die Ta­rif­erhöhun­gen von Ja­nu­ar 2015 bis Ju­ni 2016. Da­bei berück­sich­tig­te die Kom­mis­si­on auch den Ta­rif­ab­schluss für den öffent­li­chen Dienst, der bis­lang noch nicht um­ge­setzt wur­de. Aus den Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes er­gibt sich ein Lohn­plus von 4 Pro­zent, so dass sich ei­ne dem­ent­spre­chen­de An­he­bung des Min­dest­lohns um (8,50 : 100 x 4 =) 0,34 EUR er­rech­net.

Die von Ge­werk­schaf­ten ge­for­der­te Berück­sich­ti­gung des jüngs­ten Ta­rif­ab­schluss in der Me­tall- und Elek­tro­bran­che lehn­te die Kom­mis­si­on ab.

Stel­lung­nah­men zur Erhöhung

Die Re­ak­tio­nen auf die Min­dest­loh­nerhöhung fie­len durch­wach­sen aus.

Das Kfz-Ge­wer­be hält die Erhöhung für "noch ver­tret­bar". Außer­dem kri­ti­siert der Ver­band den Ver­wal­tungs­auf­wand bei der Ar­beits­zeit­do­ku­men­ta­ti­on.

Tho­mas Grätz, Geschäftsführer des Deut­schen Ta­xi- und Miet­wa­gen­ver­ban­des (BZP) rech­net hin­ge­gen mit er­heb­li­chen Pro­ble­men, die die Erhöhung sei­ner Bran­che bringt.

Dem So­zi­al­ver­band VdK geht im Un­ter­schied da­zu die Erhöhung nicht weit ge­nug. Für ei­ne an­ge­mes­se­ne Al­ters­si­che­rung sei ei­ne er­heb­li­che An­he­bung des Min­dest­lohns not­wen­dig.

Auch Ver­di-Chef Frank Bsirs­ke hat­te ge­hofft, dass der Min­dest­lohn die Zehn-Eu­ro-Mar­ke er­reicht.

"Der Min­dest­lohn wirkt und er funk­tio­niert", sag­te Nah­les. Dies ge­he aus dem Kom­mis­si­ons­be­richt zur Aus­wer­tung der Lohn­gren­zen her­vor. Die Kom­mis­si­on legt die Höhe des Min­dest­lohns nun al­le zwei Jah­re neu fest.

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Letzte Überarbeitung: 29. August 2016

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