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ARBEITSRECHT AKTUELL // 17/033

Un­ter Min­dest­lohn: Mehr Kon­trol­len bei Mi­ni­jobs ge­for­dert

Fast je­der zwei­te Mi­ni­job­ber be­kommt we­ni­ger als den ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen Min­dest­lohn - ein kla­rer Ver­stoß ge­gen das Ge­setz: Stren­ge­re Kon­trol­len müs­sen her, for­dern Kri­ti­ker.
Mindestlohn, Arbeitnehmer arbeiten auf Euro-Münzen
30.01.2017. Vie­len Mi­ni­job­bern in Deutsch­land wur­de der ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­ne Min­dest­lohn im Jahr der Ein­füh­rung vor­ent­hal­ten.

Ei­ner Stu­die zu­fol­ge be­ka­men 2015 knapp die Hälf­te die­ser ge­ring­fü­gig Be­schäf­tig­ten we­ni­ger als 8,50 Eu­ro brut­to die St­un­de, die Ar­beit­ge­ber da­mals min­des­tens zah­len muss­ten.

Je­der Fünf­te er­hielt nicht ein­mal 5,50 Eu­ro, er­gab ei­ne Stu­die des Wirt­schafts- und So­zi­al­wis­sen­schaft­li­chen In­sti­tuts (WSI) der ge­werk­schafts­na­hen Hans-Böck­ler-Stif­tung, die am Mon­tag ver­öf­fent­licht wur­de. Der Min­dest­lohn gilt seit Ja­nu­ar 2015. In­zwi­schen wur­de er auf 8,84 Eu­ro er­höht.

Über die Stu­die hat­te zu­erst die "Süd­deut­sche Zei­tung" (Mon­tag) be­rich­tet. Es ha­be of­fen­sicht­lich "zahl­rei­che Ver­stö­ße von Ar­beit­ge­bern" ge­ge­ben, heißt es dar­in. Im Er­geb­nis ha­be sich die Lohn­si­tua­ti­on für Mi­ni­job­ber nur "par­ti­ell ver­bes­sert": 2014 vor dem Min­dest­lohn hät­ten et­wa 60 Pro­zent der er­fass­ten Mi­ni­job­ber we­ni­ger als 8,50 Eu­ro ver­dient, 2015 nach der Rechts­än­de­rung sank der An­teil nur leicht auf et­wa die Hälf­te.

Ei­ne Spre­che­rin des Ar­beits­mi­nis­te­ri­ums sag­te am Mon­tag, Be­fra­gun­gen wie die des WSI sei­en "im­mer mit Un­schär­fen und Mes­sun­ge­nau­ig­kei­ten ver­bun­den". Die An­ga­ben der Be­frag­ten zu ih­ren Ar­beits­zei­ten sei­en nicht im­mer prä­zi­se. An­de­re Stu­di­en mit zum Teil grö­ße­ren Be­frag­ten­zah­len be­leg­ten die Aus­sa­gen des WSI nicht. Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt ha­be zu­dem er­mit­telt, dass ge­ra­de die St­un­den­löh­ne von ge­ring­fü­gig Be­schäf­tig­ten 2015 über­durch­schnitt­lich stark ge­stie­gen sei­en. Ver­stö­ße ge­gen das Min­dest­l­ohn­ge­setz könn­ten aber nicht aus­ge­schlos­sen wer­den.

Grund­la­ge für die WSI-Stu­die wa­ren Da­ten von meh­re­ren tau­send Mi­ni­job­bern, die die Bun­des­an­stalt für Ar­beit 2015 er­ho­ben hat­te. Neue­re Zah­len lie­gen laut WSI noch nicht vor.

Kri­ti­ker mo­nie­ren vor al­lem feh­len­de Kon­trol­len der so­ge­nann­ten 450-Eu­ro-Jobs, bei de­nen die Ar­beit­neh­mer we­der Steu­ern noch So­zi­al­ab­ga­ben zah­len müs­sen. Da die Ver­diens­to­ber­gren­ze bei die­sen ge­ring­fü­gi­gen Ar­beits­ver­hält­nis­sen fest­ge­legt ist, kann ei­ne Er­hö­hung des St­un­den­lohns nur über ei­ne Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit er­fol­gen.

"Es rächt sich, dass die Bun­des­re­gie­rung die Kon­trol­len des Min­dest­lohns sträf­lich ver­nach­läs­sigt hat", be­fand Bri­git­te Poth­mer, Spre­che­rin für Ar­beits­markt­po­li­tik bei den Grü­nen. "Durch die­se krum­men Tou­ren ge­rät das Er­folgs­pro­jekt Min­dest­lohn in
Miss­kre­dit." Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) ha­be sich "zu lan­ge auf ih­ren Lor­bee­ren aus­ge­ruht".

Auch Lin­ken-Par­tei­chef Bernd Ri­ex­in­ger ging die Ar­beits­mi­nis­te­rin an: "Wo sind die ver­spro­che­nen Kon­trol­len, Frau Nah­les? Hälf­te der Mi­ni­job­ber wird der so­wie­so zu nied­ri­ge Min­dest­lohn vor­ent­hal­ten!", schrieb er auf Twit­ter.

Die SPD-Ar­beits­markt­po­li­ti­ke­rin Kat­ja Mast be­ton­te: "Der flä­chen­de­cken­de ge­setz­li­che Min­dest­lohn wirkt - das zei­gen al­le Zah­len. Ge­gen ge­set­zes­wid­ri­ge Ar­beits­ver­hält­nis­se hilft nur der Rechts­staat - Kon­trol­len, Kla­gen und Stra­fen."

Das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um ver­wies dar­auf, dass der für die Min­dest­lohn­kon­trol­len zu­stän­di­ge Teil der Zoll­ver­wal­tung per­so­nell deut­lich ver­stärkt wer­de. Ins­ge­samt sei­en 1600 neue Stel­len vor­ge­se­hen, die seit 2015 über ei­nen Zeit­raum von fünf Jah­ren nach und nach be­setzt wür­den.

Ein Spre­cher der Mi­ni­job-Zen­tra­le ap­pel­lier­te an die Ar­beit­ge­ber, die ge­setz­li­chen Vor­ga­ben ein­zu­hal­ten: "Min­dest­lohn, Lohn­fort­zah­lung im Krank­heits­fall und Ur­laubs­geld gel­ten auch für Mi­ni­job­ber", sag­te er. Auch die Ar­beit­neh­mer soll­ten sich bes­ser über ih­re Rech­te in­for­mie­ren.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

 

Letzte Überarbeitung: 23. Januar 2018

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